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Den Dichter, das Umfeld sowie einige seiner Werke kennen lernen - mit vielen Illustrationen und Parodieen.

der direkte Weg:

Herkunft

Schulzeit

Theologiestudium in Halle

Jurastudium in Göttingen

Amtmann in Altengleichen

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In einer Übersicht wird das Leben Gottfried August Bürgers nachgezeichnet. Soweit es möglich ist, werden die Stationen seines Lebens mit Bildern illustriert. Auf die im entsprechenden Zeitraum entstandenen Werke wird hingewiesen. Die nebenstehenden Links bieten eine Auswahl an Literatur zu Bürger, Meinungen aus unterschiedlichen Zeiten und Quellen zu Bürgers Wirkung sowie Parodien zu einzelnen Werken.

Bei Bürgers Lebenslauf folgen wir weitgehend der von Helmut Scherer 1995 herausgegebenen Biographie. Allerdings können wir nur Ausschnitte anbieten, der interessierte Leser sollte unbedingt die zitierte Biographie selbst zur Hand nehmen um unverkürzte Informationen zu erhalten. Der Grund für diese Auswahl soll an einem kleinen Beispiel erläutert werden:

So schreibt Dr. Wolfgang von Wurzbach in “Bürgers sämtliche Werke in vier Bänden” von 1902 im Abschnitt “Leben und Werke”: “Da es seinem Vater nicht gelang, ihn in Latein auch nur so weit zu bringen, daß er “mensa” korrekt deklinieren konnte, schickte man ihn zu dem Informator der Kinder eines benachbarten Pfarrers, aber auch hier blieb er hinter seinen Mitschülern zurück, und die Eltern glaubten daher allen Grund zu haben, wenn sie ihn einen “erzdummen Jungen” nannten. Erst 1759 kam Bürger auf die Stadtschule zu Aschersleben, wo er indes auch nicht viel mehr gelernt zu haben scheint, als Flötenspielen.”

H. Scherer schreibt auf Basis eigener Recherchen dazu auf Seite 81: “Dorfschule, Privatunterricht, Stephaneum - so schlecht, wie vom Dichter geschildert, kann seine Ausbildung nicht gewesen sein, denn als er wenige Wochen später in das anspruchsvolle königliche Pädagogium der Franckeschen Stiftungen in Halle eintrat, wurde er nach strenger Prüfung durch den Rektor Johann Anton Niemeyer in allen Fächern, so in Latein, Griechisch und Französisch, oberen Klassen zugewiesen.”

Herkunft

Geboren wird Gottfried August Bürger am 31.12.1747 im
nebenstehenden Pfarrhaus in Molmerswende. Vater ist Johann Gottfried Bürger (geb. 1706), Mutter Gertraud Elisabeth Bauer (geb. 1718). J.G. Bürger übernimmt 1741 die sehr schlecht besoldete Pfarrstelle. Seine Frau ist die einzige Tochter des wohlhabenden Brauherrn, Weißbäckers und Hofesherren Jakob Philipp Bauer aus Aschersleben. Aber auch der Vater stammt aus wohlhabendem Haus: Schloß und Gut Neuhaus mitsamt Frönerdorf Paßbruch. Von den drei Schwestern Gottfried Augusts stirbt eine bereits mit 16 Jahren, mit den anderen beiden hat er zeitlebens ein herzliches Verhältnis.

Schulzeit

Für Bürgers Schulbildung war der Lateinunterricht beim Pfarrer im benachbarten Pansfelde (unten das Pfarrhaus heute) ein gutes Fundament. Für ein Jahr besuchte er 1759/60 das Stephaneum in Aschers- leben, eine “Gelehrten- und Bürgerschule”, die auf ein Studium, ein Handwerk oder den Kaufmannsberuf vorbereitete.
Der Knabe bewies dort schon sein dichterisches Talent - ein spöttisches Epigramm wegen der Haar- tracht eines Mitschülers hatte allerdings die Folge, daß er die Schule verlassen musste. Im Lateinunter- richt hatte er bereits Vergil und Horaz kennen gelernt, Dichter, die ihn sein Leben lang begleiteten.
    
  
Pfarrhaus Pansfelde, Photo Schrader 1994             Das alte Stephaneum, Zeichnung R.Werner 1925

Wenige Wochen später tritt Gottfried August in das anspruchsvolle königliche Pädagogium der Frankeschen Stiftungen in Halle ein. Nach einer strengen Prüfung durch den Rektor. A. Niemeyer wird er in allen Fächern oberen Klassen zugewiesen. Offensichtlich war seine bisherige Schulbildung alles andere als schlecht gewesen.
Das Pädagogium diente der “Erziehung und Information einiger Adlichen und Herrenstandes Kinder”, hatte einen exzellenten Ruf und Schüler aus Amerika, Ostindien, England oder Rußland lernten hier. Die Kosten waren hoch: jährlich bis zu 300 Taler - die Pfarrstelle in Molmerswende brachte gerade 160 Taler ein. Nach drei Jahren, am 29.September 1763, rief Großvater Bauer seinen Enkel nach Aschersleben zurück. Dieser Zeitraum entsprach etwa der üblichen Ausbildungsdauer am Pädagogium, auch wenn Gottfried August lieber geblieben wäre. Rektor Niemeyer erkannte die Talente Bürgers: “Bürger, des alten Provisors Bauers in Aschersleben Enkel, hat ganz ungemeine Fähigkeiten und einen gleich großen Stolz”:       
Zum 50jährigen Gedächtnistag (18. und 19. April 1763) der Einweihung der Gebäude des Pädagogiums fanden gleichzeitig die Sieges- und Dankfeiern zum Ende des Siebenjährigen Krieges statt. Im großen Festsaal gibt “der kleine Bürger” sein Debüt als Dichter: “Gottfried August Bürger, aus dem Halberstädtischen, erfülllet eben diese Pflicht, in einer teutschen Ode”.
Ein halbes Jahr hält sich Bürger bei seinem Großvater in Aschersleben und seinem Vater in Westdorf auf.

Theologiestudium in Halle/Saale 

Am 26. Mai 1764 begann Gottfried August sein Theologiestudium in Halle. Die Folgen der Erziehung im Pädagogium sowie die allgemeinen Umstände an der Universität in Halle schildert H. Scherer in seiner Biographie:
“..., daß durch die Erziehung in den Franckeschen Stiftungen die Schüler “sich größtentheils zu einer äußerlich demüthigen, fast kriechenden Lebensart gewöhnen, im Grunde aber, sobald sie aus ihrem Käfich heraus fliegen dürfen, aller Leichtfertigkeiten, oft großer Ausschweifungen fähig sind”. Auf den viel zu jungen und wenig gefestigten Studenten Bürger treffen diese Sätze in vollem Umfange zu. Den Ausführungen seines Freundes Heinrich Christian Boie aus Göttinger Tagen zufolge, findet man ihn in Studentenkreisen, die für die Anfechtungen und Versuchungen der Großstadt äußerst empfänglich waren: Laster wie Zechen, Spielen, Duellieren, grobe sexuelle Entgleisungen, Schulden machen waren an der Tagesordnung und den wissenschaftlichen Studien in erheblichem Maße abträglich. Eine Ausnahme, ein Einzelfall war Bürger nicht. “In Jena und Halle war die Roheit aufs höchste gestiegen, körperliche Stärke, Fechtergewandtheit, die wildeste Selbsthilfe war dort an der Tagesordnung; und ein solcher Zustand kann sich nur durch den gemeinsten Saus und Braus erhalten und fortpflanzen”, wie Goetthe zu erzählen weiß. Die halleschen Studenten, denen man nachsagte, “viel beweibt und Kenner der weiblichen Reize” und “lüstern, mit ganzem Sinn der Liebe ergeben” zu sein, sie hatten “die Wahl, entweder die Vaterfreuden auf Kosten des guten Rufs und des Geldbeutels zu früh zu empfinden, oder was noch schlimmer ist, die Gesundheit gänzlich zu zerstören und noch in späteren Jahren ein ewiges Andenken an dem Körper zu tragen”. Die Syphilis grassierte erschreckend unter den Studenten in Halle, und viele Zeitzeugen berichteten, “daß der größte Teil der inficierten Studenten grade Theologen, Söhne von Schullehrern und Predigern, gewesene Waisenhäusler seien”.”
Unterkunft nahm Bürger im Hause des angesehenen Theologieprofessors Johann August Nösselt. Sehr anregend und für Bürgers Entwicklung förderlich war der Kontakt zum Professor der Philosophie und Beredsamkeit Christian Adolph Klotz. Damit begann auch die lebenslange Arbeit an der Übersetzung der Pervigilium Veneris (der Nachtfeier der Venus).
      

       Glaubt man der umfangreichen Literatur über Gottfried August
       Bürger
, sollte das nebenstehende Dokument (faksimiliert aus 
       Scherers Bürger-Biographie) Bürgers erste Veröffentlichung
       sein. In der Neuen Hallischen Gelehrten Zeitung war dazu zu 
       lesen:
      
“Unter dem Vorsitz des Herrn Magister Meusel verteidigte am 23. April 1767  
       mit seltener Fertigkeit Herr Gottfried August Bürger aus Aschersleben,
       dessen vorzügliche Geschicklichkeit und wißbegierigen Fleiß wir allen
       Studierenden zum besten anpreisen können, den ersten Teil einer
       Disputation, die den Titel führt de Lucani Pharsalia”.
      
Allerdings hat schon Heinrich Tuitje (Göttingen) darauf 
       hingewiesen, dass Bürger nicht Autor dieser Disputation ist.
       Diesen Hinweis verarbeitet auch H. Scherer in seiner Arbeit
“Die
       soziale Herkunft des Dichters Gottfried August Bürger”
in
       Fußnote 7.
Mit Theologie hat sich Bürger wenig beschäftigt und sein Studium endete abrupt durch den Rückruf des Ascherslebener Großvaters als Folge eines Vorfalls an der Universität, der zur Verurteilung Bürgers zu acht Tagen Karzer führte. Per Rundschreiben hatte man zur Gründung einer an der Universität strengstens verbotenen landsmannschaftlichen Vereinigung aufgerufen. Auf dieser Versammlung, die sehr feucht-fröhlich ablief, war Bürger von der Stadtwache verhaftet worden.

Studium in Göttingen Ostern 1768 -

                                                               noch in Arbeit

 

Förderverein Gottfried August Bürger Molmerswende e.V.

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