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Wir sind hier: Bürger-Parodien

An Agathe,   An die Hoffnung,   Das Blümchen Wunderhold,   Das harte Mädchen

Das Lied vom braven Mann,   Das Mädel, das ich meine,   Der Bauer. An seinen durchl. T

Der Bruder Graurock und die Pilgerin,   Der große Mann,   Der Kaiser und der Abt

Der kluge Held,   Der Raubgraf,   Der wilde Jäger,   Des Pfarrers Tochter von Taubenhain

Des Schäfers Liebeswerbung,   Die beiden Liebenden,   Die Entführung,   Die Kuh

Die Weiber von Weinsberg,   Frau Schnips,   Herr Bacchus,   Hummellied

Lenardo und Blandine,   Lenore,   Liebeszauber,   Macbeth,   Männerkeuschheit

Mollys Wert,   Münchhausen,   Prinzessin Europa,   Spinnerlied,   Trost

     Die links verweisen auf die linke Navigationsleiste, dort sind die zugehörigen Werke anwählbar

Lenore

1775 Der untreue Knabe

1777 Ihro Majestät

1781 Chines. Schattenspiel

1792 Friedrich und Wilhelmine

1793 Lore

1796
Lenoré           

1797 Miss Kitty        

1797 The Maid of the Moor

1799 Staffordshire Advertiser

1800 Schattenspiel Weimar

1803
Charade

1804 P-p. Construction 

1804 Imitation of "Lenora"

1808 Lenore Wunderhorn

1810 Emma und Edgar

1814 Empfindung bey Lesung

1817 Braut Lenore

1824 Kleine Lesefrüchte

1829 Die Male      

1829 Herr Holtei fuhr um's 

1831 Gazette de France

1831 Dublin Evening Mail

1833 Lenore Abendroth  

1834 Sourel        

1834 Homöopathie

1834 August Waise

1836 Napoleons Zug

1836 Die Fahrt Brigittenau

1836 De Rifke fuhr üms

1837 Reise-Skizzen

1839 Die Gallopade    

1839 Gregorius fuhr ums

1841 Der Schriftsteller  

1844 Der Katzenjammer

1846 Fürchterliche Ballade

1846 Herr Bayard

1847 The new Leonora 

1847 Kartoffelkomödie

1847 alten Europa's Zukunft

1848 Todtenkopf-Legion

1848 In Liebe kein Todesgrauen

1849 Brighton Leonora 

1849 Amstels Leonora     

1849 Türkische Verordnung

1849 Hurrah! les Morts

1850 Die neue Lenore      

1850 Die neue Leonore

1850 Der Wochen-Krebs

1850 La Patrie

1851 Der deutsche Kaiser  

1851 Morning Advertiser

1852 Megerle

1853 bekannte Gedichte

1853 ernste Wochenstrazza

1854 Punch-Lenore

1854 Punch Statue

1855 Die Leonore        

1855 Hans Daniel        

1855 Anti-Menschen

1856 Tannhäuser   

1856 Thränodie

1856 Lenore (C. A. M. Axt)

1857 Einlauf         

1857 Deklamiren muß sein

1857
An meinen lieb. Wilhelm

1857 Von der Donau zur Mur

1857 Northern Whig

1859 Wochenkalender 

1859 Magenta

1859 Sopranistin

1859 Charivari

1860 Am Sterbebette

1861 Opfer blinder Liebe

1861 Die neue Lenore (Kl)

1861 Vom Lechthale  

1861 Fröschles Lenore 

1861 Erklärung Klassiker

1862 Lori

1863 Elise

1863 Morning Advertiser

1865 Leehssore    

1865 Verlegenheit

1865 Weekly Mail

1865 Bicester Herald

1866 Entreelied    

1866 Minister-Conseil

1866 David und Itzig

1866 Le Charivari

1867 Deklamator Verlegenheit

1868 Der Sommer fuhr

1868 Ball-Chronik

1869 Breitmann in Maryland

1869 Schwindel

1869 Eine Konfiszirte

1869 Sprühfeuer

1869 Punschtelegramm

1869 Mutter, hin ist hin

1869 Karnevals-Reminisz.

1870 Die Schlacht von Wörth

1870 Lean ´Nora     

1870 Frei nach Bürger

1870 Auch ein Künstler

1870 Eugenia

1870 Fantaisies Satiriques

1870 De Dame République

1870 Le Centre gauche

1871 Frau Oesterreich 

1871 Eugénie

1871 Wiener Spaziergänge

1871
La Liberté

1871 Le Peuple souverain

1871 L'Estafette

1871 Georg Scheuerlin

1871 Hurrah! die Todten

1872 Avancements

1872 Chemnitz

1872 Subcomité

1872
Le Figaro

1872 Morning Advertiser (6)

1872 Morning Advertiser (10)

1873 Alte Citate

1873 Nothgedrungene Erklär.

1873 Le Figaro

1874 Kohaun

1874 Stimme a. d. Unterwelt

1874 Kriminalgeschichten

1875 Kraut / Rüben-Gedicht

1875 Schauderöse Abenteuer

1875 Das Nonplusultra

1875 An den Gräbern

1875 Der Vierte

1875 Le Gaulois

1876 L'Éclaireur

1876 Le Bien public

1877 Die Fliegenkirmes

1877 Evora

1877 Clichés Parisiens

1878 Der Kongreß

1879 Wettrennen-Epilog

1879 Treue Liebe!

1879 Abt von Murbach

1880 Zur Beruhigung

1880 Taunton Courier

1880 Liebe im Irrenhause

1881 Bekannte Balladen

1881 Frei nach Bürger

1881 Erklärung

1881 Gil Blas

1882 Gambetta träumt

1882 L'Estafette

1882 L'Événement

1882 Le Bien public

1882 Le Voltaire

1883 L'Intransigeant

1884 Meldung

1884 Paris

1885 La Vie moderne

1885 Journal du Cher

1886 Plonplon  

1886 L'Estafette

1887 Nachtbild

1887 Der Rotundenfesttag

1887 L'Estafette

1887 L'Indépendant rémois

1888 Sachverständ.-Bericht

1888 Vom Drogisten

1888 Le XIX siècle

1889 Die großen Herren

1889 Vermischtes


1889 Dimanche

1889 La chanson de Ferry

1889 L'Éclaireur

1889 Le Clairon

1890 Natalie

1890 Crispinsche Verzweifl.

1890 Traumbild

1890 La Nation

1891 Schneidig verkürzt

1892 Classisches aus Bädern

1892 Pniower fuhr ums

1892 Im neuen Kurs

1892 Der reuige Wilhelm!

1892 Le Petit Journal

1892 L'Èvénement

1892 Waterford Mirror

1893 Die Rantzau

1893 Auch eine Leonore

1893 Le Siècle

1893 L'Événement

1893 The Newcastle Weekly

1894 Lied vom Fichtenbaum

1894 Demonstration

1894 EINI

1894 Redaktionsbriefkasten

1895 Das neue Plätteisen   

1895 Lied vom Friebeis

1895 Soldaten-Briefsteller

1895 Le Journal

1895 Le Petit Moniteur

1895 Globe

1896 Herr Richter

1896 La Croix

1897 Christchurch Times

1898 Eisenbahnlyrik

1898 La Caricature

1899 Englische Romanze   

1899 Parodie

1899 Die eifersüchtigen Radler

1899 Classisches

1899 Lustige Blätter

1899 Tantiemen-Gesellschaft

1900 Der Schah

1900 Der gerupfte Pfau

1900 Sensationsnachrichten

1900 L'Intransigeant

1901 Balladen-Ragout

1901 Le Constitutionell

1901 La Petite République

1902 Der grausige Ritt

1903 Herr Adabei

1903 Der Tanzhusar

1903 Automobilistensang

1903 La Souveraineté

1905 Sportliche Leistungen

1906 Julius fuhr ums M.rot

1906 Ordnungsl. Leonore

1906 Lenore (nach Bürger)

1906 Burleske Kneschke

1906 Der Steuergalopp

1906 Le Phare de la Loire

1907 Bange Frage

1907 Nur für Mannevölcher

1907 Verbene Junkers Liebe

1907 L'Auto

1907 L'Aurore

1908 Posse “Lenore...”

1908 Lucanus

1908 Phantasiestück

1908 Le Petit Provençal

1908 L'Écho de Paris

1909 Paragraphenreiter

1909 Seifenreklame

1909 L'Avenir

1909 La Libre Parole

1910 Testamentseröffnung

1910 Ein Traum

1910 Deutsche Städtebilder

1911 Liebe Jugend!

1911 La Croix

1912 Lenore

1912 Korrespondenz

1913 Moderne_Lenore

1913 Le Matin

1914 La Lanterne

1916 Le Règiment

1916 Modernisierter B.-Anfang

1916 Le Phare

1917 Die Nicht-Entdeckung

1917 Ostgalizische Feldzeitung

1918 zermürbend. Schweigen

1922 Nedderdütsch nadichtd

1924 Karline am Wahltage

1924 Aus dem Reichstag

1925 Hein Gas

1925 La Croix

1926 Fünf Minuten vor

1926 Salzburger

1926 La Croix

1927 Le Petit Provençal

1928 Moderne Heldenballade

1928 Gabriels Traum

1928 Hühnerauge

1928 Alte Zitate

1928 Communisme intégral

1929 Maxe fuhr ums

1930 Herr Mahraun fuhr

1930 Leonorens Bräutigam

1930 Stresemann

1930
Lenore (Lene Voigt)

1932 Leonore in Riemels

1932 Journale de Roanne

1932 Le Journal amusant

1937 Feuchter Ritt

1937 paradis soviétique

1937 La Vague

1937 L'Indépendant du Berry

1940 Gringoire

1944 La France nouvelle

1993 Lenore hat es satt   

2018 Gekürzte Ballade

 

Weitere Parodien

Begriffe & Literatur
 


Gegenstück - Seitenstück - Antwort - Mittelstück - Imitation - Travestie - Altered from Bürger - Parodie auf

All das sind Teile der Titel von hier aufgeführten Werken. Es scheint schwierig zu sein, eine gemeinsame Überschrift zu finden. Allerdings bewegen wir uns vorzugsweise in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Da war die Sprachregelung erstaunlich klar.

Conversations-Lexikon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch (1809-1811): Die Parodie, (a. d. Griech,) ein Gedicht; im weiten Sinne, überhaupt ein Werk des Geschmacks, das man nach einem andern bekannten Gedichte oder ähnlichen Werke macht, welches letztere man durch zweckmäßige Veränderungen auf einen andern Gegenstand anwendet, oder gleichsam in einen andern Ton setzt.

Herders Conversations-Lexikon (1854-1857): Parodie, griech.-deutsch, scherzhaftes Gedicht, wodurch ein bekanntes ernstes mit Beibehaltung der Form in das Lächerliche umgebildet wird, gehört also der Satire an (vergl. Travestie); auch die witzige, scherzhafte Erwiderung auf die ernste Rede eines Andern, theilweise mit dessen Worten.

Ein schönes Beispiel einer Parodie stammt aus Der Zeitgeist, 25. November. 1861:

Erklärung von Klassikern.

Knabe. Frau Slava fuhr um's Morgentodt -
      empor aus wachen Säumen -
      Ruthen bist untreu oder roth -
      wie lange wirst Du träumen? -
      Er war mit seines Bischofs Schlacht -
      gezogen in die Schmerlingmacht -
      und hatte nicht geblieben -
      ob er gesund geschrieben.
Professor (erklärend.) Das Ausbleiben des Briefes ist leicht erklärlich, die Ruthenen pflegen nämlich meist nicht schreiben zu können.

Manchem heutigen Zeitgenossen mag das etwas wirr erscheinen. Im 19. Jahrhundert gehörte jedoch Bürgers Lenore zu den bekanntesten Dichtungen überhaupt und das betraf wirklich alle Bevölkerungsschichten. Also war jedermann klar, dass es sich um eine, nennen wir es Verballhornung, radikale Umstellung der ersten Strophe der Lenore handelte. Das zeigt auch die wichtigste Voraussetzung, dass eine Parodie funktioniert, also als solche erkennbar wird: das zu parodierende Objekt muss allgemein bekannt sein.

Bisher gibt es keine umfassende Darstellung zu Parodien auf Bürgers Werk. Bezüglich der Lenore werden in der aktuellen Bürger-Gesamtausgabe von Häntzschel (1987) gerade einmal drei erwähnt, sein Verweis auf Goedekes Arbeit von 1916 bringt nur zwei weitere.

Problematisch ist die Abgrenzung, wenn man die Definition des Conversations-Lexikon (1809-1811) zugrunde legt. Was ist mit Übersetzungen? Eine sehr gute Übersetzung wird man kaum als Parodie bezeichnen können, allerdings sind gerade englische Übersetzungen nicht in jedem Falle überzeugend zu nennen. Da es aber von 1796 bis 1892 dreißig verschiedene Übersetzungen gab, beschränken wir uns auf die wenigen, die direkt als Parodien bezeichnet wurden.

Die Beschaffung geeigneten Materials von einem kleinen Dorf aus ist auch im Zeitalter des Internet nicht immer leicht, manchmal sogar unmöglich. Deshalb sei an dieser Stelle Herrn Helmut Scherer (Berlin) für seine Hilfe herzlich gedankt, ganz besonders für die Bereitstellung von Faksimile der prachtvollen Kupferstiche aus der Gedichtausgabe von 1789, der Arbeit von Schüddekopf “Ein Goethisches Lied” sowie mannigfache Literatur zum Thema Parodie. Darunter ist speziell zu nennen: “Dei Wörde det Manns”, ein Titel, der sich im Katalog der Berliner Staatsbibliothek als -Kriegsverlust möglich- findet, deshalb von mir nicht bestellt. H. Scherer bestellte und der Titel existiert. Die Überraschung ist perfekt, wenn man einen Blick in die Einleitung wirft. Dort ist u.a. zu lesen:

“Düsse Wunsch wärd nu nah-folgendermaaten in der Verposselung der beeden kräftigsten un gelesensten Bürgerschen Gedichte, üm sau leewer erfüllt; da Bürger sülwst, 1793, düssen Innfall.....” [Hervorhebung hinzugefügt]

Hier das vollständige Vorwort als Faksimile. 

Hier zur Transkription.

Die Hintergründe werden noch untersucht, jedenfalls ist nicht nur die “Männerwürde” verposselt worden, sondern auch “An die Hoffnung”. Dieses Beispiel zeigt, dass in den Bibliographien nicht immer die Arbeit mit dem Original üblich ist, sonst wäre das aufgefallen - so findet sich sowohl bei E. Consentius als auch bei G. und H. Häntzschel (um nur zwei Beispiele zu nennen) zwar “Dei Wörde det Manns”, nicht aber die “Ode an dei Hoopnung”.

Bürger selbst hat Parodieen über Werke anderer Autoren geschrieben, genannt seien
    - Schäm`dich nicht der Liebe zum Kammermädchen (eine seinem Freund Erich Biester gewidmete
                                        Horazparodie, die in den meisten Gedichtausgaben fehlt)
    - Neue weltliche hochdeutsche Reime [...] oder Prinzessin Europa (eine Travestie nach Ovid)
    - An Themire. Travestirt nach dem Horaz:

Schäm' dich nicht der Liebe zum Kammermädchen,
Erich Biester, rührte die rosenblütne
Bettmagd Briseis doch auch den erlauchten
                      Feldherrn AchilIes.

Schau' auf die Erzväter Abram, Jakob,
Welche Fintchen machten sie nicht, sich mit den
Zofen der Hausehren begeben zu dürfen !
                    Herrliche Zeiten!

Als die alten Saras den Wachsstock hielten,
Wenn die Herrn des Hauses an jüngern Dirnen,
Um den Tisch voll Kinder zu kriegen, Ihre
                   Kräfte versuchten !

Falsch vielleicht, Freund, wähnest du von den Ahnen
Deiner braunen, niedlIchen Miß Luise,
Glaubst du, daß aus niedrer Philster Lenden
                       Diese gekommen?

Ha! wer weiß es, ob sie nicht Fräulein hieße
Oder MamseIl? beichtete nur die Mutter.
Es verrät Ihr Adel, ihr Gang und ihre
                 Züchtige Miene.

Und ihr Anstand in dem beblümten, bunten
Kleinen, saubern Mäntelchen, ihre Unschuld,
Welch' allein noch, feuriges Ding, dich zähmet,
                 Besseren Ursprung.

Ach! wie lockt ihr Auge - ihr Mund - Ihr Busen -
Wade - Fuß? - Doch wähne von mir nichts Arges,
Den bereits unzählige Abenteuer
          Schlapper gemachet.

An Themiren
Travestiert nach dem Horaz

Ach, würden falsche Schwüre
Durch Zeichen an dir kund !
Verfärbte sich, Themire,
Dein frevelhafter Mund!

O, daß ein Zahn sich schwärzte,
Meineidige I daß nur
Ein Fingerchen dir schmerzte,
Das sich erhob zum Schwur!

So glaubt' ich, Götter hielten
Noch was auf Treu' und Pflicht,
Und falsche Mädchen spielten
Mit teuern Eiden nicht. -

Doch deinen Reiz erheben
Verbrechen nur noch mehr;
Und immer dichter schweben
Verehrer um dich her.

Frau Venus und ihr Völkchen
Läßt fünf gerade sein.
Von Unmut nicht ein Wölkchen
Hüllt ihre Stirnen ein.

Per Dio ! Was noch schlimmer,
Dein Flattersinn ergötzt
Den Schadenfroh, der immer
An heißen Pfeilen wetzt.

Daher in allen Schulen
Befiedert täglich sich
Ein Heer von jungen Buhlen,
Und insgesamt für dich.

Die kommen dann, und zollen
Dir Huldigung und Pflicht.
Die Alten aber trollen
Deswegen sich noch nicht.

Und Alt und Jung umschwärmet
Nun, wie behext, dein Haus.
Man baxet sich, man lärmet ...
Ach! wo will das hinaus? -

Dich scheut, des Söhnchens wegen,
Die zärtliche Mama;
Und, seines Beutels wegen,
Der geizige Papa.

Du ängstigst junge Frauen:
Es möchte deinen Wert
Ein Tröpfchen Gunst betauen,
Das ihnen zugehört.

 

Zusätzlich hat Bürger sein eigenes Werk parodiert, siehe die beiden Gedichte zu “Das Mädel das ich meine”.
Noch komplizierter wird es, wenn neben den Begriffen Parodie und Travestie die Begriffe Satire und Farce auftauchen, so in dem Buch “Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drangs”. Dort sind fünf Gedichte und vierzehn Epigramme Bürgers eingebunden.
Es erscheint deshalb sinnvoll, auf Arbeiten hinzuweisen, die sich mit diesen Begriffen z.T. aus literaturwissenschaftlicher Sicht befassen. Am Ende des Kapitels (nach den Bürger-”Parodieen”) werden deshalb Definitionen und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben. An einem kleinen Beispiel (der kürzesten Lenore-Parodie) soll jedoch schon auf einige Aspekte hingewiesen werden:
1. Wenn ein solches Werk nicht im Titel schon das Wort Parodie enthält, ist der Leser gefordert - wenn er das
   Original nicht kennt, wird er vielleicht keine Parodie erkennen.
2. Etwas Verstand wird auch benötigt, der Leser sollte erkennen, was parodiert wird, hier ist es vor allem die Länge
  des Originals.
3. Kuriose Verhältnisse können sich ergeben, wenn dem Leser (oder Zuschauer einer Oper) zuerst die Parodie
   und dann erst das Original bekannt ist.
4. Parodie ist oft ein geschicktes Spiel mit Wörtern, an unserem Beispiel besonders gut zu studieren:
  im Original bedeutet “fuhr aus ihren Träumen” aufwachen, nicht aber sich fortbewegen, “ums Morgenrot” ist zeitlich
  gemeint”. In der Parodie erfolgt eine doppelte Umdeutung: Lenore fährt um das Morgenrot herum, also Bewegung 
  und räumliche, nicht zeitliche, Veränderung.

Eine vermutlich unbeabsichtigte Parodie zu Bürgers Balladen erschien 1787 von Geiger im Salzburger Musenalmanach unter dem Titel "Mädchentreue oder Ritter Ferdinand". Der Herausgeber des Almanach verwahrt sich zwar 1788 gegen Vorwürfe des Rezensenten der ALZ von 1787, aber das Werk spricht für sich. In der Allgemeinen Literaturzeitung von August 1787, Sp. 494 ist zu Geigers Gedicht zu lesen:
      "Eine andere Ballade eben dieses Verf. (S. 141.) Mädchentreue, ist etwas besser; aber es ist auch ganz natürlich; denn bis zu halben Strophen ist sie wörtlich aus Bürgers Blandine, Entführung etc. zusammengeschrieben."

Mädchentreue oder Ritter Ferdinand. Eine Ballade. von Geiger. In: Salzburger Musenalmanach auf das Jahr 1787

Ich fuhr vor einem alten Schloß;
  Es war um die Mitternachtsstunde:
Da bebten, da sträubten sich bäumend die Roß,
  Da wauten so grausig die Hunde!
"Herr! sieht 'r den schwarzen Reuter dort
  Auf seinem weissen Schimmel?
So macht ers allen an diesem Ort.
  Gott gebe dir Ruhe im Himmel!"

      der vollständige Text

Eine sicher nicht unbeabsichtigte Parodie stammt von René Hermann Markowsky. Da sie keinem einzelnen Bürgerschen Werk direkt zugeordnet werden kann, ist sie an dieser Stelle eingeordnet.

Biedermannsmär.  In: "Was ich athme wird Moral", Nürnberg 1961

Paßt her, ich berichte
Ein Märlein behend!
Zwar stammt die Geschichte
Von Percy aus Kent,

      der vollständige Text

Êbenfalls nicht nur einem Gedicht zuordenbar ist

Das Lied vom Oberarzt von Carl Georg von Maassen. Es wurde 1919 erstmals in Diotimas Blumenkörbchen veröffentlicht unter dem Pseudonym Johann Elias Barbst.

Sagt an, w a s ist ein Oberarzt?
ist’s der, der mit den Stiefeln knatzt,
Der voller Stolz und unentwegt
Die weiße Küchenschürtze trägt,
Der bald aus Nothdurft, bald zum Spaß
Die blanke Brille aud der Nas’,
Der selbst vor Leichen noch posiert
Und Bürgers Lyrik laut zitiert?
   Wir stimmen nur zögernd ein:
   Soll das ein Oberarzt schon sein?

     der vollständige Text
 

Der Schreiber von Diotimas Blumenkörbchen machte sich auch den Spaß, einen Bürgerbrief zu erfinden: Bürger an Dieterich vom 1. März 1782.

Ich denke, holdseliger Herr Bruder, du wirst den Almanac de Muses richtig erhalten haben; [...]

     der vollständige Text

 

Die Grafen Guiscardi von J. A. von Ehrenberg. Wien 1787

Vierter Akt. Erster Auftritt.
Auf dem Tisch liegen zwey Paar Pistolen.

(Bedienter puzt Pistolen und singt.)

Ho ho! Jüngst flog in meinen Hain
Ein kirres Täubchen zu mir ein,
Hätt' ich es nicht gefangen,
So wär es mir entgangen.
Ha ha ha ha ha ha!

Der Ritter, der ritt hop sa sa!
Und strich sein Bärtchen trallala!
Fein Liebchen sah vom weiten,
Fein Liebchen sah ihn reiten.
Ha ha ha ha ha ha!
 

 

Ordnet man die folgenden Bearbeitungen Bürgerscher Gedichte nach der Intention der Autoren, kann man deutlich auch unterschiedliche Motivationen erkennen:
– dem Inhalt des Originals soll widersprochen werden (Männerkeuschheit)
– die Bekanntheit des Originals soll genutzt werden, um eine Botschaft zu transportieren (Napoleons Zug nach Rußland)
– die eigene Bedeutung soll gesteigert werden, indem möglichst viele bekannte Werke eines berühmten Autors parodiert
  werden (Die Fahrt nach der Brigittenau u.a.)
– die Lust am Spiel mit Worten am eigenen Werk (Die Hexe die ich meine)
– die Nutzung der Struktur des eigenen Werkes, um ein anderes Werk lächerlich zu machen (Wer hat die Arsback...)
- ein bekanntes Werk Bürgers wird umgearbeitet um den Stil eines anderen Schriftstellers parodieren zu können (Ratschky)
Für alle folgenden Werke kann jedoch Bürgers Epigramm als Motto dienen:


                Wenn dich die Lästerzunge sticht,
                So laß dir dies zum Troste sagen:
                Die schlechtesten Früchte sind es nicht,
                Woran die Wespen nagen

 

 

 

Lenore (1773)

   ...

   “Rapp´! Rapp´! Mich dünkt der Hahn schon ruft.
   Bald wird der Sand verrinnen
   Rapp´! Rapp´! Ich wittre Morgenluft
   Rapp´! Tummle dich von hinnen !
   Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf !
   Das Hochzeitbette thut sich auf !
   Die Todten reiten schnelle !
   Wir sind, wir sind zur Stelle.”

   Rasch auf ein eisern Gitterthor
   Ging´s mit verhängtem Zügel.
   Mit schwanker Gert´ein Schlag davor
   Zersprengte Schloß und Riegel.
   Die Flügel flogen klirrend auf,
   Und über Gräber ging der Lauf.
   Es blinkten Leichensteine
   Rund um im Mondenscheine.

    ...

   

Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789. Stich von Daniel Chodowiecki

 

Die Kurzfassung:

Lenore fuhr ums Morgenrot
und als sie rum war
war sie tot.

 

Der untreue Knabe von Johann Wolfgang von Goethe.

Dieses Gedicht bezeichnet Heinrich Düntzer als Gegenstück zu Bürgers Lenore. Viktor Hehn zieht in seinen Gedanken über Goethe einen drastischen Vergleich zwischen diesem Goethe-Gedicht und Bürgers Lenore: "Ja, bis auf den heutigen Tag ist von der Schulzeit her die Lenore in Jedermanns Munde, von dem untreuen Knaben aber wissen nur die Kenner, deren Zahl nicht groß ist. Aber wie wenig zuständig ist auch hier das Gericht des Publikums, die Stimme der Menge! Wie wenig ist Popularität ein Kriterium des Aechten! Die Lenore trägt alle Fehler der Bürger'schen Dichtweise an sich und ist weder in Erfindung noch in Behandlung ein Meisterstück."

Es war ein Knabe frech genug,
War erst aus Frankreich kommen,
Der hatt' ein armes Mädel jung
Gar oft in Arm genommen,
Und liebgekos't und liebgeherzt,
Als Bräutigam herumgescherzt,
Und endlich sie verlassen.
      [...]
Auf einmal steht er hoch im Saal,
Sieht sitzen hundert Gäste,
Hohläugig grinsen allzumahl
Und winken ihm zum Feste.
Er sieht sein Schätzel unten an,
Mit weissen Tüchern angethan,
Die wend't sich -

      der vollständige Text

 

Ihro Majestät von Martin der Ijel

Da gebläcktich Kīseran
se huet eas hoardet ugedohn
åls Krästen messe mir verzoahn
ech wūl et ha når īst noch sohn.

[...]

Der Kenneng uch de Kīserän
hu glåt äm näst gestridden,
stūlz de Krüin uch stur der Sänn
de Welt breocht endlich Fridden.

[...]

Katholesch Religion wor schwårz,
de Mänschhīt terf et wässen,
der Kiseran, dem grüißen Motterharz
hot em ze vill Blomen åf är Graw geschmässen.

   der vollständige Text

 

 

Bürgers Leonore von André in Musik gesezt und in Chinesischem Schattenspiel aufgeführt von der Fräulein von B*** zu Regensburg 1781

Herrn Bürgers leibliches Kind, und Herrn André's Pflegetochter, Leonore, hat zu Regensburg die lezte Erziehung erhalten, da sie von der Fräulein von B. im Chinesischen Schattenspiel, nach ihrer eignen Erfindung und Ausarbeitung mit Musik gegeben worden ist. Dieses Spektakel, da Schatten wirklich redend und handelnd in einer gewissen Ordnung aufgeführt werden, ist wohl das erste in seiner Art: eine nähere Beschreibung desselben dürfte also Leonorens Freunden nicht unangenehm seyn.
       [...]

     der vollständige Text 

 

 

Friedrich und Wilhelmine von C.v.H.g.B.B. in Unterhaltungen in Abendstunden


O Friedrich, Friedrich! bist du todt?
Wo bist du denn geblieben?
Zum zwölftenmal wird's Abendroth,
Und du hast nicht geschrieben!
Hast nicht geschrieben, wie's dir geht,
Und wie's mit deiner Liebe steht;
Kannst du denn so vermessen
Dein Weibchen schon vergessen!

     der vollständige Text
 

 

 

Lore. En Ballade fra dette Aarhundrede. (1793.) von Jens Zetlitz in Jens Zetlitz samlede Digte, Christiania 1825

Zu dieser Ballade stellt Ivar Sagmo in seiner Arbeit über Goethe und Skandinavien 1999 fest: "Noch 1793 meinte der Norweger Jens Zetlitz diesen Kampf gegen das, was seine Generation als "deutsche Sentimentalität" aufgefaßt hat, führen zu müssen. In seiner ´Lore. Eine Ballade aus diesem Jahrhundert´, die als eine Parodie auf die bei ihrem Erscheinen Aufsehen erregende Ballade ´Leonore´ (1783) von Gottfried August Bürger angelegt ist, hören wir von dem ´Quatsch, der Tausende Mädchen hingerissen hat´. Was ´Miller geschrieben´ und womit ´Göthe sein Zeitalter vergiftet´ habe, wird angeprangert, wie hier überhaupt über den ´Unsinn, den diese Irrlichter der Gefühle entfacht´ hätten, ein vernichtendes Urteil gesprochen wird."



I Skjonne, horer en Ballade
Og en af de elendugste,
Hvor intet Svoerd anretter Skade
Og intet Gjenfoerd er at see;
Hvor ingen Midnatsklokke lyder,
Oh ingen Ugle Vanheld spaaer,
Og ingen limpen Karl fortryder
Den Nod, ham ei til Hjertet gaaer.

   [...]

O Tydskland, o Tydskland! Du Hermanners Land,
Hvor dybt Du er skjunker i Nonsens og Vand.

   der vollständige Text

 

Lenoré von John Halket. Unveröffentlichte Parodie auf Bürgers Lenore. Handschrift in der Göttinger Universitätsbibliothek.
                     Katalogverzeichnis Nr.2° Cod. Ms. philol.

Translated from the German
      of
Gottfried Augustus Bürger
      by
      I. H.

At 1/2 past XI o'clock,
   (Like other young Ladies of fashion)
Lenoré, in nightcap, and smock,
   Popp'd out of her bed in a passion.

First ringing the bell for her Maid,
   To scold her without rhyme or reason,
"Is the dear man not come yet?" she said,
   "Though now 'tis so late in the season?"

              [...]

And You Single Spinsters so gay,
   If you wish to be thought to act right,
And to gain each a Husband by Day,
   You must not ride double by Night.


89 Strophen mit zwei farbigen Abbildungen. Ausführliche Besprechung der Parodie in G. A. Bürgers Ballade Lenore in England von Evelyn B. Jolles, Regensburg 1974, S. 160f.

 

Miss Kitty: a Parody, on Lenora; a Ballad, Translated from the German. 1797. Digitalisiert von Google.

Eine ausführliche Beschreibung dieser Parodie findet sich in G. A. Bürgers Ballade Lenore in England von
Evelyn B. Jolles. 1974, S. 148f.

 AWAKE all night, Miss Kitty toss´d,
  Unconscious of the down:
"My BELMONT, art thou kill´d, she said,
  - Or, art thou not in town?"

    der vollständige Text.

 

The Maid of the Moor, or The Water Fiends von George Colman

     Frederick H. Wilkens im Kapitel German Poetry (Early Influence of German Literature in America, New York, London, Berlin 1900) schreibt: "The popularity, in England, of Bürger's ballad Lenore is well known. The English translations of this ballad, ´the best ballad of the century,´ were undoubtedly imported into America, like all the various products of the British press. Its moderate size also made it suitable for reprinting in the periodical press and it was, we may presume, reprinted in that way.2
[...] Parodies of the German ballad style also found their way into the periodical press. The Philadelphia Repository and Weekly 
      Register for 1800-1801, Vol. 1,p. 328, reprints a burlesque of the German ballads (it "appeared in The Dessert to the True American two and a half years ago") beginning :


              ´Cold blows the blast; -the night's obscure.
                   The mansion's crazy wainscots crack:
              the Sun had sunk: and all the moor,
                   Like every other moor was black."

         der vollständige Text in My Nigth-Gown and Slippers, or Tales in Verse,
                            written by George Colman, the Younger, London 1797

         Eine Rezension darüber findet man in The Critical Review, March 1798

 

 

OLLA PODRIDA. In: Staffordshire Advertiser, July 13, 1799

IMITATED FROM THE GERMAN OF BURGER,
          (Author of “Leonora.”)

     BY SIR JAMES LAWRANCE, KNIGHT OF MALTA

     So warm his passion for his bride Louisa,
        Sir Robert cannot talk of here enough,
     He would make any sacrifice to please her,
        But absolutely cannot leave off Snuff.

olla_podrida_1799

 

Lenore als Schattenspiel im Jahr 1800 in Weimar.

Prolog zur Lenore,
welche in Weimar im Jahr 1800 als Schattenspiel vorgestellt wurde, gedichtet *) von Kotzebue.

Hoch gepriesene Damen und Herrn,
Die Schale, wie Sie wissen, ist nicht der Kern.
Es möchte cheinen ein Schattenspiel
Solle bedeuten für Kinder und Weise nicht viel.
             [...]

         der vollständige Text

*) für einen kleinen Privatzirkel, im Augenblicke, als sich die darstellenden Personen in der Garderobe zur Vorstellung ankleideten.

 

 

 

Poetisch-prophetische Construction der Geschichte der Kantischen Philosophie, nebst einem
geschwänzten Sonette, und einer neuesten Epoche in der deutschen Poesie.
Eingesandt aus Jena.

Dieses ganz merkwürdige literarische Erzeugnis ist zu finden in: Neues Museum der Philosophie und Literatur, 1804 S.163-170
Ein Auszug:

Ausführlich beschreibt nunmehr der Poet das populare Drängen und das sentimentale Jauchzen des Volkes der Platten in jener Periode.
   Ach! aber für Lenoren
   War Gruß und Kuß verloren.
Die Philosophie fand ihren Mann nicht. Und Kant ließ noch immer nichts von sich hören.
Der Poet mahlt hierauf die verzweiflungsvolle Situation der Philosophie.
   Als nun der Zug vorüber war,
   Zerzauste sie ihr Rabenhaar,...
Dieses Gemählde konnte nicht schicklicher ausgeführt werden, als durch die Unterhaltung der Philosophie mit ihrer
M u t t e r, nämlich der V e r n u n f t.
   Die Mutter lief wohl hin zu ihr.
   Ach ! daß sich Gott erbarme !

       der vollständige faksimilierte Text mit dem geschwänzten Sonette

 

Charade von Chk. in Taschenbuch zum geselligen Vergnügen, Leipzig 1803

Lenore fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
´Ach Gott! Geliebter! du bist todt!
Ich sah in höhern Räumen
Dein bleiches Bild durch Nebelflor
Wehmüthig nach mir blicken,
Und tief aus wunder Brust hervor
Gepreßte Seufzer schicken.

   der vollständige Text

 

The Observer. No. VI. Imitation of Burger's "Lenora". In: The Poetical Magazine, London 1804

     At Whitsuntyde, with gloomy thoughts,
        Poor Mary struggled sore;
     "My William, art thou slaine," said she,
        "On Egypt's fatal shore ?"

    He went abroade, with many moe,
       The Gallic foe to quell,
    But he no word to her had writ,
       An he were sick or well.

    der vollständige Text im The Poetical Magazine

 

Lenore. (Bürger hörte dieses Lied Nachts in einem Nebenzimmer.) In: Des Knaben Wunderhorn, Zweyter Band, Heidelberg.    Über den Zusammenhang mit Bürgers Gedicht siehe Frau Auguste Pattberg, von Reinhold Steig 1896.

Es stehn die Stern am Himmel,
Es scheint der Mond so hell,
Die Todten reiten schnell:
        [...]

   der vollständige Text
 

 

Emma und Edgar von Annette von Droste-Hülshoff.

Cornelia Blasberg schreibt dazu u. A.: "Aufschlussreich ist das Gedicht im Hinblick auf Drostes literarische Sozialisation und die Entstehung der frühen Lyrik durch Nachahmung. Mit seinen 17 achtzeiligen Strophen, die Kreuzreime im ersten und Paarreime im zweiten Quartett kombinieren, gibt sich Emma und Edgar als Kurzfassung und Variation von Gottfried August Bürgers (1747-1794) berühmter Ballade Lenore (1773) zu erkennen."  

Wild brauste der Sturm durch die Wälder,
Es rauschte der Regen herab,
Durchnäßte die wogenden Felder
Und stürzt' vom Gebirghang herab;
Es flogen die Wolken, es wälzte der Nord
Durch der Burg hochwölbende Hallen sich fort,
Und Emma in einsamer Kammer
Rang weinend die Hände voll Jammer.

   der vollständige Text

 

 

Empfindung bey Lesung des Briefwechsels zwischen Bürger und Boie über die Lenore von J. E. A. Stigler. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 16. July.


O wie beneid´ ich deine Schöne,
Du Zeit, voll Dichterruhm und Glauz;
 Und euer selig Loos, ihr Söhne
Der Musen und des Vaterlands!
Euch flocht, vereinigt, die Kamöne,
Den neidenswerthsten Lorberkranz,
Von Blut und Thränen nicht begossen,
Und keinem Leichenfeld entsprossen.

   der vollständige Text

 

Braut Lenore von Friedrich Rückert in Friedrich Rückert's Kranz der Zeit, Zweiter Band, 1817

Ein schön französisch Mägdlein schaut
Des Nachts im Mondenscheine:
Hier lieg' ich arme junge Braut
In kalter Nacht alleine;
Mein Bräutigam, der mich betrog,
Von hier ins kalte Rußland zog.
Hast du die Lieb' erfroren
Zu Moskow vor den Thoren?

   der vollständige Text

 

 

K l e i n e  L e s e f r ü c h t e in Zeitung für die elegante Welt, 30. März 1824
In der Münchener Akademie der W. ist nach dem Hesperus 1824. No. 39, eine Notiz des akademischen Astronomen S o l d n e r über den neuen Kometen verlesen worden, deren eigentlicher Inhalt gewesen, daß er ihn noch wenig beobachtet habe, daß aber die in den Zeitungen spukenden Beobachtungen des Kanonikus S t a r k in Augsburg auf astronomische Charlatanerie hinausliefen. Die Münchener Flora hat bei Gelegenheit dieses Kometen der dortigen Sternwarte das Epigramm angehängt:
 "Schläfst, Liebchen oder wachst du?" Schlagender noch wäre folgende Travestie aus Bürgers Leonore gewesen:

      Graut Liebchen auch? Der Mond scheint hell,
      Hurrah! Kometen laufen schnell!
      Graut Liebchen vor Kometen?
      "Uh - ah!*) - Laß die Kometen!"

*) Gähn-Interjection.

 

 

Die Male (Amalie) von C.W.Peschel. In: Schlesischer Musen-Almanach. 1829. (Sammlung Helmut Scherer)

Die Male sprach: - ums Morgenroth
Erwacht aus schweren Träumen -
“Zehn Freunde gehn wohl auf ein Loth,
Noch immer thut er säumen!
Ich meinte doch: in einer Nacht
Wär fertig solch ein Rock gemacht,
Ich hatt´s ihm ja geschrieben,
Und er - ist ausgeblieben.”

    der vollständige Text.

 

Herr Holtei fuhr um's Morgenroth. In: Didaskalia, 7. Juli. 1829

Herr Holtei fuhr um's Morgenroth
  Empor aus Dichterträumen,
Zum Drama konnt' er Wilhelms Tod
  Zu bilden nicht versäumen:
Er bot auf seine ganze Macht,
Dem besseren Geschmack der Schlacht
  Zu liefern, ward geschrieben.
  Wär' er zu Haus geblieben!

 

 

GAZETTE DE MAISE_ET_LOIRE

[…] Un poète allemand a reproduit la même pensée que Bossuet sous le voile de l'allégorie : Bürger aussi a peint des couleurs les plus vives l'entraînement des passions. La ballade de Léonore ne semble qu'un conte de revenans, mais ce conte de revenans n'est qu'une image effrayante de notre position. Lénore, c'est la France ; le spectre, c'est la révolution : comme Lénore, la France est emporté par un mouvement irrésistible, vers un précipice qu'on lui cache, mais qu'elle pressent. Ah ! Les peuples emportés par les révolutions, vont vîte, parce que, comme les morts, ils n'ont qu'un seul moevement, la chute ; qu'un seul point d'arrêt le tombeau.
Henri Fonfrède a développé cette allégorie d'une manière frappante :
« La France, dit-il, ressemble à cette fiancée blasphématrice d'une ballade allemande, elle s'élance sur le coursier du fantôme qui l'emporte à travers les champs, sous une lune pâle et glacée : l'horison fuit et recule dans des ténèbres mouvantes : quand nous arrêterons-nous ? Dit-elle toute éperdue. - Marchons, marchons, répond le fantôme en pressant sa course : le morts vont vîte. - Quand nous arrêterons-nous, répète-t -elle encore d'une voix plus faible ? - Les morts vont vîte, répondit-il, de nouveau, plus rapidement emportés ….. Ils arrivent enfin, les grilles du cimetière se brisent devant eux, et tous les deux s'engloutissent dans la fosse humide qui leur sert de couche nuptiale. »
 

 

From the Age. In: Dublin Evening Mail, 18. May 1831

The Whig Ministers have got the country into such a situation merely to keep their places, as that they cannot now remain stationary. They have introduced a bill which contains provisions of which even they are now afraid; but how will they, after exciting the feeling they have done, be able to repress it? “On, on, on,” must he now our motto. Hurre, hurre! Hop, hop, hop! Like the demon steed in Burger's Leonora; and who can say when we are to find a resting place?

 

 

Lenore fuhr ums Abendroth von Moritz Gottlieb Saphir. In: Der Bazar für München und Bayern, 18. Oktober 1833

Lenore fuhr ums Abendroth
Empor aus dem Theater,
Ich litt' als hätt' ich schwere Noth,
Und gähnte wie ein Kater;
Hätt Friedrich einst statt aller Macht
In jener großen Prager Schlacht
Ein solches Stück geschrieben,
Es wär kein Feind geblieben!

Der Bürger und die Bürgerin
Sie machten mich bald müde,
Ich warf mich auf den Sperrsitz hin
Und schlummerte voll Friede.
Und als gar kam der Sing und Sang,
Da wartete kein Mensch mehr lang,
Es sogen sich die Weisern
Zurück zu ihren Häusern!

 

Sourel. Parodie von Bürgers Leonore, im jüdischen Dialekte, wie er am Rhein gesprochen wird. In: Gemeinnütziger und erheiternder Haus-Kalender 1834

Die Sourel faeihrt um´s Morjerouth
Uff ahnmoul uff aus Traeume:
“Nu Itzig lieb, sag bist du toudt,
Sag, wie lang willst de saeume ?” - -
Der Itzig, mit Napoliouns Macht
Marschirt uff Rußland in der Schlacht,
Hot noch kahn Wort geschriebe,
Oeb er gesund geliebe.

     der vollständige Text
 

Das Original stammt von Christian Heinrich Gilardone und steht in: Parodiee, Gedichtches und prousaische Uffsätz. Vun kahn Jüd' - van e Gojem. Speyer 1832

Die Parodie beginnt mit einem

          Proloug

Wer iss aesteitisch unn kennt nicht
Em Berger sein Lenoure? -
Es gebt kahn feineres Gedicht!
Nahn, halt, vitzekepoure!
Dou kimmt unn lies't mein Parodie,
Gebt's eppes Kouscherer's aß die; -
Ouser, sie macht Euch traurig
Denn sie iss gar sou schaurig.

       der vollständige Text

 

Rez. Der homöopathische Rathgeber für das Haus von Eleonore Wolf. In: Hygea, Fünftes und sechstes Heft, Carlsruhe 1834

Leonore fuhr ums Morgenroth
Als mag'rer Krebs nach Leipzig;
Sie gab von ihrem Himmelsbrod,
Umsonst - der Magen sträubt sich.


 

August Waise von Carl Flormann in Conversationsblatt.

          [...]
Ich hatte im Eifer des Vortrages nichts bemerkt, und sprach eben mit dumpfer Stimme:
  Graut Liebchen auch? - - Der Mond scheint hell!
  Hurrah! Die Todten reiten schnell!
  Graut Liebchen auch vor Todten?
Da fiel er mir laut, halb unwillig, halb flehend in die Rede: Ach! Laß sie ruh'n, die Todten! -
          [...]


        der vollständige Text

 

 

Napoleons Zug nach Russland. In: Ein hundert deutsche historische Volkslieder. Hg. Fr. Leonard von Soltau Leipzig 1836

Napoleon fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen -
Ach, alles hin, ach, alles tot,
Jetzt muß ich Deutschland räumen!
Er war mit seiner ganzen Macht
Gen Rußland zogen in die Schlacht,
Man hatte oft geschrieben,
Daß er gesund geblieben.

       der vollständige Text

 

Die Fahrt nach der Brigittenau. In:Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, 
 Wien 1834 - 1839

D` Lenorl fuhr ums Abendroth
Empor aus düstern Träumen ;
“Wo bleibt mein Jörgerl ? - Schwerenoth,
Wie lang wird er noch säumen ?
Er ging als Aufhackknecht ins Gay ,
Und schwur bey seiner Lieb´ und Treu
Zum Kirchtag mich zu führen ,
Und dort recht zu traktiren !”

        der vollständige faksimilierte Text mit Original

 

 

F. von Semper Lustig. In: Das schnurrige Sextet, Leipzig 1836

De Rifke fuhr üms Morgenrouth
   Empor aus schweren Träumen,
Bist untreu, Mauschel. oder toudt?
   Wie lang noch werste säumen?
Er wor mit aner Jüdenband
Gezogen nach Ochsen ins' Pauhlenland;
   Ka Wörtl hot er geschrieben
   Ob er gesünd geblieben.

      der vollständige Text

 

 

Reise-Skizzen aus Italien von Ludwig August Frankl. In: Wiener Zeitschrift, 27. July 1837
              [...]
Der Esel fiel bald aus dem Galopp in kurzen Trab, so daß es mir durch Leib und Seele ging, und ich dachte schmerzlich:
      "Des Gehens bist du ledig,
       Gott sey der Seele gnädig."
Ein freundschaftlicher Stein machte dem Trabe ein Ende, indem der Esel über ihn stolperte:
       "Graut Grauchen vor dem Steine?
        Ach lass' sie ruh'n die Steine."
              [...]
 
      der vollständige Text

 

 

Die Gallopade von Ulrich von Destouches. In: Erzählungen und Gedichte. München 1839. Digitalisiert von Google

   Die Lenerl fuhr am Faschingstag
Empor von ihrem Sitze:
"Wo nur der Krispin bleiben mag,
Der bringt mich noch in Hitze!" —
Denn da er zu der Gallopad'
Sie lang schon engagiret hat,
So war ihr angst und bange,
Blieb er doch gar so lange! —

   der vollständige Text

 

 

Gregorius fuhr ums Morgenroth von Theodor Echtermeyer und Arnold Ruge in Der Protestantismus und die Romantik.

Gregorius fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
Bist untreu, Wilhelm? o der Noth! -
Da schrieb er ohne Säumen:
Was immer er geschrieben,
Er sei sich treu geblieben.
 
   die vollständige Quelle          

 

 

Der Schriftsteller. Von W. v. A. In: Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Es fuhr Herr Carl um´s Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
“Du bist ein großer Schlagetodt,
Wie lange willst du säumen ?
Du schreibst so gut, wie Göth´und Tieck;
So setz´dich hin, schreib die Kritik
Von Bürgers Leonore,
Das macht gewiß Furore !”

     der vollständige Text

 

 

Der Katzenjammer nach dem Börsenrausche in Der Humorist 17. Juni 1844
Große Zahnlücken sind in den Reihen zu bemerken; wie nach einer Schlacht fragen sich die auf dem P l a t z 
G e b l i e b e n e n um die Zahl der T o d t e n, H a r t b l e s s i r t e n und V e r m i ß t e n mit Z a h l e n und
Z a h l u n g e n! Und Mancher, der
          »Mit König Friedrich's Macht
          Gezogen in die Prager Schlacht,
          Der hat nicht mehr geschrieben,
          Und ist zu Haus' geblieben!«

 



Fürchterliche Ballade. In: Der Anecdotenjäger, Februar 1846 [als Quelle nennt Didaskalia vom 27. Januar 1846: Aus der "Narrhalla. Mainzer Karnevalszeitung. Redigirt von Ihm. Sechster Jahrgang. Erste Lieferung. Mainz, 1846. Druck und Verlag von Joh. Wirth."]

Der Saal erglänzt im hellsten Kerzenstrahle
Und lust'ger Sang ertönt aus jeder Kahle.

Und Tänzer fliegen auf der Freude Schwingen;
Doch ein Herz klopft voll Kummer und voll Bingen.

Es ist das Herz des Fräuleins Leonore,
Des Fräuleins mit dem rabenschwarzen Lockenhoore.

   der vollständige Text 

 

Herr Bayard von Carl Eduard Cramer in Ein fliegendes Blatt aus dem Vaterlande. Leipzig 1846

Herr Bayard.
Frei nach Bürger

Herr Bayard fuhr zur frischen Luft
   Empor aus Grabesräumen.
"Wer pocht, wer weckt mich aus der Gruft
   Zu neuen Lebensträumen?
Erst wandte jüngst mir Kotzebue
Viel mitleidvolles Lächeln zu;
   Jetzt, fürcht' ich, geht's noch schlechter,
   Jetzt werd' ich zum Gelächter",

"Seigneur, wohl manches Ritters Ruh'
   Stört man in uns'ren Tagen! -
Bin Sachse, bin, wie Kotzebue,
   Ein Deutscher, so zu sagen!"
"Dann scheint ein Denkmal mir zu drohn?
Wie, selbst aus fremder Nation
   Plagt Eures Deutschlands Mode
   Die Todten jetzt zu Tode?"

"Ein Denkmal? nennt es so, wohlan!
   Nur war, verehrter Franke,
Bei dem, was mein Genie ersann,
   Ans Denken kein Gedanke.
Ist dies der Türkensäbel doch,
Den unser Gegner schwingt so hoch;
   Lass' uns den Sieg ihm rauben
   Durch Grobsein und durch Glauben.

Ein Nam' auch, den ich uns erlas,
   Sei frei von Mißverstande.
Wie man den Gegner Africas
   Einst Africanus nannte,
Wie ferner, ganz im gleichen Geist,
Ein Heer Gesellschaft Jesu heißt,
   So wir, dem Feind zum Hohne,
   Intelligenzbarone.

Zu üppig blühn die deutschen Gaun,
   Drum wuchern dort Gedanken.
Barone setzten einstens, traun,
   Dem Volkswohl Maß und Schranken;
Doch jetzt kein Kampf auf Hieb und Stich!
Von uns wird, mindstens, sicherlich,
   Sobald er angebrochen,
   Gehaun nicht und gestochen!

Ein Blatt, ein Nonplusultra-Blatt,
   Sollst Du zur Fehde führen,
und Jeder fühlt sich schwer und matt,
   und fühlt ein seltsam Rühren,
Als spürt er tief mein Doctorthum
In eingegeb'nem Opium,
   Und könnte nie genesen -
   Sobald er's durchgelesen.

O Chevalier, steh' mächtig da,
   Als Geist von starkem Geiste!
Ein Ritter und ein Doctor - ha!
   Da beugt sich auch der Freiste!
Und waren Beide ehedem
Einander nicht durchaus bequem,
   So sprech' ein Pfaff den Segen,
   Daß wir der Eintracht pflegen".

Nun tanzten wohl im Mondenglanz,
   Mit Grazie und ohne,
Still murmelnd, ihren Kettentanz
   Intelligenzbarone:
"Heil Frankreich, wo der Retter naht!
Er ist der Hort für Kirch' und Staat,
   Der Tod der Sturmaufreger,
   und Hunger der Verleger!" -


 

The New Leonora (Altered from Bürger). In: Punch, Vol. XII London

Punchs Poems of Parliament

The New Leonora (Altered from Bürger)

The County-Member rose from dreams
  Of Peel und base defection:-
"Art lost, or liv'st in STANLEY'S schemes,
  My own, my loved Protection?"
The cause hab suffered in the fight,
Where Peel with COBDEN joined and BRIGHT;
But there was an impression
'Twould rise again this Session.

  der vollständige Text

 

Achter Auftritt in Eine Kartoffelkomödie von Heinrich Hoffmann 

         LALA
  (oben am Fenster)

Bist du's, mein Knot-jang, dessen Lied
Wie kühner Efeu sich zu meiner Zelle rankt?

       KNOT-JANG

Jawohl! Jawohl! Tu auf, mein Kind!
Schläfst, Liebchen, oder wachst du?
Wie bist du gegen mich gesinnt?
Und weinst oder lachst du?

        LA LA

Ach, Knot-jang, du? - So spät bei Nacht?
Geweinet hab ich und gewacht;
Ach, großes Leid erlitten.
Wo kommst du her geritten?

      KNOT-JANG

Wir satteln nur um Mitternacht.
Weit ritt ich her aus Böhmen.
Ich habe spät mich aufgemacht,
Und will dich mit mir nehmen.

    (Wuwatz zeigt sich und ist höchst erstaunt.)

Doch jetzt ist genug deklamiert! Hurtig herab oder wir sind verloren!

 

 

Des alten Europa's Zukunft von Friedrich Saß.

Friedrich Engels schreibt in seinem Manuskript über die wahren Sozialisten (Manuskripte und Drucke zur Deutschen Ideologie, 2018): “Zu der Berliner Couleur des wahren Sozialismus gehört auch Herr Friedrich Saß, der ebenfalls ein Buch über seine geistige Vaterstadt geschrieben hat. Von diesem Herrn ist uns indeß nur ein Gedicht vorgekommen, das in dem sogleich näher zu besprechenden Püttmannschen ´Album´ p 29 zu lesen steht. ln diesem Gedicht wird ´des alten Europa's Zukunft´ nach der Weise: Lenore fuhr ums Morgenroth mit den ekelhaftesten Ausdrücken, die unser Verfasser in der ganzen deutschen Sprache finden konnte, & mit möglichst vielen grammatischen Fehlern besungen. Der Sozialismus des Herrn Saß reduzirt sich darauf, aß Europa, das ´buhlerische Weib´ nächstens untergehen wird.”

Des alten Europa's Zukunft

Europa, Deine Stunde naht,
Und Deine Säulen zittern;
Es muß die alte Cadmussaat
Im wilden Sturm verwittern;
Dein Mark, Dein Leben ist geknickt,
Dein blut'ger Purpur wird geflickt,
Und Deine Diplomaten,
Was können sie noch rathen?

      der vollständige Text

 

 

Wie die Todtenkopf-Legion ausreist in Wiener Punch, 21. Dezember 1848

 

todtenkopf-legion_1848_klein

 

 

 

     Er war vor uns'rer Heeresmacht
      Entflohen schnell um Mitternacht,
      Und hat im Blatt, im lieben,
      Ein Wort nicht mehr geschrieben!
      Und viel Gesindel, husch, husch, husch,
      Kam hinter ihm geprasselt,
      Die jedes einst, wie Herr Cartouche,
      Durch Blätter hat gerasselt.
      "Sasa, Gesindel, wo ist der Muth,
      Daß Ihr so sehr laufen thut?"
      - „Schön Dank, wir retten unsere Felle,
      Die Todten reiten schnelle!"

 

 

 

 

 

 

 

In Liebe kein Todesgrauen von August Kopisch in Allerlei Geister, Berlin 1848

"Ich halte Wort, ich komm zu Nacht;
Wie schwer ich sank in blut'ger Schlacht!" -
   Wie heiß sie ihn umschließt,
   Wie sie in Thränen fließt! -
"Margrethe, graut dir nicht?" -
"Wie soll mir graun, bin ich bei dir,
Bin ich bei dir und du bei mir?" -

"Komm mit!" - "Ich komm!" - "Mein Roß ist grau;
Doch streift's mit uns den lichten Thau!
   Wie scheint der Mond so hell,
   Wie jaget Tod so schnell!
Margrethe, graut dir nicht?" -
"Wie soll mir graun? Ich bin bei dir,
Ich bin bei dir und du bei mir!"

"Vorüber fliegt manch lieber Ort;
Wie fröhlich waren einst wir dort!"
   Wie scheint der Mond so hell,
   Wie jaget Tod so schnell! -
Margrethe, graut dir nicht?" -
"Wie soll mir graun? Ich bin bei dir,
Ich bin bei dir und du bei mir!" -

Da wehts entgegen kalt wie Eis:
"Margrethe, wird wie Schnee so weiß!
   Die Erde weicht hinein,
   Wegflieht des Lichtes Schein.
"Margrethe, graut dir nicht?" -
Da hangt sie stumm an seinem Mund,
Und über ihnen schließt der Grund.


 

The Bürger and Brighton Leonora, or Romance versus railway: dedicated by permission to all desperate daughters - by I.W. Warre Tyndale; illustrated by K.A. Drake.  Digitalisiert von Google.

LENORA from her dreamy bed
  Awoke at rosy break of day:
“Oh, William, art thou false or dead,
  Why tarry thus so long away?”
With Frederic´s royal train and might
He went to Prague´s protracted fight,
And ne´er had tidings sent to tell
If still he lived, if all were well.

     der vollständige Text mit vielen Illustrationen.

 

Bürgers en Amstels Leonora: een spoorweg romance, opgedragen aan alle wanhopig dochters
het Engelsch van J.W. Warre Tyndale vrij gevolgd door W.J. van Zeggelen. Digitalisiert von Google.

    Rezensionen von 1849 und 1850 zu dieser Parodie in der ONLINE-BIBLIOTHEK

Naauw lichtte in ´t Oost de dageraad,
  Toen LENORE ontwaakte,
En met de smart op ´t schoon gelaat
  Een zucht van weemoed slaakte.
“Ach, WILHELM! ach wanneer misschien
Zal ´k u gelukkig wederzien ?
Of moest, bij ´t dolend zwerven,
Ge op vreemden bodem sterven?”

     der vollständige Text mit mehreren Illustrationen.

 

 

Amüsantes. In: Wiener Zeitschrift, 3, März 1849

T ü r k i s c h e V e r o r d n u n g.

Um alle Sinnbilder und sinnlichen Ausdrücke für die rothe Republik zu vernichten, wird hiermit angeordnet.

1) Die rothe Farbe ist für immer abgeschafft und darf nie wieder hervorgebracht werden.
               [...]
7) Auch den Damen sind rothe Schleifen, Kleider, Hals- und Busentücher verboten, ebenso auch die Schaamröthe.
8) Abend- und Morgenröthe sind abgeschafft und also darnach alle Gedichte zu ändern.
So muß es z, B. heißen;

Lenore fuhr zur Frühstückszeit
Empor aus wirren Träumen.

              Der Pascha Bimmstein.

 

 

Hurrah! les Morts vont vite!  in Feuilleton du PEUPLE du 12 Juin 1849

Serous-nous morts ce soir? Mes amis, il n'importe,
On peut vivre ou mourir quand on a l'áme forte;
Ce qu'il faut, c'est aller ou vous pousse le Dieu,
Et briser ce qui tente á vous couper la route
Comme. á la baionnette, on prend une redoute
      En couirant droit au feu.

    Der vollständige Text      (Erläuterung)

 

 

Die neue Lenore. In: Isis. Zeitschrift für Unterhaltung und sociales Leben, 28. Juli 1850
                      Erstmals veröffentlicht in Leuchtkugeln, 1850, S. 55

Die neue Lenore.

Rapp'! Rapp'! Mich dünkt, der Hahn schon ruft ...
Bald wird der Sand verrinnen,
Rapp'! Rapp'! Ich wittre Morgenluft ...
Rapp'! Tummle dich von hinnen! -
Vollbracht, vollbracht ist dieser Lauf!
Das Hochzeitbette thut sich auf.
Die Todten reiten schnelle!
Wir sind, wir sind zur Stelle.

Rasch auf die Revolution
Ging's mit verhängtem Zügel.
Ein leichter Schlag zersprengte schon
Den Hecker, Struv' und Siegel.
Die Bayonnette klirrten auf,
Und über Gräber ging der Lauf.
Es blinkten Leichensteine
Ringsum im Mondenscheine.

   der vollständige Text

 

 

Die neue Leonore in Leuchtkugeln: Randzeichnungen zur Geschichte der Gegenwart — 6.1850

Rapp'! Rapp'! Mich dünkt, der Hahn schon ruft...
Bald wird der Sand verrinnen,
Rapp'! Rapp'! Ich wittre Morgenluft..
Rapp'! Tummle dich von hinnen! —
Vollbracht, vollbracht ist dieser Lauf!
Das Hochzeitbette thut sich auf.
Die Todten reiten schnelle!
Wir sind, wir sind zur Stelle."-

        Der vollständige Text

 

 

Der Wochen-Krebs von M. G. Saphir in Der Humorist 5. November 1850

Wir fuhren sehr früh aus, beim ersten Dämmerlichte schrie uns eine Dame, die auch in die Luft fuhr, entgegen:
 „A u f g e s c h a u t!" Es war „L e n o r e," die eben „um's Morgenroth fuhr" in einer Droschke, wie sie Dr. L. A. Frankl für's Heil des langsamen Fortschritts längst proponirte! Wir fragten Lenore: „Was suchen Sie hier im Blauen?" Sie erwiederte: „Ich suche meinen Wilhelm, der mit „König Friedrichs Macht" ist gezogen in die Schlacht, und er hat mir zwar viel geschrieben, aber er ist mir nicht treu geblieben. Und nun such' ich ihn da oben im blauen Dunst. Haben Sie in irgend einer Windregion meinen Wilhelm nicht begegnet?"—Wir konnten ihr von ihrem Wilhelm nichts sagen, da „zerraufte sie ihr Rabenhaar," ich nahm eine Locke zum Andenken mit, „und fuhr weiter."

 

 

La Patrie, 29 septembre 1850

- Le SIÈCLE se hâte d'enterrer les solutions, en chantant à tue-tète les refrains de la ballade de Burger : les Morts vont vite ! Nous engageons le Siècle à prendre garde aux revenants.

 

 

Der deutsche Kaiser, von Louise Dittmar. In: Der Wiener Postillon, 1851, S. 165-167

Der Deutsche fuhr um’s Morgenroth
Empor aus schweren Träumen;
“Bist untreu, Freiheit, oder todt,
Wie lange willst Du säumen?”
Die Freiheit, nach der Herrmannsschlacht,
Gezogen in die dunkle Nacht,
Sie hatte nicht geschrieben,
Wo sie seitdem geblieben.

  der vollständige Text

 

 

[FROM OUR OWN CORRESPONDENT] In: Morning Advertiser 16 May 1851

      PARIS, WEDNESDAY EVENING.
M. Leon Faucher, the Prime Minister, seems resolved to give the world ocular demonstration of the truth of the axiom, that if you set a beggar on horseback he will ride to the devil. By some of those shufflings of the cards by which the Kings and Queens have to get to the bottom of the pack, and the knaves to the top, M. Leon Faucher has twice found himself minister since the first eruption of the Republic. On the first occasion, when he was thus set on horseback, he rode helter-skelter to the – in fact, that sable personage who seems to exercise such unaccountable influence upon the destinies of this country. He has again set forth on another mad-brained galopp, again reminding us of the “Todten reiten schnell” in Burger's famous ballad Lenore.

 

 

 

Die Megerle von Moritz Gottlieb Saphir: Rezension "William Shakespeare," nach einer Novelle von Rödiger, von Th. Megerle. In: Humorist, 22. October 1852

Die Megerle fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist fertig, Wilhelm? schwere Noth!
Wie lange willst Du säumen?
Er soll mit der Costumenpracht
Ausfüllen eine Schauspielnacht,
Doch ist er nicht geblieben,
Wie der Rödiger geschrieben!

 

 

Illustrationen zu bekannten Gedichten. In: Montags-Blatt, 11. Juli 1853

bekannte_lenore_1853

      der vollständige Beitrag 

 


Ernste und humoristische Wochenstrazza in Wiener Punch, 12. Jänner 1853

Der Humorist fährt um's Abendroth
 Empor aus seinen Räumen;
 Kreuzhimmeltausendschwerenoth!
 In's Theater ohne Säumen!
 Da hat denn für die Sonntagsnacht
 Die Burg ein neues Stück gebracht,
 Doch ist's geheim geblieben,
 Wer dieses Stück geschrieben!

 Das Carltheater und die Josephstadt,
 Der schlechten Stück' nicht müde,
 Für Sonntags stets ein Fiasco hat,
 Gott schenke ihnen Friede;
 Und in's Theater an der Wien
 Zog ich zu Feldmann's Posse hin,
 Die, geschmückt mit Lorbeerreisern,
 Gefiel den Sonntags-Häusern!

 

 

Oesterreich. Wien, 14. September 1854 In: Pesth-Ofner Localblatt.

Der Londoner „Punch“ hat sich's zur Hauptaufgabe gemacht, die aus der Ostsee zurückkehrende Flotte und die großmäuligen Verheißungen ihrer Kommandanten bei deren Abgange zu persifliren. Einer Abbildung ist eine Parodie von Bürger's Lenore: „Und jede Flott' mit viel Gestank, mit leeren Fässern ohne Trank, geschmückt mit Kronstadts - Mauern, zog heim um da zu lauern“ beigedruckt. Auf einem anderen Bilde sieht man einige Matrosen stehen, welche die leeren Hände ausstrecken. In der Beschreibung heißt es: „Diese sind die Messerwetzenden Jungens Napier's, aber ihre Messer sind Lichtenberg'sche Messer, nämlich Messer ohne Klingen, an denen der Stiel fehlt.“ -

 

 

SERMONA IN STONES; OR, THE MEETING OF THE STATUES. In: PUNCH, OR THE LONDON CHARIVARI 1854

punch_statue_1854

 

 

Die Leonore. In: Der Anecdotenjäger. Zeitschrift für das lustige Deutschland. Zehnter Band. Nordhausen 1854 u. 1855.  Digitalisiert von Google

„Kraut, Liebchen, auch!" sagte mein Vater und schob die Platte mit Sauerkraut meiner Mutter zu. Es war nämlich Sonntag Mittag, und das schwäbische Lieblingsgericht stand auf dem Tische. Der mütterliche Magen konnte zeitweise kein Sauerkraut vertragen und ward alsdann mit Blutwurst und geräuchertem Schweinefleisch entschädigt, weshalb Papa für nöthig hielt, auf den Inhalt der Platte aufmerksam zu machen mit den Worten:
        „Kraut, Liebchen, auch!"
„Der Mond scheint hell!" sagte ich halblaut vor mich hin, obgleich eigentlich die Sonne schien. Papa sah mich mit freudestrahlenlen Augen an, Mama aber ließ Messer und Gabel fallen, maß erst mich, dann Papa'n mit Zornesblicken und fuhr auf: „So muß auch noch der Bube das närrische Zeug auffangen! Ist aber auch kein Wunder, denn man hört kein gescheidtes Wort mehr von Dir. Wenn mir nur das Sappermentsbuch nicht ins Haus gekommen wäre!"
        „O Mutter, Mutter, was mich brennt,
        Das lindert mir kein Sakrament!"
sagte ich, und blies mit beiden Backen auf den heißen Inhalt meines Tellers. Hätte Papa mich nicht in Schutz genommen, so wäre ich mit meiner poetischen Reminiscenz übel gefahren.

    der vollständige Text

 

Hans Daniel fuhr ums Morgenroth von Anonym. In: Kladderadatsch, 21. October. 1855

    "Rapp'! Rapp'! ich wittre Morgenluft!"
    Hans Daniel fuhr ums Morgenroth
    Mit schrecklichem Gerassel -
    Es war für ihn kein Butterbrot -
    Zum letzten Mal durch Cassel!
    Zu Ende war's mit seiner Macht;
    Es hatte noch in später Nacht
    Sein Brotherr ihm geschrieben,
    Daß er's zu arg getrieben!

    Und überall, all' überall
    Auf Wegen und auf Stegen,
    Zog Alt und Jung dem Jubelschall
    Der Freudenpost entgegen.
    Gottlob! - rief Bräutigam und Braut -
    Gottlob! rief Kind und Gattin laut,
    Und Jubel ohn' Ermessen
    War in dem Lande Hessen!

    Und rasch nach rechts und rasch nach links,
    Durch Dörfer, Städt’ und Flecken,
    Durch alle Deutschen Gauen rings
    That sich der Ruf erstrecken:
    "Geduld, Geduld! Wenn's Herz auch bricht!
    Nur stets Geduld und hadert nicht!
    Hans Daniels sind wir ledig!
    Gott sei - dem Lande gnädig
    !"
     

 

 

Der "Anti-Menschen-Quälerei-Verein" im Reiche der Thiere. In: Humorist, 26. März 1855

9) Dem "Rappen" aus der "Lenore" im "Josephstädter-Theater" wird drei Tage kein Heu gegeben, wenn er so wenig zieht wie die "Lenore" selbst, die nicht r i t t, sondern f u h r "um's Morgenroth."
 

 

 

Pilger- und Jägerchor von Hermann Wollheim. In: Tannhäuser oder: Die Keilerei auf der Wartburg, Hoyerswerda. 1856

       (Pilger und Jägerchor bringen zwei Bahren).
       Morgenroth, Morgenroth!
       Du Latern' zum frühen Tod.
       Ach um sich vor vielen Jahren
       Ist Lenore 'rumgefahren
       In der Droschke des Vereins.
       Kaum gedacht, kaum gedacht,
       Sollst du werden Todesnacht.
       Gestern roth und heut erblassend
       Ach das find ich gar nicht passend
       Von ein junges Liebespaar.

 

 

Thränodie von S. W. F. X. G. D. B. Schmid, Privatgelehrter aus Dresden. In: Kremser Wochenblatt, 9. Februar 1856

Dem eingescharrten Fasching g e w i d m e t ohne W i d m u n g, ohne Vorwort und ohne Nachwort.
            Motto:

      Der Fasching ist vorüber
      und "h i n ist h i n, verloren ist verloren!"
      schreit die L e n o r e in B ü r g e r s gleichna-
      miger Ballade und
      schreien 100000 T r a u e r n d e nach.
 

 

Lenore in Gedichte von Dr. Carl August Moritz Axt, Kreuznach 1856

Auf dem Söller stand Lenore
   Und der sehnsuchtsvolle Blick
Ruhte auf den fernen Bergen:
   Ach, er kehrt noch nicht zurück!

      der vollständige Text

 

 

Einlauf. In: Nürnberger Beobachter 6. August 1857

Hübsch Gretchen fuhr ums Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen:
Bist untreu, Wilhelm! oder todt,
  Wie lange willst Du säumen? -
  Der polizeiliche Beschluß,
  Hat ihm gemacht zwar viel Verdruß,
   Doch hat er oft geschrieben,
   Daß er gesund geblieben.

  der vollständige Text

 

 

Das Deklamiren muß sein. In: Telegraf vom 6. August 1857

deklamiren_muss_sein_1857

 

An meinen lieben Wilhelm von Anonym (Briefkasten-Einsendungen). In: Augsburger Anzeigenblatt, 24. August 1857

     Vom lieben, schönen Morgenroth
     Bis Nachts die Sterne blinken,
     Ruf' ich: bist untreu oder todt?
     Wo bleibt so lang der Schinken?
     Und auch die Preßwurst rührt sich nicht,
     Vergesse nicht ganz Deine Pflicht,
     Sonst wird Dir noch geschrieben,
     Ob Du mir treu geblieben.
     Vom lieben schönen Abendroth,
     Bis zu der Sonne blinken,
     Ruf ich: bist untreu oder todt?
     Wo bleibt so lang' der Schinken,
     Geh' Wilhelm, thue Deine Pflicht
     Mit mir Herr Bruder had're nicht,
     Geh' Wilhelm, mach ihn fertig,
     Ich bin ihn jetzt gewärtig.
 

 

Von der Donau zur Mur in Tagespost 31. October 1857
 Protokollirte Reise-Romanzen von Th. Koch.
 Romanze Nr. 1.
    Von Preßburg nach Wien

    "Rapp', Rapp'! Mich dünkt, der Train schon pfeift,
    Der Oberconducteur hat just geblasen!"
                (Frei nach Bürger)

 

 

Parliament. In: Northern Whig,13. Juni 1857

There are Deputations and petitions; and there is, indeed, all the machinery of a real House of Commons. But Britannia, if she make progress, rides, like Leonora in the Bürger ballad behind a skeleton - a myth.

 

 

Wochenkalender von Anonym. In: Kladderadatsch, 17. Juli 1859

       Montag, den 18. Juli.
    Italien fährt ums Morgenroth
    Empor aus blut'gen Träumen:
    Wo bist du Freiheit? Schwere Noth!
    Wie lange willst du säumen?

       Dienstag, den 19. Juli.
    Der Kaiser schreibt der Kaiserin:
    ´Des blutigen Haders müde,
    Erweichten wir den harten Sinn -
    Geschlossen ist der Friede

       Mittwoch, den 20. Juli.
    ´Gottlob!´ ruft Kind und Gattin laut,
    ´Willkommen!´ manche frohe Braut,
    Doch denkt auch Der und Jener
    Der armen Italiäner:

        Donnerstag, den 21. Juli.
    ´Du arme Freiheit, lisch nur aus!
    Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus!
    Für uns ist kein Erbarmen -
    O weh, o weh uns Armen!

        Freitag, den 22. Juli.
    Komm, Pfaffe, her mit deinem Chor
    Und gurgle ihr das Sterbelied vor!
    Komm her und sprich den Segen,
    Eh' sie ins Grab sie legen!´

         Sonnabend, den 23. Juli.
    Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht!
    Mit der Geschichte hadert nicht!
    Des Einen seid ihr ledig;
    Gott sei dem Andern gnädig!
                Kladderadatsch

 

 

Magenta in: Die Bombe. Journal für alles was blitzt und kracht. Wien, 10. Juli 1859
 

Magenta.

     "N a p o l e o n fuhr um's Morgenroth
     Empor von seinem Sitze,
     Bist untreu M a h o n, oder todt,
     Warum bleib' ich ohne Stütze?" 

Da kommt endlich Mahon, der den Kanonendonner gehört hat - befreiet ihn aus dem S c h l a m a s s e l, - und Paris wird zu Ehren des "S i e g e r s - E m p e r e u r" illuminirt. - M a h o n wird freilich s t a n t e p e d e Marschall - aber in den
B u l l e t i n' s wird nichts weiter von ihm erwähnt.

 

 

Nationaltheater von M. In: Mercur (Pest Ofner Kundschafts und Auctionsblatt), 3. März 1959
Das Publikum zeichnete die genannten Sänger auch diesmal durch häufigen Beifall aus, nur -

  Die Sopranistin sang mit Noth;
  Man könnte darauf räumen:
  "Leonore" fuhr um's Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen.
 

 

THÉATRE-LYRIQUE
Faust, opéra en cinq actes de MM. Auguste Barbier et Michel Carré, musique de M. Gounod.
In : Le Charivari 22. April 1859

Suite des impressions d'un faoustiste.
Fifres, tambours, cymbales ; sifflez, battez, retentissez, la paix est faite, c'est aujourd'hui que les braves reviennent au pays, c'est comme la ballade de Lenore.
   Und jedes heer mit sing und sang,
   Mit pauchenschlag und kling, und klang !
   Gesmuckt mit grünen reisern
   Zog heim zu seinen haüsern.
Qui peut se traduire librement de la façon suivante :
   Et les soldats dansant, chantant,
   Les cymbales faisant kiing ! Klang !
   Le front paré de feuilles vertes,
   Rentrent daus leurs maisons ouvertes.

 

 

Am Sterbebette ihres Kindes von Karl Bernhard. In: Gedichte eines Straßburgers, Straßburg 1860

Was starrt dein Blick so engelrein,
Du liebes, holdes Töchterlein,
Nach jenen Himmelsräumen?
Hat denn dein dunkles Auge schon
Erspäht des Weltenvaters Thron,
Dort über Wolkensäumen?

     der vollständige Text

 

Leonore, das Opfer blinder Liebe. Eine Geschichte aus Preußens großen Königs Friedrich II. Helden- und Waffenthaten. Nebst dem Liede: Lenore fuhr um's Morgenroth.

Wilhelm war der einzige Sohn eines alten biedern Landedelmannes, Namens Strahlberg in Pommern. Als sich im Jahre 1756 Preußen zum Kriege rüstete, hätte Wilhelms Vater, der früher unter den Fahnen des alten Friedrich II. gedient hatte, gerne den Feldzug noch einmal mitgemacht, allein seine geschwächte Gesundheit und hohes Alter gestatteten ihm dies nicht.
   [...]

   der vollständige Text

 

Die neue Lenore. In: Kladderadatsch 26. Mai 1861

Borussia fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Bin ich mir untreu oder todt?
Wie lang' noch will ich säumen?
Noch hab ich durch moral'sche Macht
Erobert nichts
, wie man gedacht
Und wie man oft geschrieben -
Ach, wo bin ich geblieben.

  der vollständige Text

 

Vom Lechthale. Ein Echo von den Bergen in zwangslosen Reimen auf das Halloh der Freimaurerblätter bei Gelegenheit der Treibjagd gegen die glaubenstreuen Tiroler. In: Tiroler Stimmen, 7. September 1861

     Die Presse fuhr ums Morgenroth
       Empor aus schweren Träumen:
     "Ist Alles untreu, oder todt?
       Wie lange wird man säumen!
     Noch immer agitiert Tirol,
     Daß es doch der Schwarze hohl
     Sammt seinem Felsenneste!
     Das wär' das Allerbeste.

     der vollständige Text in Beilage zu den "Tiroler Stimmen" No. 129 

 

Meister Fröschle's Illustrationen zu Bürger's Lenore. In: Fliegende Blätter, Nr. 815

lenore_froeschle_parodie

 

 

Wiener Eulenspiegel. In: Der Zeitgeist, 25. November. 1861

9. Erklärung von Klassikern.

Knabe. Frau Slava fuhr um's Morgentodt -
      empor aus wachen Säumen -
      Ruthen bist untreu oder roth -
      wie lange wirst Du träumen? -
      Er war mit seines Bischofs Schlacht -
      gezogen in die Schmerlingmacht -
      und hatte nicht geblieben -
      ob er gesund geschrieben.
Professor (erklärend.) Das Ausbleiben des Briefes ist leicht erklärlich, die Ruthenen pflegen nämlich meist nicht schreiben zu können.

 

 

Operette Lori. In: Salzburger Zeitung 10. April 1862

lori_operette

 

Theater und Kunst. In: Harmonia, Oedemburg, 6. Dezember 1863

      Elise fuhr ums Morgenroth
      Empor aus schweren Träumen
      Sag, schläfst du, oder bist du todt?
     Wie lang willst du noch säumen!

Nun ja, wir schlafen nicht und sind nicht todt.
 Am 23. v. M. hätte uns jedenfalls der Postillon von "Stadl-Enzersdorf" wachgeblasen - und wir haben diese Parodie des französischen Lustspiels in deutscher Geduld verdaut, so gemein und trivial der erste Postillon auch immer sein mag, picanter Salat zu den zähen Braten waren die Tänze.

 

 

SPAIN. In: Morning Advertiser 14 December 1863

[FROM OUR OWN CORRESPONDENT]
             MADRID, DEC. 9.
They say that there is a skeleton in every house; but few houses have a festering corpse under the dining-table. As they banqueted at the expense of the gentleman below, possibly they may have drunk to his memory, and indulged in merry jests at his expense. Mrs. Manning, having passed her youth in the service and society of aristocratic houses, may, perhaps, have picked up a smattering of German literature in her annual trip up the Rhine with her patrician mistress; perhaps she taught her husband the railway porter, to join her in Burger's wondrous ballad,--
      “Hurrah, hurrah, the dead can ride,
       Dost fear to ride with me?”

 

 

Leehßore, Travestie nach Bürger's "Lenore."
        Vom Verfasser des "Gütsteher." [d.i. Reb Gedaljeh Pinkeltroger]
        Wien, Herzfeld & Bauer. 1865

Leehßore wahnt sich de Agen roith
Uen höert nit auf zü schreie:
"Is Wolfele plete oder toidt?
Oder thüt er's gor bereue?"
Mit Maier, Feiwel, ün Jekewbär
Is er fort zün Schier, zün Rebbe Reb Mär;
Oder noch nie hot er geschrieben
Uem Leberlech oder Grieben.

      der vollständige Text



Verlegenheit in Neuer Styx, humoristisch-satyrisches. Beiblatt zur "Pester Sonntags-Zeitung." Nr. 14, 1865

Romanzero.
    XV.
 V e r l e g e n h e i t.

Festlich in dem Brautgewand'
Steht die Braut an Bräutigam's Hand.
Dichter Schleier sie verhüllt,
W i l h e l m ist von Luft erfüllt.

Das "Bedecken" ist vorbei,
Braut und Bräut'gam athmen frei.
Nur noch einige Sekunden:
Ewig sind sie dann verbunden.

Süßer Plebs harrt vor dem Thor,
Und im Tempel harrt der Chor,
Harrt der Gäste große Schaar,
Noch kommt nicht das junge Paar?

Bist untreu W i l h e l m oder todt?
Willst warten bis zum Morgenroth?
Und F o l e n o s, voll Ungeduld,
Dem schlechten Wetter gibt die Schuld.

Dicker Bräut'gam ängstlich schaut,
Auf die schöne dicke Braut,
Kein Fiaker in dem Ort
Führt das dicke Brautpaar fort.

Endlich nach zwei langen Stunden
Ward ein Wagen aufgefunden,
Der dazu sich wollt' bequemen,
Dickes Brautpaar aufzunehmen.


 

 

The Weather and the Crops. In: Warder and Dublin Weekly Mail, 29. April 1865

[...] Talking of Poles, it was an emigrant who had actually taken part in more than one Warsaw insurrection who performed the responsible office of engine driver from the French frontier at Busigny, near Cologne, to the station at
Montmartre, and had thus charge of the train bearing the Czar of all the Russias. He managed to keep up a velovcity of 30 leagues an hour, and might, if so minded, have re enacted what Burger sang in his German ballad of Leonora.

 

 

SPORTS AND PASTIMES. In: Bicester Herald 04 August 1865

By far the handsomest of the three Goodwood Cups, was the Chesterfield, run for on the last day. Somewhat wandering out of the beaten tract of equestrian groups, c., the designer, Mr. Robert Jefferson, has taken to the realms of poetry, and produced a subject illustrative of the German ballad of Leonora, exquisitely beautiful, and so much superior to anything we have seen in that way lately that we regret it was not the Cup of the meeting. The horse on the course has a wonderful amount of “go” in him; and the attendant angels, Leonora's intercessors, which form the handles, are beautifully designed in oxidised silver. There is a vast amount of elaborate ornamentation at the base, and, altogether, the piece of plate reflects the highest credit on both modeller and manufacturers.

 

 

Entreelied, von Henrion, Poly [Kohlenegg]; Musik Carl Millöcker. Sachsen in Oesterreich.
             Komisches Grenzbild mit Gesang, Wien. 1866

    Aurora fuhr ums Morgenroth!
    Bist, Theurer, untreu oder todt?
    Wie lang wirst Du noch säumen?
    Er hat mir nicht geschrieben,
    Ob er is todt geblieben.
    Was nützt mich all' mein Träumen!
    Ich weiß nix von mein Schatz,
    Ach! am End' g'hört er gar schon der Katz!

 

Minister-Conseil. In Figaro, 10. November. 1866

Minister-Conseil

Belcredi fuhr um's Morgenroth
Empor aus wirren Träumen:
Jetzt geht wieder an die schwere Noth!
Wir dürfen nichts versäumen.
Doch reiten wir nicht hopp, hopp, hopp,
Sofort im sausenden Galopp,
Auch wollen wir nicht trottiren,
Nur sachte das Rößlein führen."

     der vollständige Text

 

David und Itzig. In: Politisch-humoristisch-satyrisches Universal-Lexikon, 15. Jänner 1866

Kühranda fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
"Bist untreu David? oder todt?
Wie lange willst du säumen?
Du zogst mit deines Troßes Macht
Nach Prag, zu schlagen manche Schlacht
Und hast mir nicht geschrieben,
Ob du gesünd geblieben."

     der vollständige Text

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Le Charivari, 29 jullet 1866 (RETRONEWS der BnF)

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     zur Erläuterung

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Deklamator in Verlegenheit, von Karl Zwerens. In: Der flotte Geist, Wien. 1. Februar  1867

    Zum Ich möchte gern was deklamiren,
    Man macht sich ja dadurch beliebt,
    Nur kann man auch dabei riskiren,
    Daß es Verlegenheiten gibt.
    Die Wahl des Stoffes ist entscheidend,
    Zuhörer gibt's verschied'ner Art,
    Was für den Einen ist zu schneidend,
    Dem Andern scheint es viel zu zart;
    Ein Dritter will nur Großes hören,
    Dem Vierten Kleines nur gefällt
    Und Alle, Alle stets begehren
    Was Neues! - Gibt's das auf der Welt?
    Ist denn nicht Alles alt geworden?
    Hat nicht das Gute immer Werth?
    So will ich denn von da und dorten,
    Nur Altes kochen an dem Herd:
    So ein Ragout vom Zeitenschmause,
    Aus Wohlbekanntem bunt gemischt,
    Das sei zum gütigen Applause
    Deklamatorisch aufgetischt. - -
    Man kennt, was Bürger hat geschrieben:
    ´Lenore fuhr um's Morgenroth´ -
    Da bin ich stecken schon geblieben.
    Wie helf ich mir aus dieser Noth?
    Ich muß auf Bürger's Rechnung reimen:
    Lenore fuhr um's Morgenroth,
    Empor aus sehr verliebten Träumen,
    ´Bist untreu Wilhelm, oder todt?´
    Sie hat um ihn geseufzt bei Nacht,
    Was hat indessen er gemacht?
    Sie muß es wissen auf der Stelle,
    Und ´hurre! hurre! hop, hop, hop!´
    Da springt sie schon an seiner Schwelle
    Aus dem Fiaker im Galopp.
    ´Rasch auf ein eisern' Gitterthor,
    Geht's mit verhängtem Zügel

    Es kommt ihr was verdächtig vor,
    Sie sprengt der Thüre Riegel:
    Da sitzt er in dem Kanapé
    Und bei ihm eine and're Fee!
    Der Zweifel ist sie ledig,
    Gott sei dem armen Teufel gnädig! - -
    ´Die Tochter des Pfarrers von Taubenhain
    War unschuldsvoll, wie ein Täubchen´ -
    Da fällt mir schon wieder nichts weiter ein,
    - Ja, ´zu enge ward ihr das Leibchen
    Ein Lump war der Ritter von Falkenstein,
    Hat sie doch nicht genommen zum Weibchen -
     

 

Ball-Chronik von Sincer. In: Oedenburger Bote, 1. März 1868

Der Sommer fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen
Schläft Sincer oder ist er todt -
Wie lang' wird er noch säumen?

 

 

Breitmann in Maryland von Charles G. Leland. In: Hans Breitmann's Barty and other Ballads, London 1869

B. F. schreibt in Our Monthly Gossip (Lippincott's Magazine, April 1869):
“[S. 457] The article in the Spectator is one of the best, as the reviewer has most thoroughly appreciated and fully understood the exquisite humor with which the author, in the true Teutonic style, mixes up sentiment with sausages, Limburg cheese with literary aspirations, and much beer with Moral Ideas. It is singular, however, that not one of the critics should have discovered the subtle vein of parody which runs through the volume. Not only are several stanzas of Bürger's ´Lenore´ travestied in ´Breitmann in Maryland´ but the ballad of ´The Father and the Son´ is a close parody of ´Das Hildebrandt's Lied´ in Das Heldenbuch; [...].”

DER BREITMANN mit his gompany,
Rode out in Marylandt.
'Dere's nix to trink in dis countrie ;
Mine droat 's as dry as sand.
It 's light canteen und haversack,
I 's hoonger mixed mit doorst ;
Und if ve had some lager-peer
I 'd trink oontil I boorst.
Gling, glang, gloria !
Ve 'd trink oontil ve boorst.
      [...]

   der vollständige Text

 

Schwindel, nichts als Schwindel. In: Der Zeitgeist, 10. Mai, 1869

           [...]
Aktien, das ist das große Losungswort des Tages, nur Aktien! und man gründet darauf los,
 als ob die Welt fürderhin nur aus lauter Gründern, Verwaltungsräthen und Direktoren
bestehen sollte -

     Und hurrah, hurrah, hopp, hopp, hopp,
     Geh't's fort im sausenden Galopp,
     Daß Volk und Gründer schnoben
     Und Aktienfetzen stoben,

und auch die Gefahr, die ganze Börsen-Gallopins-Bande mir zu bitterbösen Feinden zu machen,
 möchte ich einen zweiten Passus der famosen Bürger'schen Ballade, in moderner
Uebertragung zum Besten geben, der da lautet:
    "Und an der Börse Spindel
     Da tanzt ein lustiges Gesindel."
          [...]

    der vollständige Text

 

Eine Konfiszirte. In: Der Floh, 19. Dezember 1869

Elias fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen -

   der vollständige Beitrag  


Diese Parodie hatte ein gerichtliches Nachspiel, wie die Berliner Gerichts Zeitung vom 10. März 1870 berichtet:
"Auswärtiges.
Wien, 5. März. Ein Scandalproceß der stärksten Art kam an den Tagen Freitag und Sonnabend v. W. vor dem hiesigen Schwurgericht zur Verhandlung. Der Angeklagte ist der verantwortliche Redacteur des hierselbst erscheinenden Witzblattes ´Floh´, Carl Floch. Er wird beschuldigt, durch verschiedene, in seinem Blatte veröffentlichte Artikel, die am Carltheater engagirte
Schauspielerin, Fräulein Hermine Meyerhoff theils bildlich, theils wörtlich in der ehrenrührigsten Weise beleidigt zu haben.
        [...]
Der Gerichtshof verurteilt den Angeklagten zu einem Monat Arrest und zu 60 Gulden Cautionsverlust, ferner zur Veröffentlichung des Urtheils an der Spitze seines Blattes und zur Tragung der Kosten.”
 

 

Scene in Sprühfeuer, Original-Lustspiel von Oscar Friedrich Eirich. Wien 1869

I d a. O ja, hören Sie nur. (stellt sich in Positur und deklamirt mit komischem Pathos).

Leonore fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
Da zogen drei Burschen über den Rhein
Bei Leonoren kehrten sie ein,
Und wie ein Gebild aus Himmelshöhen
Sahen sie die Holde vor sich stehen,
Es sprachen alle drei in Jugendprangen
Mit züchtigen verschämten Wangen:
Wir liebten dich immer, wir lieben dich heut'
Und werden dich lieben in Ewigkeit!
Sie aber erwiedert mit freiem Sinn:
Meine Ruhe ist längst schon dahin.
Mein Herz ist schwer
Euch schenk' ich es nimmermehr!
Da zogen die Burschen nach Hause
In die still' einsame Klause
Schütteln die Mähnen
Mit langen Gähnen
 Strecken die Glieder
Und legen sich nieder. 
Und so lagen sie viele Tage
Zu ihrer und der andern Plage
Bis ein Strom aus Felsenrissen
Sie in den Strudel der Wellen gerissen!
Es kommen, es kommen die Wasser all'
Sie rauschen herauf sie rauschen nieder
Die Burschen aber bringt keines wieder.
   Nun wie gefällt Ihnen das?

M a x. Ich finde, daß Sie viele Werke berühmter Männer gelesen haben, daß Sie aber ein wenig anektiren. Wenn man sich auch zuweilen Citate erlauben darf, und Vorbilder, wie ein Wieland, Schiller, ein Bürger -

I d a. (lachend) Jetzt haben Sie sich aber stark geschnitten! Sie sagen: "Wieland, Schiller ein Bürger" und der verstorbene Schiller war gar Bürger, zuerst war er Feldarzt, ist er Dichter von Profession geworden und man hat ihn in den Adelsstand erhoben, folglich kann er nie Bürger gewesen sein. 

 

 

Negative Punschtelegramme. In: Wiener Punsch, 10. Februar 1869

Der Wiener fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist untreu, Freiheit, oder todt,
Wie lange willst Du säumen?
Sie ist mit klerikaler Macht
Gezogen in die Römer Schlacht
Und zappelnd mit den Füßen
Läßt's Concordat uns grüßen.

Es rief Graf Bismarck jüngstens erst
Erbittert und voll Rage,
Wir können halten uns nur mehr,
Durch tücht'ge Spionage!
Was sagst, o deutsches Volk, denn Du
Zu dieser Grand-Blamage?
Die Antwort ist zu finden leicht,
Bagage bleibt Bagage!

 

 

O Mutter, Mutter, hin ist hin! in Fliegende Blätter 50 1869

lenore_fliegende_blätter_50-1869

 

 

Karnevals-Reminiszenzen in Neue Zeit, Olmüzer Zeitung 14. Februar 1869

Es ist Ball – ein „deutscher“ Ball! Der deutsche Stuzer kömmt. Er borgt sich vom Franzosen eine ziemliche Dosis Arroganz, ohne dessen Geschmeidigkeit; vom Briten eine Portion englisches Phlegma und Nonchalance, ohne deren Natürlichkeit. Dieses, gepaart mit deutscher Unbehilflichkeit und Schwerfüßigkeit wird bis zur modernen Ungeschliffenheit potenzirt, und so ausgerüstet in den Ballsaal hinein
„mit mächtigem Schritt
    der Stuzer tritt.
    Er sieht sich stumm
    rings um,
    mustert die Schönen,
    schüttelt die Mähnen;
    dann strekt er die Glieder
    und sezt sich nieder.
Dann stürzt wie aus offenem Thor
Mit plumpen Sprunge der Stuzer hervor,
Und greift mit wilder Gier -
Nach einer Gazelle hier;
und jezt geht es: Hopp! hopp! hopp!
fort in sausendem Galopp,
daß Kies und Funken stoben,
und beide Tänzer schnoben.“

 

 

Die Schlacht von Wörth. Ballade von Gottfried August Bürger. In: Immortellen des Schlachtfeldes von Wilhelm von Plönnies 1870.

Im schönen Land am Oberrhein
Da hat sich´s zugetragen:
Drei feine deutsche Mägdelein
Die sah ich steh´n und klagen.
Du liebliche Markgräflerin,
Wo ist dein helles Lachen hin?
Wo sind der Schwäbin Scherze?
Was bricht der Bai´rin Herze?

     der vollständige Text.

 

LEAN ´NORA:Supernatural, though Sub-pathetic BALLAD. A Good Long Way (almost Ninety-Seven years) AFTER THE GERMAN OF GOTTFRIED AUGUST BÜRGER. BY HEINRICH YALC SNEKUL [d.i. Clay Lukens] 1870.

At dawn of day, lean 'Nora wakes;
   From night-mare, quick alighting.
"Ach, William mein !"- she shuddering shakes;
   His paper profile sighting:
"He fights at Prague, mit Fritz the Great,
For extra news, in vain ich wait,
   Und long for William's kissing;
   Mein Gott! he turns up,- missing!"

     der vollständige Text.

 

Lenore. (Frei nach Bürger.) In: Figaro, 20. August 1870

Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Louis! Schlage doch die Preußen todt,
Wie lange willst du säumen?!"
Das war im Schlosse zu Paris,
Wo der Gemal sie jüngst verließ,
Um seine lahmen Beine
Zu tragen nach dem Rheine.

    der vollständige Text

 

Auch ein Künstler von Anonym. In: Blätter für Theater, Musik u. Kunst vom 29. Juli 1870

Zur Häßlein, Hotel Nothanker, schlich
Ein Student, das Bett unter'm Arme
Und seufzte, daß Gott sich erbarme!
Was willst du, mein Sohn mit dem Bette O sprich!
So forschet Cretcentia gar ängstiglich.
"Von ihm mich auf's Schnellste befreien!"
Das wirst oft des Nachts du bereuen

Ich bin, spricht jener, zur Reue bereit,
Und werde mich weiter nicht kränken
Willst du mir vier Thaler jetzt schenken,
So wären drei durstige Seelen erfreut.
Drum, bis es vom Vater der Wechsel befreit,
So lange, du gütige Alte,
Das Bett zum Pfande behalte.

Was liegt mir auch an den Federn zuletzt?
Belebt doch mit freundlichem Scheine
Die Sonne schon Wälder und Haine.
Hier nimm, die schon die Uhr mir versetzt,
Ich decke mich mit dem Schlafrock zuletzt
Und rufe mit großem Behagen:
Das Glück beruht - im Entsagen!

Da lächelt die Häßlein mit arger List,
Und äußert ohn all Widerstreben:
Vier Thaler will ich dir geben
Behalte sie bis zu jener Frist,
Wo dir der Wechsel gesendet ist
Vom Vater aus fernem Lande
Das Bett behalt' ich zum Pfande.

Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp
Geht es in sausendem Galopp
Hin zu den heiligen Räumen,
Wo hoch die Gläser schäumen.

Da schlürfen sie ohn' Unterlaß
Vom edle Nasse Glas auf Glas,
Bis nach wenig Stunden
Der letzte Thaler verschwunden.

Geduld, Geduld, wenn's Stroh auch sticht,
Mit Gott im Himmel hadre nicht
Des Bettes bist du ledig
Gott sei dem Schlafsack gnädig.

    das Original

 

 

Eugenia. In: Der Zeitgeist, Wien 10. September 1870

Eugenia fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
"Bist untreu Ludwig oder todt",
"Wie lange willst du säumen?"
Er war ja mit Mac Mahon's Macht
Gezogen in die blut'ge Schlacht,
Und hatte nicht geschrieben,
Ob er gesund geblieben.

Da spricht des Telegraphen Draht
Zum Trost des armen Weibes,
Daß Louis wohl noch das Leben hat,
Der Seele, wie des Leibes,
Er ist, ach! Eugenia,
Wohl krank, doch noch am Leben,
Er hat sich salva venia
Erst neulich übergeben.
 

 

 

Fantaisies Satiriques von Albert Wolff in Le Figaro, 17 mai 1870 (Digitalisiert von BNF)

Vous que le Rhin vit éclore,
Je vous offre ici, mon cher,
Ce pastiche de Lénore,
La ballade de Burger!

   Der vollständige Text       (Erläuterung)
 

 

De Dame République in Le Tribun du peuple, 6 novembre 1870

La piéce suivante, assez piétre copie de la
ballade bien connue de Bürger, a été trouvée
avant-hier sur un prisonnier prussien amené
au fort de l'Est.

   Der vollständige Beitrag    (Erläuterung)

 

 

Le Centre gauche, 30 avril 1870

En voyant comme les ministres mènent les affaires, on se rappelle involontairement la ballade de Burger :
  -  Les morts vont vite.

 

 

Frau Oesterreich fuhr ums Abendroth. In: Beilage zum Tiroler Volksblatt Nro. 93, 22. November 1871

Eine Parodie auf Bürger's Leonore

Frau Oesterreich fuhr ums Abendroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist Ausgleich fertig oder todt,
Wie lange willst du säumen?
Er ist gezogen in die Reichskanzlei,
Und mit dem Ausgleich war's vorbei.
Herr Beust ist weg, Andrassy zieht,
Frau Oesterreich nach Pest noch mit.

 

 

Feuilleton in Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 24.1871

Eugénie ist nach Spanien gereist und soll in das Zimmer ihrer Mutter eingetreten sein mit den Worten der Bürgerschen Ballade:
            „O Mutter, Mutter! Hin ist hin,
            Verloren ist verloren!"
Und auf die Frage, ob sie denn nicht an die Rückkehr nach Frankreich glaube, soll sie erwidert haben:
            „O Mutter, Mutter! Eitler Wahn!
            Gott hat an mir nicht wohlgethan!
            Was half, was half mein Beten?
            Nun ist's nicht mehr von nöthen!"

 

 

Wiener Spaziergänge in Die Presse, 16. Juli 1871

Wie manche sanguinisch - cholerische Mehlspeisköchin mochte nicht der Bürger'schen Leonore gleich aus schweren
 Träumen emporfahrend gerufen haben: „Bist untreu, Wilhelm, oder todt?" da auch ihr geliebter Cavallerist, wol
 nicht „in die Prager Schlacht" gezogen, jedoch zur Parade ausgerückt war, „und hatte nicht geschrieben, ob er gesund
 geblieben", während doch der Wilhelm .junior, weder untreu war noch todt, sondern für ihn ganz einfach „die Tragzeit
 der Hose" abgelaufen war, so daß er nicht in der Lage sich befand, bei Leonoren vorzusprechen. Ich frage nun ganz im Ernste, gibt es für einen vaterländischen Balladendichter einen schöneren Stoff, als: der Cavallerist. und sein Pferd? Das poetische Wasser läuft Einem ordentlich im Mund zusamnen, wenn man an all das Unglück unserer Rosse und Reiter denkt!
 

 

 

Großes Kraut- und Rüben-Gedicht. Komische Deklamation. Vorgetragen vom Komiker Karl Porkert, Wien (o. J.)

       Lenore fuhr um's Morgenroth
       Empor aus schweren Träumen:
       "Lebst Wilhelm oder bist Du todt!
       Was soll Dein langes Säumen?"

       Der vollständige Text.

 

 

La Liberté, 6 novembre 1871

Une étymologie ignorée.
Savez-vous quel est l'étymologie de l'expression « prendre le mors aux dents » ?
C'est que les morts vont vite !
       DON SPAVENTO.

 

 

Le Peuple souverain, 5 novembre 1871

LA VIE PARISIENNE
Une étymologie ignorée.
     Savez-vous d'où vient l'expression « Prendre le mors aux dents ?... »
     De ce que les morts vont vite.

 

 

L'Estafette, 21 mai 1871

AU GALOP !
C'est surtout aujourd'hui que mon litre [?] est vrai !
  Au galop ! Au galop ! … hurrah ! Les morts vont vite ! Et nous mettons la légende en action.

 

 

Hurrah, die Todten reiten schnell von Georg Scheuerlin. In: Künstler-Album, Düsseldorf 1871

Es zog heran wie Sand und Meer:
Zuaven, Turkos, Frankreichs Heer,
   Geführt vom Kaiserneffen.
Im Schaffen klein, im Lügen groß,
Wollt' er, ein Rächer Waterloo's,
   In's Herz die Deutschen treffen;
Wohl flog sein Adler hoch und hell: -
Hurrah, die Todten reiten schnell.

      Der vollständigen Text 

 

 

Hurrah! die Todten reiten schnell! von Anonym. In: Der Deutschen Heldenkampf im Jahre 1870/71, Berlin 1871

Jüngst prahlt' er noch vom hohen Pferde:
"Das ganze Weltall blickt auf Euch"
Und heuten schon auf nied'rer Erde,
Geschlagen krumm und windelweich!
Wir haben Euch die Hochmuthstriebe
Und gründlich ausgeklopft das Fell,
Hurrah! das waren deutsche Hiebe!
Hurrah! die Todten reiten schnell.

      Der vollständige Text

 

 

Avancements-Listiges und Lustiges. In: Der Zeitgeist, Wien 1872

Andrassy fuhr um's Morgenroth
Empor aus festem Schlafen,
Die "Wiener Zeitung" brachte man
Hierauf sofort dem Grafen.

Die Liste der "Avancements"
Las er, und die der "Orden",
Und freute sich von Herzen, daß
Er "General" geworden.

Und als er schier zu Ende war,
Es ihn sehr amüsirte,
Daß auch Frau Anna Blasinger
Der Kaiser dekorirte.

Er dachte sich: Erhaben ist's,
Dies schöne Recht zu üben
An Allen ohne Unterschied,
Die nur die Menschheit lieben.

Ohn' Unterschied des Standes und
Sogar auch des Geschlechtes,
So daß selbst die "Madame" genießt
Die Wohlthat dieses Rechtes.

 

 

Briefkasten. In: Kladderadatsch, 11.August 1872, S. 7

 T. in C h e m n i t z: Bei dem Vogelschießen zu Limbach hat, laut Programm, das „v e r s t o r b e n e R i c h t e r' s c h e 
M u s i k c h o r“ ein Concert gegeben? Daß die Todten r e i t e n, und zwar s c h n e l l, wissen wir aus Bürgers „Lenore“; daß sie aber auch blasen und trommeln, war uns neu.
 

 

Classiker-Blumenlese des "Floh." In: Der Floh, 11. Februar 1872. S. 2

Dem Subcomité des Verfassungs-Ausschusses.

   "Schläfst, Liebchen, oder wachst Du?!

 

 

Le Figaro, 21 jullet 1872

Les morts vont vite...Voilà onze ans aujourd'hui qu'est mort un des anciens collaborateurs du Figaro, Paul d'Ivoy, dont nos abonnés n'ont sans doute pas oublié l'esprit charmant.
 

 

International Exhibition / The English Pictures. In: The Morning Advertiser, June 17, 1872

A tragedy is ever succeeded by a farce, so we turn to Mr. Storey's “After You,” and, apart from the skill with which he has managed the mass of red in the cloak of one of the Chesterfieldian disputants, admire the underseeming civility of the red-bearded visitant, who seems to himself to say Après vous, Monsieur,” age before honesty.” “Hurrah, die Todten reiten schnell,” fast ride the dead as the ghastly mob troops along gibbering and howling round the black horse and his demon rider, and Lenore is borne through the night “along the land, along the sea;” here we seem to realise that wild ride of Bürger's heroine depicted by Mr. Elmore with all the weird power of Fuseli.
 

 

The Chronicle History of Henry the Fift: […] in The Morning Advertiser, October 25, 1872

At ten minutes to eleven the gallant little band charged – the 17th Lancers, following their motto “Death or glory,” and the 13th Light Dragoons of the 8th and 11th Hussars in the second – and at 25 minutes to 12 there remained on the ground but the dead and dying, a moment of time for an eternity of fame. Die Todten reiten schnell, but not so fast that NOLAN and FITZGIBBON, CARDIGAN and HALKETT shall ever be forgotten, or
    “Crispin Crispian e'er go by,
    From this day to the ending of the world,
    But t h e y in it shall be remembered.”

 

 

Alte Citate mit zeitgemäßem Comentar in Kikeriki 27. Februar 1873

Die Todten reiten schnell; könnte man sie nicht als Vorspannreiter
bei den Tramwaywaggons engagieren?
 

 

Nothgedrungene Erklärung in Der Floh 12. Januar 1873

 Mit Bezug auf den, trotz der vom „Gaulois" ausgedrückten Hoffnungen, daß Napoleon bald wieder zu Pferde werde steigen
 können, eingetretenen Tod des Kaisers, sehe ich mich veranlaßt, öffentlich zu erklären, daß der von mir gethane Ausspruch:

  "Die Todten reiten schnell" zu diesem Ereignisse in gar keiner Beziehung steht.

   Jenseits, Jänner 1873.
                G. A. Bürger.
                Deutscher Dichter a. D.

 

 

Le Figaro, 21 novembre 1873

Pensée d'un cocher, recueillie par un de nos reporters :
  Prendre le mors aux dents. - On exprime ai si qu'un cheval est lancé à fond de train, parce que les morts vont vite.
       Gaston Vassy

 

 

Heinrich Peun: Was sich die Stadt erzählt. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 18. Oktober 1874

Jedenfalls wird diese Heirat anderer Art sein, wie jene des Herrn K o h a u n mit seiner jungfräulichen Gemalin 
E l e o n o r e, von der wir dieser Tage berichteten. Es wird dort eben eine schlicht bürgerliche - aber glückliche Ehe geben, während es hier heißt:

 L e n o r e fuhr um's Morgenroth
 Empor aus schweren Träumen.
 Bist K o h a u n immer noch nicht todt,
 Was soll Dein langes Säumen?
 Auf z w a n z i g t a u s e n d Gulden,
 Muß ich so lang gedulden?
 

 

Stimme aus der Unterwelt. In: Figaro, 21. November 1874

 Ich verstehe nicht, was man aus dem Distanzritt dieses österreichischen Lieutenants Z u b o v i t s für ein unnöthiges Aufhebens macht. Ich habe doch bereits im Jahre 1763 zu Pferd eine Strecke von hundert Meilen in kaum einer Stunde zurückgelegt. Wer's nicht glaubt, wolle gefälligst das Nähere in Bürger's: „L e n o r e" nachlesen.

                                  Wilhelm,
                        königlich preußischer Lieutnant a. D.

 

 

Kriminalgeschichten in Illustrirtes Wiener Extrablatt 10. Juni 1874

Eine sichere Eleonore K a m p a ß, übernahm, von der Raffelsberger einen auf 200 fl. lautenden Wechsel, um darauf Geld zu beschaffen. Ein Biederer, Namens D e i n i n g e r, gab darauf 150 fl, Eleonore fuhr ums Morgenroth zur Raddelsberger, brachte ihr hievon 120 fl. und sackte außer den schon früher eingesackten 30 fl. noch 20 fl. ein, als „Honorar“ nämlich, so daß die Raffelsberger für ihr Akzept von 200 fl. summa summarum 100 fl. erhielt !!

 

 

Schauderöse Abenteuer eines Coupons,
oder: Die Schneeverwehung des Unionbank-Directors Minkus
in Der Floh, 3. Jaener 1875

Herr Minkus fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
"Bist untreu Ghyczny oder futsch?.
Wie lange willst Du säumen?
Was kriegen wir von Ostbahn noch
Zu stopfen dieses große Loch,
Das uns vom Krach geblieben?
Du hast mir nichts geschrieben."

    der vollständige Text

 

 

Das Nonplusultra in Welt-Neuigkeits-Blatt, Wien 15. Dezember 1875

Das Nonplusultra der Schriftstellerei mit Dampf leistet jetzt eben der Pariser Journalist George Duval. Demselben wurde nämlich, unmittelbar nachdem Virginie Dejazet die Augen geschlossen hatte, von einem Verleger der Antrag gemacht, binnen zehn Tagen ein Buch über die Künstlerin zu verfertigen und Hr. Duval hat diesen Antrag angenommen. Die Todten reiten schnelle, noch schneller aber die Nekrologisten!
 

 

Der Vierte. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 19. März 1875. S. 2

 Nachdem Giovanelli, Divauli und Graf ihre Reichsrathsmandate niedergelegt haben, ist nun auch Dr. R a p p diesem Beispiele gefolgt. Die Demonstration der Tiroler Schwarzen dürfte indeß in ihrem glaubensstarken Heimatslande schwerlich günstig beurtheilt werden. Es tagt allgemach selbst zwischen den Tiroler Bergen und es werden Stimmen laut, die uns lebhaft an die Worte des todten Reiters mahnen: "Rapp', Rapp', ich wittre Morgenluft! Rapp, tummle Dich von hinnen!"

 

 

An den Gräbern in Wiener Sonn- und Montags-Zeitung 1. November 1875

Ist aber das Leben traurig, so bleibt uns Nichts übrig, als über die Todten zu lachen. Denen schadet's Nichts und uns stimmt es heiterer. Ich bin überzeugt, es ist der Herzogin Parisina von Este ganz gleichgiltig, ob wir an ihrem Grabe Trauergesänge ertönen lassen oder Freudenlieder anstimmen. Mutter, Mutter, hin ist hin, verloren ist verloren, die Elementarversicherungsbank
will auch kein Auferstehungsfest und die Türkenlose kümmern sich den Teufel darum, ob man sie den Engelsschaaren empfiehlt oder nicht.

 

 

Le Gaulois, 17 janvier 1875

Les morts vont vite dans le monde des théâtres !
Nous avons encore à enregistrer aujourd'hui le décès d'une pauvre jeune fille, artiste du Gymnase, Mlle Juliette Prioleau, qui vient de succomber à peine âgée de vingt ans.

 

 

L'Éclaireur de l'arrondissement de Coulommiers, 2 septembre 1876

Un nouveau Sultan.
Se les morts vont vite, les sultans ne vont pas lentement, dit le Rappel.
  Une dépêche de Constantinople, reçue dans la soirée d'avant-hier, annonce que dans un conseil auquel ont pris part les grands dignitaires de l'empire, Mouras V a été déclaré déchu, et Abdul-Hamid proclamé sultan à sa place.

 

 

Le Bien public, 24 juin 1876

  Les feuilles mortes vont vite !
  Un journal bonapartiste de Lyon, l'Indépendant du Rhône, annonce mélancoliquement qu'il cesse de paraître.

 

 

Clichés Parisiens von Georges Petit in L'Éclipse, 11 février 1877

georges_petit_L_Eclipse_1877

               Erläuterung

 

 

Der Kongreß. Sehr frei nach B ü r g e r. In: Figaro, 9. Februar 1878

Andrassy fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Bist untreu, Gortschakoff - bist todt?
Wie lange willst Du säumen?"
Er war mit hoffnungsvollem Blick
Hinabgeeilt nach Kazanlik
Und hatte nicht geschrieben,
Was er allda getrieben. -

     der vollständige Text

 

 

Wettrennen-Epilog in Die Bombe, 22. Juni 1879

- Schade, daß die Pferde-Wettrennen zu Ende gehen, bevor die eigentliche m o r t e saison beginnt.
- Warum denn?
- Wenn sich die "morte saison" am P f e r d e-W e t t r e n n e n betheiligen würde, möchte sie
            gewiß den ersten Preis gewinnen.
- Aus welchem Grunde denn?
- Weil es ja heißt: "Die T o d t e n  r e i t e n schnelle."

 

 

Treue Liebe! in Berliner Tageblatt 19. Oktober 1879

Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus ihrem Bette,
Ihr Wilhelm war in großer Noth,
Ihm fehlte ein Jaquette;.......

berliner tageblatt 19 october 1879 s13

 

 

Zur Beruhigung. Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 33.1880, Seite: 19

Angesichts der heftigen Reclame, welche für die in Rom so eben auftauchende "Aurora", das neu erschienene Organ des Vaticans, jetzt überall gemacht wird, halte ich es nicht für überflüssig zu erklären, daß es d i e s e s "Morgenroth" nicht war, um welches ich empor aus schweren Träumen fuhr. Im Gegentheil!

      Bürgers Lenore.

 

 

Die Liebe im Irrenhause in Leitmeritzer Zeitung 12. Mai 1880

Die Pazientin bemerkte die Annäherung der beiden Aerzte nicht. Sie blickte vor sich zur Erde und sang mit schwacher aber sicherer Stimme einzelne Verse aus Bürgers Leonore. Sie wußte den Ausdruck leidenschaftlicher Sehnsucht in die Worte zu legen: „Bist untreu, Wilhelm, oder todt? „Wie lange willst Du säumen?" Die Krankengeschichte des Mädchens, nach welcher der junge Arzt fragte, war eine sehr kurze. Vor etwa sechs Monaten war es in seinem elterlichen Hause von einem heftigen Typhus befallen worden, schwebte während einiger Wochen zwischen Leben und Tod, überwand endlich die Krankheit, und die
Rekonvaleszeuz nahm ihren regelrechten Verlauf. Aber die Pazientin blieb seitdem in einem Traumleben befangen, aus welchem kein äußerer Einfluß sie erwecken kann. Die wirkliche Welt existiert nicht für sie. Sie wartet Tag für Tag als Leonore auf ihren Wilhelm, der aus dem Kriege heimkehren soll, und schmückt sich für ihn. Dabei waren weder Liebesgram, noch auch der Tod des Geliebten oder Verlobten die Ursache der ersten Krankheit.
   Die Kranke wird dem jungen Arzte zur Behandlung zugewiesen und er soll sie auf elektro-therapeutischem Wege behandeln. Und nun beginnt unser Roman. Der hoffnungsvolle Jünger Aeskulaps verliebt sich nach allen Regeln der Kunst in seine bleiche Pazientin und sie stürzt sich, als er eines Tages den gewöhnlichen Krankenbesuch bei ihr macht, mit dem Rufe: „Wilhelm! Wilhelm!" in seine Arme, und drückt — sich immer noch als Leonore wähnend — einen heißen Kuß auf seine Lippen. Rasch eilt nun das junge Mädchen der Gesundung entgegen. Schon nach wenigen Monaten wird es von seiner Mutter abgeholt, um
 die volle Genesung im väterlichen Hause zu beschleunigen. Die Heilmethode des jungen Arztes soll durch die Verlobung mit seiner reizenden Schutzbefohlenen gekrönt werden. Und eines morgens — ist sie vollständig genesen, so vollständig, daß sie sich nicht einmal mehr ihres „Wilhelm" erinnert und auch nichts davon weiß, daß er ihr Arzt gewesen ist. Die Erinnerung an ihre Krankheit ist ausgelöscht und der junge Heilkünstler, für den sie in verzückt schwärmerischer Weise geschwärmt hat, ist ihr
 ein wildfremder Mensch, von dem sie nichts wissen will.
    Die Sache wird jetzt tragikomisch: der junge Arzt nimmt sich nämlich sein Liebesleid so zu Herzen, daß er selbst irrsinnig wird. Das kaum genesene Fräulein bekommt einen Rückfall, und nun sind beide Insassen des freundlichen Hauses, vor dessen Pforten sein Herz an den Haken zu hängen, der unvorsichtige „Wilhelm" leider unterlassen hat. Aber beider Fall ist nicht un ­
 heilbar, und der menschenfreundliche Direktor hofft noch immer, daß aus beiden noch ein Paar wird, und „Eros im Irrenhause" mit einem befriedigenden hausbackenen Schlüsse enden wird.
 

 

Spirit Rapping von L. M. Bonn, A leaf out of my life facts and fiction. In: The Taunton Courier, September 1, 1880

“What was your wife's Christian name, Mr. B-r-y?”
“Leonora fuhr um's Morgenroth.” answered my friend.
“That is a very hard name to pronounce; I suppose it's Hungarian. Can you not abbreviate it, somewhat?”
“Say Leonora Morgenroth.”

      Der vollständige Text 

 

 

Illustrationen zu bekannten Balladen. In: Der Floh, 29. Mai 1881

Abdul Hamid (der Todte Mann, mit der Türkei ins Verderben rennend).
   Hurre, hurre, hopp, hopp, hopp!
   Fort im sausenden Galop,
   Denn die Todten reiten schnell.

     der vollständige Beitrag
 

 

Frei nach Bürger senior. In: Der Floh, 4. Dezember 1881

Herr Jauner fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
Bist "G o l d u n d E i s e n" du schon todt?...
             Leider!
                   Hugo Bürger junior.

 

 

Erklärung in Figaro, 6. August 1881

Ich erkläre hiemit, um einer Konfiskation meiner Gedichte vorzubeugen, daß ich mit den Versen meiner "Lenore":
  "R a p p'! R a p p'! nich dünkt der Hahn schon ruft....
  Bald wird der Sand verrinnen...
  R a p p'! R a p p'! ich witt're Morgenluft...
  R a p p'! tummle dich von hinnen!"
keineswegs eine Anspielung auf den neuen Landeshauptmann von Tirol beabsichtige.
            G. A. Bürger.
 

 

Gil Blas, 13 mai 1881

Les morts vont vite décidément. Presque chaque jour nous avons un décès à enregistrer.
  Hier c'était celui de M. de La Bordette, aujourd'hui c'est celui de la vicomtesse de Bauroye, qui vient de succomber à une longue et cruelle maladie.

 

 

Gambetta träumt in Nebelspalter, 8 (1882)

Gambetta fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Ein ander Regiment thut Noth,
Ich darf nicht länger säumen.

     der vollständige Beitrag

 

 

L'Estafette, 6 septembre 1882

Il paraît que M. Gustave Worms va épouser Mlle Blanche Baretta.
  Les mortes vont vite !

 

 

L'Événement, 25 juin 1882

Notre belle petite est si peu trépassée qu'elle soupait avant-hier au café Anglais en joyeuse compagnie – et qu'une victoria attelée d'un stepper rapide la conduisait à toutes guides à la fête de Neuilly.
      Les morts vont vite !
 

 

Le Bien public, 19 jullet 1882

A TRAVERS LA VIE
[...]
Hop ! Hop ! Les morts vont vite. Hop ! Hop ! L'Océan derrière une falaise, se dresse et beugle. Hop ! Hop ! c'est la fin, la fin dans la mer écumeuse. Hop ! Hop ! la victoria ne s'est pas arrêtée. Elle se précipite, et, après elle, le tramway fait un saut. Ils vont, ils vont, en effleurant la crète blanche des vagues. La vitesse a mangé le poids.
  Et ils roulent de la sorte pendant des nuits, des jours, des nuits, des jours, des nuits, des mois, des années, des siècles. Le cocher du tramway est toujours calme et placide et regarde sans cesse en clignant des yeux. Il est l'ange du tramway. La petite cocotte est encore blonde et belle, mais sa robe n'est plus à la mode. Hip ! Hop ! Darwin a dit que les plantes, les animaux et les choses se transforment suivant les milieux où ils vivent. Les roues de la victoria et du tramway se transforment en nagepires. C'est une simple question de temps. Darwin le sait bien.

 

 

Le Voltaire, 30 septembre 1882

Hurrah! les morts vont vite!
Coquelin cadet a fait hier sa première sortie, bien que son poignet soit loin d'être remis. Mais la guérison en sera plus prompte qu'on ne l'espérait tout d'abord.

 

 

L'Intransigeant, 30 décembre 1883

Le Senat
Les morts vont vite, dit la ballade. Les moribonds aussi. Les sénateurs, jugeant que trois séances pour disposer de six milliards c'était beaucoup, ont encore abrégé leur mode de discussion. Ils se sont mis à employer la langue télégraphique. Imitonsles.

 

 

Meldung In Figaro, 30. August 1884, Seite 5

Da es sich herausstellt, daß alle Verwaltungszweige, welche die Gemeindewirthschaft betreffen, passiv sind und nur der Zentralfriedhof ein Erträgniß liefert, so kann die Wiener Kommunal-Verwaltung mit Bürger's „Lenore" singen:

      D e r  T o d, d e r  T o d  i s t  m e i n  G e w i n n!

 

 

Paris, 7 janvier 1884

MON BOUT DE L'AN
  (Auxamis de Belleville)

Salut à toi, maison modeste
Dernier asile de celui
Dont le grand souvenir nous reste
Et nous réunit aujourd'hui ;
[…]

Bürger a dit : « Les morts vont vite ! »
C'était un poète allemand. -
La France évoque et ressuscite
Ceux qui la servirent vraiment

Et, la ace au ciel, sans réplique,
Des bras, de la tète et du cœur,
Ont lutté pour la République
Et le droit...suprême vainqueur ;
[…]
       ETIENNE CARJAT.

 

 

Die Fliegenkirmes zu Spellen von Moritz Schmitz. In: Die Heimath, Crefeld. 4. November 1877

[...]
Und weil, - was fuhr ums Morgenroth
Empor aus süßen Träumen,
Ereilt von großen "Fliegentod" -
So hinstarb ohne Säumen;
Und weil auch noch, - von weit und breit
In langen, langen Zügen,
Wohl jedes Jahr um diese Zeit
Zieh'n fort von uns die Fliegen;
[...]
       das vollständige Gedicht
 

 

Nürnberger Presse, 10. Februar 1877
Ein Gedicht aus Fürth eingesandt, beginnend:
    "E v o r a fuhr ums Morgenroth
    Empor aus schweren Träumen:
    Bist untreu H o f m a n n oder todt,
    Wie lange willst du säumen."
und jeder Vers mit dem Refrain:
     "O Göker hol dein Flinterling,
     Johann Baptis Kiderlin"
schließend, kann aus erklärlichen Gründen keine Aufnahme finden
und ersuchen wir den verehrlichen Herrn Einsender, den in Postmarken
eingesandten Insertionsbetrag gefälligst bei uns wieder in Empfang nehmen zu wollen.
Nürnberg, den 9. Februar 1877.

 

 

La Vie moderne, 18 jullet 1885

La Vie moderne, 18 jullet 1885

 

 

Journal du Cher, 30 octobre 1885

Les morts vont vite : Depuis l'année dernière, on ne constate pas moins de 21 décès parmi les membres des différentes sections de l'Institut.

 

 

Plonplon. In: Nebelspalter Band 12, 1886. Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich.

    Prinz Plonplon fahr um's Morgenroth
    Empor ans schweren Träumen:
    "Mein Kaiserthron, er ist in Noth,
    Da gilt's nieht Tanger säumen.
    Ha, vorwärts nur mit frischem Muth!
    Der alte Geist Napoleons thut
    Sich wieder in mir bäumen.

    Der vollständige Text

 

 

L'Estafette, 21 novembre 1886

Un homme affairé est entravé dans sa course par un enterrement dont la file ne se termine pas. Impatienté, il s'écrie :
  « Et l'on dit que les morts vont vite ! ».

 

 

Parlamentarisches Nachtbild in Figaro 29. Oktober 1887

 Der Schwarze vom Tirolerland
 Geht mit dem Czechen Hand in Hand;
 Der Demokrat wirkt im Verein
 Jetzt mit dem Fürsten L i e c h t e n s t e i n —
 Die Schule konfessionell!
 Hurrah! Die Todten reiten schnell!

 

 

Der Rotundenfesttag in Wiener Montags-Journal 6. Juni 1887

Wo nur der Berichterstatter bleibt? Minute auf Minute verrinnt. — Die großen Schwungräder rasen, die Maschinen wollen ihr Opfer haben. — Jakob, wo bist Du? Umgürtet mit dem ganzen Stolze seiner Feder war er
     gezogen in die Blumenschlacht
     Und hatte nicht geschrieben,
     Ob er gesund geblieben!
 Die Minuten enteilen — ein Uhr Morgens schlägt's schon — noch immer kein Berichterstatter da — unsere Situation wird desperat — wir fühlen - unser Haar erbleichen---
 

 

L'Estafette, 17 février 1887

Un sénateur inamovible, M. Corne, est mort.
M. Le Royer a exprimé, dans le langage qui convient, les regrets que le défunt inspire. Les morts vont vite au Sénat et M. Le Royer doit trouver déjà longue la série des éloges funèbres qu'il a prononcés en six ans !  
 

 

L'Indépendant rémois, 7 janvier 1887

Buzanoy. - Une foule recueillie a assisté au service annuel célébré en mémoire du général Chanzy. Si les morts vont vite, comme dit la ballade, si l'ingratitude et l'oubli sont bien d´es sence humaine, il faut faire exception pour le souvenir de l'illustre défunt, dont les malheurs des temps nous font de plus en plus vivement sentir la perte.

 

 

Der Sachverständigen-Bericht. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 5. April 1888

Ein Schuster fuhr um's Morgenroth empor aus schweren Träumen,
Die Schuhfabrik, die macht uns Noth, da gilt kein langes Säumen,
O Mödlinger Schufabrik, verfallen bist du dem Geschick,
Du sollst die Lust verlieren, mit uns zu concurriren.

         der vollständige Text   

 

 

Dann das Eingesendet eines Drogisten: In: Der Floh, 25. November 1888

"Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus wüsten Träumen.
Zu kaufen echten W a n z e n t o d
Soll man bei mir nicht säumen."

 

 

Le XIX siècle, 6 novembre 1888

UN ANNIVERSAIRE RÉVOLUTIONNAIRE
         Eugéne Pottier
« Les morts vont vite, » dit une ballade allemande. Le chansonnier Eugéne Pottier est un de ces morts, s'il faut en juger d'après le petit nombre de ses amis qui se sont réunis hier autour de sa tombe, au Père-Lachaise.

 

 

Die großen Herren. In: Bukowinaer Nachrichten, Czernowitz, 9. Juli 1889

  Graf Taaffe fuhr ums Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen -
  Schläfst Rieger - oder bist Du todt?

Der Sieg der Jungczechen bei den böhmischen Landtagswahlen und die geschlossene Einigkeit der Deutschen in Böhmen, welche bei diesen Wahlen zu Tage getreten, haben eine neue Lage in der inneren Politik geschaffen.
 

 

Vermischtes in Salzburger Chronik für Stadt und Land 30. Juli 1889

 „Die Todten reiten schnelle", aber auch ein r u s s i s c h e r L i e u t e n a n t vom 26. Dragoner-Regiment, der mit 2 Pferden, welche er abwechselnd ritt, den ganzen Weg von L u b n y nach P a r i s — 2633 Kilometer oder 351 Meilen - in 30 Tagen
 zurückgelegt hat.

 

 

Parodie. In: Der wahre Jakob Nr. 66, 1889

Der Deutsche fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen, -
Bist untreu Freiheit oder Todt,
Wie lange willst du säumen?
O Deutschland, Deutschland, was dich brennt,
Da lindert dir kein P a r l a m e n t!

 

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Dimanche, 12 mai 1889 (RETRONEWS der BnF)

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                         Erläuterung

 

 

La chanson de Ferry in Le Clairon, 8 juin 1889

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L'Éclaireur de l'arrondissement de Coulommiers, 26 octobre 1889

Et maintenant, quel nom inscrirai-je la semaine prochaine en tête de ma chronique nécrologique ?
  Comme ça se vide, grand Dieu !
  Comme les morts vont vite !
               E. BORGHÈSE

 

 

Le Clairon, 29 juin 1889

Constans, Constans, les morts vont vite !
  Et tu triomphes. Mais, attends !
  Il se peut qu'on les ressuscite
  Et gare à toi ! Gare, Constans !

 

 

Die beharrliche Ex-Königin. In: Kikeriki, 11. Dezember 1890

N a t a l i e fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
Zur S k u p t s c h i n a geschwind, o Gott!
Nicht länger will sie säumen.

      der vollständige Text

 

 

Crispinische Verzweiflung in Nebelspalter 16 (1890)

Herr Crispi fuhr um's Morgenroth empor aus schweren Träumen
Und rief: "Ihr Redaktoren fort! nicht länger sollt ihr säumen,
Ich laß den Teufel an die Wand mir nicht von euch stets malen;
Er möcht' am Ende kommen und die Schulden - nicht bezahlen.
Die Schulden, die sich ausgedehnt zur staatlichen Misere
Von Nizza bis Sizilien, von da zum Rothen Meere,
Und diese habet einzig ihr, verdammte Redaktoren,
Wie Raben, Unglück krächzend stets, dem Volk heraufbeschworen."

      der vollständige Text

 

 

Traumbild in Altonaer Nachrichten 12. Dezember 1890

Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus bangen Träumen!

altonaer nachrichten 12 december 1890

 

 

La Nation, 26 août 1890

La ballade de Bürger sera éternellement vrai :
     Les morts vont vite
C'était hier l'anniversaire de la mort de Félix Pyat, un des hommes les plus en vue du siècle.
Littérateur, homme politique, il a joué un très grand rôle. […]

 

 

Bürgers "Lenore" schneidig verkürzt. In: Freie Stimmen aus Kärnten, 1. August 1891

Lenore träumt viel,
Weil Wilhelm mobil.
Krieg aus,
Einzug zu Haus!
Wilhelm bleibt weg;
Lenorens Schreck!
Der Lieutenant todt,
Lenore in Noth.
Mutter erschrickt,
Lenore verrückt.
Um Mitternacht
Kommt Wilhelm sacht,
Holt auf dem Rapp'
Lenore ab;
Reiter schnell,
Fix zur Stell'!
Aber bald
Bette kalt;
Morgenroth -
Lenore todt!

       das Original

 

 

Classisches aus den Bädern. In: Der Floh, 26. Juni 1892

Lenore fuhr um's Morgenroth empor aus s c h w e r e n Träumen;

         der vollständige Text mit Bild

 

 

Pniower fuhr ums Morgenroth. In: Berliner Tageblatt, 18. Januar 1892

Pniower fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Der alte Pröhle — welche Noth!
Er thät' den Zug versäumen!"
Doch außen, horch! ging's trab, trab, trab,
In einer Droschke fuhr er ab,
Die Bolte hat gerufen
An des Geländes Stufen.

          der vollständige Text

 

 

Im neuen Kurs in Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 9.1892

im_neuen_kurs_1892

 

   „Rapp, Rapp, mich dünkt, der Hahn schon ruft,  
   Bald wird der Sand verrinnen, —
   Rapp, Rapp! Ich witt're Morgenluft,
   Rapp, tummle dich von hinnen.

   „Rasch auf ein eisern Gitterthor
   Ging's mit verhängtem Zügel.
   Mit schwanker Gert' ein Schlag davor
   Zersprengte Schloß und Riegel.

   „Ha sieh, ha sieh! im Augenblick,
   Huhu, ein gräßlich Wunder!
   Des Reiters Koller Stück für Stück
   Fiel ab wie mürber Zunder!"

                       (Bürger.)


       größeres Bild

 

 

Der reuige Wilhelm! in Hamburger Anzeiger 15. Januar 1892

Der Wilhelm fuhr um's Morgenroth,
Empor aus seinen Kissen!

hamburger anzeiger 15 january 1892

 

 

AURILLAC in: Le Petit Journal, 16 janvier 1892

La plupart des communes de notre département sont visitées par l'influenza. La maladie a néanmoins un caractére relativement bénin. Les morts vont vite cependant. Hier matin mourait M. Delche, receveur de l'hospice et du bureau de bienfaisance. Rien ne faisait prévoir un dénouement fatal aussi brusque.

 

 

L'Èvénement, 5 septembre 1892

     HORS PARIS
 Le congrès de dermatologie s'ouvrira lundi prochain, à Vienne, malgré l'opposition du docteur Schiff et de quelques autres membres qui demandaient le renvoi à une date ultérieure, à cause du choléra. La circonstance, cependant, déconseillait les délais et les lenteurs : les morts vont vite !

 

 

A Cyclist's Funeral. In: Waterford Mirror and Tramore Visitor, 19 May 1892

A well-known cyclist recently expired, but not before he expressed the wish that his obsequies should be exclusively velocipedic in their character. His desire was accordingly loyally carried out. His coffin was placed on a tricycle preceded by a courtege of cyclists playing a funeral march on bugles, while the eight children of the deceased followed their father's remains on a tandem. As a contemporary remarks, if the example is contagious, one will be able tp say with more truth than ever that 'the dead travel fast.' We deem it right to add, for our own protection, that the story is an American one. 
 

 

 

Die Rantzau. In: Der Floh, 15. Jänner 1893

"Schön Lola" fuhr um's Morgenroth
Empor aus ihrem Schlummer,
Sie "beethet" schnell ein Stoßgebet,
Denn täglich wird sie frummer.

     der vollständige Text      

 

 

Auch eine Leonore. In: Lothar Meggendorfers humoristische Blätter 15. 1893

lenore_meggendorf_1893_kl

 

 

Le Siècle, 4 octobre 1893

Clemenceau publie un article dans lequel il répète : « En avant ! En avant ! » comme dans la ballade de Bürger : Les morts vont vite.
  En avant ! En avant ! Mais où ? Toute la question est là.

 

 

L'Événement, 29 janvier 1893

Les morts vont vite – et les vivants aussi! Par ce temps de circulation électrique, le vélocipède est le cheval du pauvre.
      Edmond Magnier

 

 

All along the River von Miss M. E. Brandon. In: The Newcastle Weekly Chronicle, February 11, 1893

Yes, and then the dream changed - the dreamer's wandering thoughts directed by another reminiscence of those girlish studies in German poetry.
She was Lenore, and she was in the arms of her dead lover. She felt that bony arm - Death's arm - clutching her round the waist, her streaming hair unugled with the streaming inane of that unearthly horse. She was with Lostwithiel – in his arms – and they were both dead and both happy – happy in being together. What did they want more than that?
    “Vollbracht, vollbracht, ist unser Lauf!
      Das Hochzeitbette thut sich auf!
    Die Todten reiten schnelle!
      Wir sind, wir sind, zur Stelle.”

      der vollständige Beitrag   

 

 

Heine's Lied vom Fichtenbaum von Ferdinand Delcliseur. In: Das ist ausgezeichnet! Hunoristikum, Hg. Clemens Grün, 1894

Heine.
(Originalstrophe.)

Ein Fichtenbaum stand einsam
Im Norden auf kahler Höh'!
Ihn schläfert. - Mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee. -

Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland
Einsam, schweigend trauert -
Auf brennender Felsenwand.

   B ü r g e r

Eine Palme fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen.
Bist untreu Fichte oder todt? -
Wie lange willst du säumen?
Ein Fichtenbaum. auf kahler Höh'
Im Norden, möcht hundert Meilen
Gern heissa, hurrah, hopp, hopp, hopp,
Zu ihr ins Brautbett eilen!

     der vollständige Text
 

 

Demonstration. In: Der Floh,, 8. Juli 1894

Im Krankenhaus, im neunten Hof,
Da geht es lustig zu,
Da hat der arme Patient
Schon Morgens keine Ruh'.

      der vollständige Text

 

 

"Eini!". In: Neues Wiener Journal, 8. September 1894

Wiener Lied mit Chor, Text von J. Eisenkolb, Musik von Anton Werner.

Ob der Wiener jetzt im Theater sitzt,
 Oder wo in ein' Concert,
 Ob er a Tänz'rin hupfen siecht,
 A Säng'rin singen hört;
 Oder red't wo a Gemeinderath,
 Spricht wer im Parlament,
 So sagt er nicht, wie der Franzos':
 „O, der is excellent!"
              R e f r a i n:
 Er sagt blos zu an Zweiten,
 Und der versteht 'n schon:
 „Du, Freunderl, d e r k a n e i n i,
 Das is a Passion!"

 In einem vollen Tramwaywag'n
 San eh' schon fünfzig Leut',
 Da kommt der Anundfufzigste,
 Der sucht nöt lang ein' Streit:
 An stoßt er mit 'm Ellbog'n h'nein,
 Den Andern taucht er weg,
 Und bumsdi! Eh' si dö erhol'n,
 Steht er schon aus sein' Fleck.
               R e f r a i n:
 Die Andern aber lachen
 Und sag'n blos voll Hamur:
 „Jetzt k a n n d e r a n o e i n i,
 Da g'hört do 'was dazua!"

 Das Fräulein L e o n o r e geht,
 Schon vorgerückt an Jahr'n,
 Im Stadtpark drinn' und is heut' stark
 Ums M o r g e n r o t h schon g'fahr'n, '
 Denn Rouge liegt fingerdick im G'sicht,
 Mit 'm Reismehl hat S' nöt g'spart,
 Mit einem Wort, ins Retouchir'n
 Da is sie ganz vernarrt.
              R e f r a i n:
 Das siecht a echter Weaner
 Und sagt zum zweiten flink:
 „Hörst, Bruader, d ö k a n e i n i
 In 'n Tögel mit der Schmink'!"

 Es engagirt sich ein' Cassier
 Ein G'schäftsmann aufm Grab'n,
 Der schon im zweiten Monat will
 Salair-Erhöhung hab'n.
 Der Chef deut' auf die Eiserne
 Und sagt: „I kann nöt h'nein!"
 Der Herr Cassier, ein Defraudant,
 Bricht in die Cassa ein.
             R e f r a i n.
 In der Früh liegt drinn' a Zettel,'
 Wo deutli g'schrieb'n drauf steht:
 „Sie sehen, i k a n n e i n i,
 Und Sö — Sö können's nöt!"

 

 

Humor im Redaktionsbriefkasten in Tiroler Volksbote, 19 July 1894

Frage: „In Bürgers „Leonore" steht: „Die Todten reiten schnell!"
   Können denn die Todten reiten?"
Antwort: „Weshalb nicht? Wenn sie es vorher gelernt haben."

 

 

Lenore (frei nach Bürger). In: Beiblatt der Fliegenden Blätter 103. 1895

    Lenore fuhr ums Morgenroth      
    Hervor aus ihren Betten:          
    Hurrah! jetzt kann ich ohne Noth   
    Für Wilhelm Hemden plätten!      

    Ich frag die Leute auf und ab,
    Ich frug in allen Läden,
    Bis man mir ein Plätteisen gab,
    Frei von den frühern Schäden.

    Das früh're Plättzeug hat mich genirt
    Durch Hitze an Arm und Fingern;
    Jetzt aber plätt ich isolirt!!
    Fort mit den alten Dingern!

    Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
    Plätt ich an manchen Tagen
    Seitdem in sausendem Galopp
    Weit über hundert Kragen!

    Wüßt ich nur blos, wo Wilhelm bleibt?
    's ist doch ein säum'ger Wandrer!
    Na! seit ich dies Plätteisen hab,
    Nimmt mich auch gern ein Andrer!

      Die vollständige Anzeige

 

 

Das Lied vom Friebeis. In: Der Floh, 18. August 1895

Held F r i e b e i s fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen
Und sprach: O, Herr von K i e l m a n n s e g g,
Wie lange willst Du säumen?

        Der vollständige Text 

 

 

Soldaten-Briefsteller in Neues Wiener Tagblatt 21. August 1895

Wir sehen denn auch die verschiedenen Episteln eingetheilt in Abschnitte, wie: Brief nach dem Einrücken in die Garnison; Ein Soldat wünscht von seiner Mutter Wäsche; Bitte um Geld. Letzteres Thema wird dann variirt: anderer Brief, weiterer Brief um Geld; dringende und wiederholte Bitte um Geld - man sieht, wie Montecuecoli Recht hatte, daß zum Kriegführen Geld, Geld und
 wiederum Geld gehöre. Dann kommen Briefe über eigene Gesundheit und das Befinden der Kameraden. Wer denkt da
 nicht an Leonorens Klage iiber Wilhelm: .
     »Er hatte nicht geschrieben,
     Ob er gesund geblieben.«
Hätte Wilhelm den Soldaten-Briefsteller mitgenommen »in die Prager Schlacht«, wer weiß, ob Leonoren das von Bürger besungene Malheur passirt wäre.

 

 

Le Petit Moniteur universel, 25 juin 1895

La Comédie-Française ouvre de plus en plus sa porte aux jeunes.
Après les Faux-Bonshommes en reprendra Julie, d'Octave Feuillet.
Rappelons que, d'autre part, l'Odéon reprendra le Roman d'un jeune homme pauvre.
Et on dit que les morts vont vite!

 

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Le Journal, 2 janvier 1895 (RETRONEWS der BnF)

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                     Erläuterung

 

By the way. In: Globe, 18. Juni 1895

A correspondent calls our attention to the following curious advertisement which appeared in yesterday's "Daily Graphic": -
  DOCTOR'S SON, lately deceased, requires temporary engagement in a school: age 22 : would travel abroad.
Persons with little time to spare on their journeys abroad might find him a congenial companion, for "the dead travel fast," but at a school we can't help thinking that his engagement would be decidedly "temporary."

 

 

Richter und Matzenauer nach der Bürgermeister-Beeidigung.
(Frei nach dem a l t e n von einem jüngeren "B ü r g e r".)   In: Figaro, 23. Mai 1896

Herr R i c h t e r fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Hilf, Himmel, bin ich wirklich "t o d t !!"
Mein Blut will überschäumen!
Verloren Alles! - Tag und Nacht
Hab' ich umsonst gekämpft, gewacht,
Ein Wunder, meine Lieben,
Daß ich gesund geblieben!"

     der vollständige Text 

 

 

La Croix, 2 octobre 1896

Çà et Là
L'OUBLI
On écrit de Bruxelles que hier, jour anniversaire de la mort du général Boulanger, personne n'a visité la tombe du cimetière d'Ixelles.Une seule couronne a été déposée la veille. Puis plus rien l'oubli.
  Les morts vont vite.

 

 

SIR GUY'S GOBLET von Annie Thomas. In: Christchurch Times, December 18, 1897

“The sconer I get you home the better, for your ankle, Miss Dunbar. This old fellow's gallop is like a rocking chair; tell me if you can bear it?”
“He slackened the reins, and the horse went off like an arrow at once.
“Yes, I can bear this,” I murmured, as he grasped me more firmly, and Guy Pomfret said:
  'That's roght – that's pluchy,' and then sang:
“Graut liebchen auch? Der mond scheine hell,
 Hurrah! Die Todten reiten schnell
 Graut liebschen auch vor Todten?”
“Say more of 'Lenora'” I roused myself to utter, as he paused; but he merely repeated the three lines he had already sung, and promised to read me the whole of the marvellous ballad same afternoon.

     der vollständige Beitrag

christchurch_times_1897 

 

 

Eisenbahnlyrik. In: Der Floh, Nr. 35 1898

L e n o r e fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
Bist untreu W i l h e l m oder todt,
Was soll Dein langes Säumen?
Vor vierzehn Tagen fuhr er davon,
Sie sah ihn im Eisenbahnwaggon;
Und er hatte nicht geschrieben,
Ob er gesund geblieben.

        Der vollständige Text

 

 

La Caricature, 16 avril 1898

La Caricature, 16 avril 1898

 

 

Englische Romanze. In: Nebelspalter, 2. Dezember, 1899, Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich 

    Herr Chamberlaine um's Morgenrot
    Fuhr auf aus schweren Träumen:
    "Was ist denn das? Stockschwere Not!
    Wie lang will Buller säumen?
    Wir schicken ihn doch nach Transvaal
    Damit er, wie ein Wetterstrahl
    Bei schwüler Luft wie Halme,
    Die Boerenbrut zermalme!"

    Der vollständige Text

 

 

Die eifersüchtigen Radler. In: Fliegende Blätter, Nro. 2826  1899

Lenore fuhr um's Morgenroth
Zur Stadt hinaus, leicht wie ein Loth.
So Mancher seufzte nach ihr hin:
"Wär'st Du doch mein, o Radlerin!"

       radler_lenore_1899

 

 

Classisches aus den Bädern. In: Der Floh Nr. 28, 1899

Franzensbad. Leonore fuhr um's Morgenroth empor aus schweren Träumen.

lenore_franzensbad_1899

 

 

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Lustige Blätter Jahrgang 1899 Nr. 2

lustige blätter 1899_klein

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Poesien Fin de siecle. In: Österreichische Musik- und Theaterzeitung, 20. November 1899, S.3
 D e r T a n t i e m e n - G e s e l l s c h a f t gewidmet von Arthur B a r d e.

 Componisten und Autoren.
 Verloren ist verloren! —
 Wer wird sich d’rob auch grämen,
 Es flossen ja Tantiemen! —
 „Ja, ja, die Todten reiten schnell
 Graut Liebchen auch vor Todten?
 Ach lass', ach lass’ die Todten.“ —
 Und siehe da, das Morgenroth
 Erweckt aus schönen Träumen.
 Tantiemen man uns Allen bot —
 Wer wird da lange säumen?
 Mit Sing und Sang,
 Mit Kling und Klang,
 Wir Alle dort erscheinen.
 Wir Alle uns vereinen
 Ach ja, die Todten reiten schnell.
 Das Morgenroth, es macht uns hell;
 Tantiemen, die geboten,
 Die werft nur zu den Todten. — —

 Es floss so manches Tausend ein;
 Doch ach! s’ gehört nicht mein noch dein,
 Denn Alles ging auf Spesen
 O Besen! wärst du Besen
 Geblieben stets! Tantiemen, ach Tantiemen
 Die reimen sich auf Nehmen. —
 Und mussten Alle blechen,
 So will ein Wörtlein sprechen
 Ich mit dem löblichen Verein:
 Was nutzt mir denn das Mein und Dein,
 Wenn Mein und Dein verloren?
 Ach, wär' doch nicht geboren
 Der theure, theuere Verein!
 Jetzt legt ihn in den Todtenschrein!
 Graut Liebchen auch vor Todten?
 Ach lass’, ach lass’ die Todten!
 

 

Der Schah. (Ballade.)  In: Der Floh Nr. 41 1900

Es fuhr der S c h a h um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
Er ruft: "Wo bleibt mein Großvezier,
Was soll sein langes Säumen?"

      der vollständige Text  

 

 

Der gerupfte Pfau oder Suum cuique. In: Lustige Blätter schönstes buntes Witzblatt Deutschlands — 15.1900

Und jedes Heer mit Sing und Sang,
Mit Kling und Klang und Zsching und Tschang,
Geschmückt mit "Pfauenfedern" - - - -
                 (Nach Bürgers "Leonore")

gerupfter_pfau_kl_1900

 

 

 

 

 

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Im Sensationsnachrichtenbureau in Lustige Blätter: schönstes buntes Witzblatt Deutschlands — 15.1900

A. : Ich denke, alle Europäer in China sind ermordet;
    und jetzt stehen sie schon wieder vor Peking?

B. : Nun ja: die Todten reiten schnell.

 

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in L'Intransigeant, 2 mai 1900 (RETRONEWS der BnF)

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                             Erläuterung

 

 

Balladen-Ragout. In: Beilage zu Nr. 65 der "Bozner Zeitung" vom 20. März 1901

Erlkönig jagt durch die finstre Nacht
Zu Dionys, dem Tyrannen,
Der wilde Jäger hinter ihm
Saust durch die dunklen Tannen.
Und hurra! hurra! hopp, hopp, hopp!
Geht's fort in sausendem Galopp

    Der vollständige Text

 

 

Le Constitutionell, 29 août 1901

Une application vraiment inattendue de l'automobile a été faite ces jours-ci à Conventry.
  On a conduit en « teuf-teuf », à sa dernière demeure, un employé d'une grande fabrique de cycles de la ville.
  N'est-ce pas le cas de dire plus que jamais que « les morts vont vite » 

 

 

La Petite République, 9 septembre 1901

PETITS PAINS DU MATIN
Le Gaulois s'indigne de ce qu'hier on pouvait voir, avenue de Villiers, un corbillard s'en aller au trot allongé de ses chevaux.
Ne faut-il pas de temps en temps justifier le vieil adage: « Les morts vont vite. »
                         Jean Mitron
 

 

 

Der grausige Ritt in Lustige Blätter: schönstes buntes Witzblatt Deutschlands — 17.1902

Wie flogen rechts, wie flogen links
Der Paragraphen Trümmer!
Wie heulte durch die Lüfte rings
Ein Zetern und Gewimmer!
„Graut Liebchen auch? .... der Mond scheint hell,
Hurrah, das Plenum reitet schnell!
Nur immer stramm sich sputen,
Hier geht es nach Minuten!"

      Der vollständige Text  

 

 

Herr Adabei. In: Der neue Bezirksbote, Schwechat 13. Dezember 1903

Herr Mellich fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen.
"Was ists mit meinem Morgenbrot?
Darf nicht die Tramway versäumen!
War der Erste im Jubiläumsbad,
Na, Himmel-Kreuz-Bomben, das fehlte mir grad,
Daß man von mir sollt' sagen:
Er war nicht im ersten Wagen!"

        der vollständige Text

 

 

„Der Tanzhusar", Ballade von Hugo dem Unaussprechlichen. Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 56.1903, Seite 216

A. Balhaus, Krefeld. Wir können uns nicht versagen, auf diese großartige Dichtung näher einzugehen. Sie behandelt, in ungezwungener Anlehnung an Bürgers „Lenore", das Schicksal einer Malerstochter aus Düsseldorf, die ihr Geliebter, ein dortiger Husarenleutnant, plötzlich verlassen hat; denn:
  "Er war mit seiner Garnison
  verlegt auf hohen Wunsch vom Thron
  Und unterlieh zu drahten,
  Wohin er war gerathen."
Die Malerstochter ist außer sich; sie läuft zu allen Truppeneinzügen — versehentlich selbst zum Train — und fragt alle Chargen vom Vicefeldwebel aufwärts nach ihrem Liebsten aus — vergebens! Da ergreift sie wildes Weh:
     „Verzweifelt mit dem Kopf sie rannt’
     Durch Ihres Vaters Leinewand
     Und raufte seine Pinsel
     Mit kläglichem Gewinsel!"
Plötzlich in der Walpurgisnacht erscheint der Geliebte leibhaftig (?) auf einem kohlschwarzen Dienstpferde, commandiert „Aufgesessen!" und sprengt mit ihr in der Richtung auf Krefeld davon. Der gespenstische Ritt durch die industrielle Gegend, in der die flammenden Essen wie „rothe Höllenfeuer" leuchten, ist meisterhaft geschildert. Um Mitternacht schließt sich ihnen ein „luftiges Gesindel" an, bestehend aus den im letzten Jahre verunglückten Automobilfahrern und ihren Opfern.
     Und hinterher kam’s töff, töff, töff,
     Mit Lärm und Stank und Hundgekläff;
     Feinsliebchen sich entsatzte,
     So oft ein Reifen platzte.
Schließlich beginnt alles zu tanzen, selbst der Rappe macht Pas wie ein Cirkuspferd, und der Liebste chassiert auf ihm herum.
     Und auf ein großes Tanzlocal
     Ging’s in des Mondes Zwielicht —
     Krach! sprang die Thüre auf zum Saal!
     Hui, standen sie im Glühlicht!
    Wie Blumen rings an weißer Wand
     Die reichsten Mädchen in dem Land,
     Gehüllt zur Augenweide
     In Krefelds Sammt und Seide."
Auf die Reichste von allen stürzt sich der Geliebte wie ein Stoßvogel und holt sie zum Tanz:
     „Und hurre, hurre. hopp. hopp, hopp,
     Schwang er mit ihr sich im Galopp,    
     Daß hell die Sporen klirrten,
     Die Kleider sich verwirrten."
Bei diesem Anblick rührt die Malerstochter der Schlag. Die Paare aber tanzen um sie herum „fast wie zum Spotte" eine Kaiser-Gavotte und singen diese Weise:
     „Geduld. Geduld, wenn’s Herz auch bricht!
     Mit dem Comißdienst hadre nicht!
     Braucht man zum Tanz ihn gnädig,
     So bleibt der Leutnant ledig."
Mit einem schrillen: „Hopsa!" schließt das ergreifende Werk.
 

 

Automobilistensang In: Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 8.1903

Von einem einfachen B ü r g e r

Zur „Zuverlässigkeitsfahrt" des Berliner Automobilvereins.

Wir fahren los ums Morgenroth
Nach kurzen schweren Träumen,
Sind Sieger Abends oder todt,
Da hilft kein langes Säumen.
Uns gilt kein Todtschlag und kein Mord,
Uns gilt als höchstes der Rekord.
Wir müssen 1000 Meilen
Noch heut' zum Ziele eilen.

Wie fliegen - ha - in Stücken rings
Die Rinder und die Schweine!
wie fliegen rechts, wie fliegen links
Die menschlichen Gebeine!
Die Huppe tutet: Hopp, hopp, hopp.
Fort geht's in sausendem Galopp,
Daß die Ventile fauchen
Und die pneumatics rauchen.

Und überall, allüberall
Auf Wegen und auf Stegen,
Eilt Alt und Jung beim wüsten Schall
Der Huppe uns entgegen.
Und wenn wir dann vorüber sind,
Liegt Vater, Mutter, Vieh und Rind
Mit leidender Geberde
In Theilen auf der Erde.
                      Frido
 

 

La Souveraineté nationale, 8 janvier 1903

M. de Lagourdette, l'homme je plus pressé du monde, est obligé de suivre un convoi qui, bien lentement se dirige vers une nécropole suburbaine.
Et, tout le long de la route, chaque cinq minutes regardant sa montre :
- Quand on pense que quelqu'un a dit : « Les morts vont vite ! » maugréet-il.

 

 

Hervorragende sportliche Leistungen. In: Figaro, Sport-Nummer. 10. Juni 1905

"Leonore fuhr ums Morgenroth." (Zu einer Zeit, wo der
F a h r s p o r t sozusagen noch in den Kinderschuhen steckte, eine ganz
bemerkenswerte Leistung.)

     alle Leistungen

 

 

Julius fuhr ums Morgenrot von Julius Oppenheimer. Memoiren eines greisen Kindes, Berlin 1902-1906. In: Als hätten wir dazugehört (Hg. Albert Lichtblau)

“Darauf erhielt ich keine Antwort, und auch nicht auf eine Parodie von Bürgers Ballade Leonore, die mit den Worten begann:

  ´Julius fuhr ums Morgenrot
  Empor aus seinen Träumen.
  Bist untreu Mädchen oder tot?
  Wie lange willst Du säumen?
  Sie zog in Gouvernanten-Tracht
  Hinaus in Ungarns Pusztanacht
  Und hat mir nicht geschrieben,
  Ob sie gesund geblieben.´"

 

 

Die ordnungsliebende Leonore. In: Die Bombe, Nummer 42, 1906

Leonore fuhr ums Morgenrot
Empor aus ihren Träumen:
"Ja, Wilhelm, schläfst du denn wie tot,
Ich muss zusammenräumen.
Steh auf, steh auf mein Wilhelm - o!
Es ist halb acht, geh' ins Bureau,
Steh auf. nimm deine Sachen,
Ich muss hier Ordnung machen."

      der vollständige Beitrag

 

 

Lenore (nach Bürger) von Kory Towska (d.i. Kory Elisabeth Rosenbaum). In: Parodistische Schelmenstreiche. 1906

Lenore fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
"Tuch, Wilhelm, oder Covertcoat?
Mit Steppnaht oder Säumen?"
Sie hatte diese ganze Nacht
Ans neue Herbstkostüm gedacht
Und konnt' sich nicht entscheiden
Für eines von den beiden.

Herr Wilhelm fuhr ums Morgenrot
Herab aus Traumesäther:
"Ja Himmelherrgottschwerenot!
Hat das nicht Zeit bis später?
Da weckst du mich um halber drei?
Nimm eins, nimm keins, nimm alle zwei -
Kurz, was du willst, das tue,
Nur mich laß jetzt in Ruhe!"

Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp!
Zwei Kleider sind zur Stelle,
Schon naht die Rechnung im Galopp:
Die Schneider reiten schnelle.
Zu spät sieht's Wilhelm ein und spricht:
"M i t  H e r b s t k o s t ü m e n  s p a ß t  m a n  n i c h t!"
Des Geldes ist er ledig,
Gott sei seiner Kassa gnädig!

       das Original

 

 

Lenore fuhr ums Morgenrot, Burleske von Martha Kneschke. Berlin: Kühling&Güttner (Album f. Liebhaber-Bühnen; Nr. 430)
       konnte noch nicht ermittelt werden

 

 

Der Steuergalopp in Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 11.1906

Der Reichstag pumpte ohne Ruh'
Gleich einem Pumpenschwengel.
Er pumpte flott, nur ab und zu
Da redete Herr Stengel.
Sonst hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
Ging's fort in sausendem Galopp,
Daß unten und daß oben
Die Steuern nur so stoben.

Zur Rechten und zur Linken nimmt
Man kaum sich Zeit zu reden.
Heidi, da wird schon abgestimmt!
Und weiter gehn die Fehden.
Hurrah, der Reichstag reitet schnell,
Er zieht uns übers Ohr das Fell.
Des Geldes sind wir ledig.
Gott sei den Bürgern gnädig!

             Frido

 

 

Le Phare de la Loire, 6 avril 1906

LES MORTS VONT VITE
NASCHOD (Bohème). - Le prince Guillaume de Schaumbourg Lippe, est mort subitement d'une apoplexie au cœur.
La princesse Louise, sa femme est également morte ce matin, à la suite d'une maladie de quelques jours.

 

 

Bange Frage. In: Figaro, 27. April 1907

 Der Michel fuhr ums Morgenrot
 Empor aus wüsten Träumen:
 Bin ich lebendig oder tot,
 Will man mich wieder — leimen?
 

 

Nur für Mannevölcher in Nebelspalter 33 (1907)

Mit Leonoren hat man Not und Hühnchen stets zu rupfen,
Denn fahren sie ums Morgenrot, so kriegen sie den Schnupfen.

 

 

Verbene Junkers Liebe; ein Roman, dem toten Oskar Wilde von einem ungenannten Autor gewidmet,1907

"Hoch klingt das Lied von braver Wangel
Wie Orgelton und Kirchgesangel
Wer solchen Muts sich rühmen kann,
Den rühmt nicht Gold, den lohnt Gesang -
Doch Verbene weint auf, ihr letztes Stück Brot,
Sie kann es vor Kummer nicht essen -
Oh! Schwestern bedrücket oft tiefere Not,
Als glückliche Menschen ermessen -
Verbene fuhr ums Morgenrot
Empor aus Monumenten-Träumen -
Editha untreu oder tot?
Was mag sie länger säumen -
Zu Erich, dem Tyrannen schlich
Editha, den Dolch im Gewande,
Sie schlugen die Häscher in Bande.
Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich,
Entgegnet ihr finster der Wüterich -
Die Welt vom Tyrannen befrein -
Editha Wangel, ich bin Dein!"

 

 

L'Auto, 14 avril 1907

Le Testament d'un Automobiliste
[…]
Pourquoi prolonger le tourment
Des braves gens que l'on invite ?
Dérapons donc rapidement !
Burger dit vrai : Les morts vont vite !
[…]

 

 

L'Aurore, 21 janvier 1907

Les Morts vont vite.
M.William Busnach vient de mourir. Les morts vont vite, dit Burger, dans sa ballade. Ils ne vont peut-être pas assez vite encore, puisque M. Busnach a eu le temps de couper Madame Bovary en morceaux. Il est vrai que, devant la tombe, la rancune doit se faire silencieuse.
 

 

Burleske "Lenore"

"Carmen" in der Grossen Frankfurterstrasse. In: Berliner Tageblatt, 26. Juli 1908

“Wenn der teure Name Carmen an einer Plakatsäule prangt, erspähen wir ihn jedesmal, auch im raschesten Vorübergehen. [...] Und mancher läuft ihr sogar nach bis hinaus zur Großen Frankfurterstraße, zu dem dramatischen Warenhaus des Herrn Bernhard Rose. Dort gibts Erschütterungen im Ramsch für den kleinen Mann, und der Genuß ist hier billig zu haben. Für dreißig Pfennig und fünfzig Pfennig können wir von nachmittag um 5 Uhr bis um Mitternacht dasitzen, mit offenem Mund, Ohr und Auge Konzert und Variéte, Oper, Balett, Lustspiel und Tragödie genießen. Zwischen Walzern und Märschen gibts "Lenore fuhr ums Morgenrot" - eine Burleske, in der eine Lenore und ein Lokomotivführer vorkommt. Mehr sag' ich nicht.”

Lokales. Hamburg, 5. Februar. In: Hamburger Anzeiger, 6. Februar 1914

“Emil Nauckes Varieté. Herr Direktor Hugo Ferry hat das beliebte Lokal wieder auf seine frühere Höhe gebracht. [...]
Das zweite Stück, die Posse "Leonore fuhr ums Morgenrot", bringt eine ganz hervorragend komische Nachthemd-Szene, die in einem Treppenflur spielt. Neben diesen Stücken tritt eine Anzahl erstklassiger Artisten auf.”

 

 

Lucanus In: Lustige Blätter: schönstes buntes Witzblatt Deutschlands 23.1908

Der Kanzler geht ums Morgenrot
Auf seiner Insel baden
Und spricht dabei: Lucanus tot!
Mir wird er nicht mehr schaden;
Ganz ähnlich sagt auch Herr v. Schön,
Zurzeit in Berchtesgaden:
Lucanus mußt’ von dannen geh’n,
Mir wird er nicht mehr schaden.
Auf Hohenfinow Bethmann weilt,
Man liest in seinen Zügen:
Lucanus ist davongeeilt,
Mich wird er nicht mehr kriegen.
Herr Krätke wandert in Tirol,
Wo Alpenveilchen reifen,
Und denkt dabei, wie ist mir wohl,
Mich wird er nicht mehr greifen.
Herr Breitenbach am Rigi sitzt.
Da meint er unverholen,
Lucanus ist veschwunden itzt,
Mich wird er nicht mehr holen.
Rheinbaben weilt nicht weit von Tölz
Bei steilen Felsenzacken
Und flötet dort mit zartem Schmelz:
Mich wird er nicht mehr packen.
Herr Sydow ist am Weißenstein,
Er schwelgt in allen Himmeln,
Und bei Lucanus fällt ihm ein:
Mich wird er nicht mehr wimmeln.-

Herr Valentini offiziell
Will ihnen Frieden gönnen;
E r  ü b t  z u  H a u s e  a m  M o d e l l,
 Z u m  H e r b s t   w i r d   e r’s  s c h o n  k ö n n e n!
 

 

Phantasiestück in Nebelspalter, 34 (1908)

Lenore fuhr ums Morgenrot,
Benzin belebte die Kiste.
Gottlob der Dichter Bürger ist todt,
Wenn der den Frevel wüßte!

 

 

L Administration a toute Vitesse.In: Le Petit Provençal

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Les obséques de Mlle Subra in: L'Écho de Paris, 26 aoút 1908

Les obséques de Mlle Subra ont eu lieu, hier matin, au temple de la rue Roquépine, au lilieu d'une affluence restreinte.
 Hélas! si les morts vont vite, on oublie encorte plus vite.

 

 

Die Paragraphenreiter im Galopp in Kikeriki 26. Dezember 1909

- Das Herrenhaus hat die lex Kramarz aber rasch beschlossen. Woher dieses Tempo?

- Ja, ja, die Toten reiten schnell!

 

 

Seifenreklame in LE JOUR DES MORTS in Le Petit Marseillais, 2 novembre 1909

seife-1909

Les morts vont vite, hélas ! Mais leur souvenir reste.
Le temps les sanctifie à l'ombre des cyprès
Et nous sentons leur âme et leur cœur et leur geste
En sentant le savon le Petit Marseillais

AUZIERE Alné. Bureaux : 4, place du Change, Marsaille.
Envente ch.t.l. Parfumeurs, Coiffeurs, Gds Magasins, Merciers

                 Erläuterung

 

 

L'Avenir des Hautes-Pyrénées, 18 jullet 1909

La Société des fêtes doit être décédée ; la pauvrette ! Personne n'en parle plus ! Comme les mortes vont vite !

 

 

La Libre Parole, 12 septembre 1909

En Amérique, l'automobilisme a conquis...les pompes funèbres. Et le corbillard automobile « fait du vingt à l'heure », ce qui passe encore pour une allure très modérée. Qund il écrase un badaud, l'entreprise n'en marche que mieux : c'est un client de plus pour la maison. Business is business.
   Les morts vont vite, outre-mere !

 

 

Die Testamentseröffnung. In: Arbeiter-Zeitung, 20. März 1910

Weiskirchner fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
"Bist untreu, Richard, oder tot,
Wie lange willst du säumen?"
So hatte ihn um Mitternacht
Ein düsteres Gespenst gefragt,
Das greulich ihm erschienen
Mit unheilvollen Mienen.
 

testament_1910

 

 

 


       der vollständige Text

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Traum von E. v. Richter-Mocz. In: Der Floh 1910

Leonore fuhr ums Morgenrot
Empor aus schwerem Traum:
Es trat ihr Tänzer, Herr v. Schrot,
Auf ihres Kleides Saum;

       der vollständige Beitrag

 

 

Rez. Deutsche Städtebilder in Neue Freie Presse, 10. Dezember 1910

In einer dunklen Ecke vor dem Hause gab des reichen Bürgers Evchen dem Junker Walter Gelegenheit zu Gekose und Liebeständeleien, die nur der Nachtwächter störte. Leonore fuhr ums Morgenrot, wie B ü r g e r singt, empor, denn Wilhelm war gezogen in die Prager Schlacht und hatte nicht geschrieben, ob er gesund geblieben. Und wie lange mag Leonore nach der guten alten Postschnecke ausgeschaut haben, die ihr allein Nachricht bringen konnte. Wie alles anders heutzutage. Dem Bürger leuchten durch die ganze Nacht Laternen auf seinem Heimwege. Das Wasser der Leitung quillt aus dem Rohre in jeder Küche. Hans schreibt seiner Grete parfümierte Liebesbriefe. Evchen telephoniert an den schmucken Junker Walter und Leonore liest ums Morgenrot in der Zeitung das Schicksal, das ihrem Wilhelm widerfahren, und wenn er selbst in die Seeschlacht von Tschuschima gedampft wäre.
 

 

 

Liebe Jugend! In: Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 16.1911, Band 2 (Nr. 27-52)
Seite: 970

Wir sollten einen Aufsatz über Bürgers "Lenore" schreiben; der Seminarlehrer diktierte und folgende Disposition:

Lenore v o r, w ä h r e n d und n a c h dem Ritt.

 

 

La Croix, 18 juin 1911

Les morts vont vite
De la Dépêche de Toulouse, nouvelles du Maroc :
« Une mitrailleuse mise en action tua une douzaine d'agresseurs qui se retirèrent en désordre. »
Et sans doute au grand galop.

 

 

Lenore. In: Neues Wiener Tagblatt, 25, Dezember 1912

Lenore fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
Bist punktfrei, Wilhelm, oder nicht?
Wie lang willst du noch säumen?
Er war, dieweil sein Liebchen harrt,
Gezogen mit zur Alpenfahrt,
Und hatte nicht geschrieben,
Ob punktlos er geblieben.

      der vollständige Text

 

 

Korrespondenz der Redaktion in Wiener Hausfrauen-Zeitung 1912, S. 354

Stephanie in St. .. ch . Natürlich erregt es Interesse, daß eine Wienerin um Fahrlizenz als Chauffeurin einkam. Das Ereignis bildet einen reichen Stoff für den Humor. Unter andern. An Stelle der Sorge um V o l a n t s für Toiletten tritt die für „V o l a n t s" am Auto. Viele Damen werden jetzt A u t o-d i d a k t i s c h gebildet sein. In den frühesten Morgenstunden wird man Autos finden, denn Frauen pflegen früher aufzustehen als Männer, so zum Beispiel „L e o n o r e  f u h r  u m s  M o r g e n r o t". Diese Musterkollektion soll Ihnen genügen.

 

 

Die moderne Lenore. In: Wiener Caricaturen, 31. August 1913

Lenore fuhr ums Abendrot
Empor vom Ruhekissen:
- Kommt Wilhelm nicht zum Abendbrot?
Ich muß´das schleunigst wissen!
He, Bertchen, fix, geh' auf die Spur,
Der Zeiger weist auf sieben Uhr,
Im "Stern" und auch im "Bären"
Pflegt Wilhelm einzukehren! -

        der vollständige Beitrag

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Le Matin, 24 aoút 1913 (RETRONEWS der BnF)

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                         Erläuterung

 

 

LA SEMAINE POLITIQUE. In: La Lanterne, 9 février 1914

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            Erläuterung

 

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Le Règiment, 3 février 1916 (RETRONEWS der BnF)

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                  Erläuterung

 

 

Modernisierter Balladen-Anfang von Martha Rubinstein. Fliegende Blätter 1916

Herr Julius fuhr um's Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
"Bist untreu, Anna, oder tot,
Wie lange willst du säumen?"
S i e war mit der Frau Nachbarin
Zum B u t t e r k a u f gezogen hin,
Und hatte nicht geschrieben,
Ob sie g e s u n d g e b l i e b e n! . . .
 

 

 

Le Phare de la Loire, 21 jullet 1916

Les Morts vont vite en Turquie !
Amsterdam.- La- « Gazette de Voss » annonce la mort de Jedal Ed Din, neveu du sultan de Turquie.

 

 

Die Nicht-Entdeckung von Fritz Engel. In: ULK, Wochenbeilage zum Berliner Tageblatt, 2. Februar 1917

Kolumbus fuhr ums Morgenroth
Empor aus wilden Träumen:
Gewaltig war des Sturmes Not,
Er sah das Meer sich bäumen:

        [...]

Don Christobal, Volldampf voran,
Fuhr näher zum Gestade:
Der Anblick kam ihm seltsam an,
Als wie im Freiluftbade.

Es liefen Mann und Weiber 'rum
Und zeigten ihre Blöschen,
Sie hatten um die Leiber 'rum
Nicht mal ein Badehöschen.

        [...]

Und Wilson selbst? Schon sehe ich
Voll Neugier eure Mienen:
"W o  l e b t  d e r  M a n n  d e n n  e i g e n t l i c h?"
Bedaure! Kann nicht dienen!

        der vollständige Text

 

 

Ostgalizische Feldzeitung , 1917 Nr. 22

Heiteres.

Er lässt sich nichts vormachen. Ein Gendarm hielt einen Automobilisten an, dem die Laterne
ausgegangen war, und liess sich dessen Visitenkarte geben. „Wilhelm Schulz,“ las der Polizist,
„Na, das machen Sie nur einem andern weis! Schulzens haben wir gerade genug, immer raus
mit Ihrem richtigen Namen! ’n bisschen fix!“ — „Na,“ meinte der Automobilist, „wenn Sie
ihn denn durchaus wissen müssen, schreiben Sie auf: Gottfried August Bürger, Göttingen.“ — „
Danke sehr,“ erwiderte höflich der Gendarm, „tut mir leid, dass ich Sie bemühen musste!“ Und
sorgfältig notierte er die Adresse in sein Buch. Aber er sucht den Göttinger Dichter der „Lenore“
noch immer vergeblich unter den Lebenden.
 

 

 

Das zermürbende Schweigen. In: Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 23.1918


Ha sieh! Ha sieh! Am öden Strand —
Huhu! welch gräßlich Wunder!
Der Herre Kapitänleutnant
Zerfällt wie mürber Zunder!
Zum Schädel ohne Schopf und Zopf,
Zum nackten Schädel wird sein Kopf;
Desgleichen sind zerfressen
Die beiden Ärmeltressen !
                          Jörn

      der vollständige Beitrag

 

 

Lenore von Bürger von Hermann Boßdorf
(Nedderdütsch nadichtd) 

Lenore keem üm'r Morgenrood
to Högt uut düster Drömen:
Gungst blangbi, Willem. odder dood?
Wolang noch bliwst in Böhmen?
He weer mit König Fritz sien Macht
na Prag hen reden in de Slacht
un hadd är noch nich schwräwen,
wat he ook heel wör blewen.

       der vollständige Text  

 

 

Köchin Karline am Wahltage      Kladderadatsch — 77.1924 Seite: 801

Karline fuhr ums Morgenrot
Empor aus ihren Kissen:
„Zum Donnerhagelschwerenot
Heut' werd' ich wählen müssen!
Um achte rückt die Lotte an
Vom Töpfermeister Pannemann,
Um gleich mich abzuholen
Zur Wahl! Drum auf die Sohlen!"

Sie hopst aus ihrem Federbett
Mit fröhlichem Gerase:
Schlüpft eins, zwei, drei in das Korsett
Und putzt sich kaum die Nase!
Da klopft's schon von dem Fenster her:
„Karline, spul' dich, faules Gör!
Hör', wie die Uhr schon bimmelt!
Das Wahllokal, es wimmelt!"

Karline eilt zur Küchentür
Mit Sprüngen hin, niit fixen:
Da tritt die — Gnädige herfür:
„Erst bitte — Stiefel wichsen!
Und dann wird Kaffee schnell gekocht
Und Staub gewischt — und zwar sofocht!"
Ruft sie voll hartem Eifer
Mit ihrem Nasenkneifer.

Karline sträubt sich wie ein Hahn
Und heult in wildem Grimme:
„Uff Ihre Stiebel kommt's nich an,
Doch heut' uff jede Stimme!
Ob dreckig oder uffgewischt -
Det schadet heute alles nischt!
Ick geh — mach'n Sie die Betten! -
Das Vaterland zu retten!"

Da zog sie triumphierend los
Nach diesem stolzen Worte.
Die Gnädige, mit ihrem Bos,
Stand an der Wohnungspforte;
Dann schrieb sie ihr ins Dienstbuch 'rein:
„Die Karoline Hoppelbein
War treu und brav und häuslich,
Nur an dem Wahltag - scheußlich!"
       m. br

 

 

A u s d e m R e i c h s t a g. In: Lachen links: das republikanische Witzblatt — 1.1924, Seite: 336

Wie wir hören, hat die Deutschvölkische Freiheitspartei außer einer neuen Juden-Ordnung auch folgenden Gesetzentwurf dem Reichstage vorgelegt:

§ 1. Die rote Farbe wird für immer abgeschafft.
  
§ 2. Auch aus dem Regenbogen ist das Rot zu beseitigen.
     [...]

§ 7. Den Damen ist das Tragen roter Kleider, Tücher, Schals und Schuhe verboten; soweit es noch nicht geschehen
ist, ist auch die Schamröte abzulegen.

§ 8. Dem Abend- und dem Morgenrot ist das Erscheinen streng untersagt; alle lyrischen Gedichte und Romane sind danach zu ändern,z. B.:

Lenore fuhr zur Frühstückszeit,
Empor aus wilden Träumen.

§ 9. Die R o t - u n d e n heißen jetzt Hitlerburgen.

                  R. Isus.

 

 

Hein Gas. In: Hamburgischer Correspondent, 30. September 1925

Die Mutter fuhr ums Morgenrot
Zu spät aus ihren Träumen -
Die Kinder würden Frühstücksbrot
Und Schulbeginn versäumen,
Wenn sie dem Küchenherd nun noch
Umständlich müßt entfachen.
Sie aber sagt: "Auf Gas ich koch!"
Ja, wer das tut, kann lachen.

lenore_hein_gas_1925

 

 

La Croix, 20 septembre 1925

Louis Dreyfus (Œuvre) déplore [?] désolation des obsèques nationales de Viviani et l'oubli qui efface déjà le nom du parleur :
Nous étions à ses obsèques civiles une centaine, venus de Paris, dont pas mal d'officiels, en service commandé. Les morts vont vite, surtout en politique; cependant, nombreux sont ceux que son cœur généreux avait conseillés, sauvés, et qui auraient dû être là.

 

 

Fünf Minuten vor dreiviertel 21  In: Berliner Volkszeitung, 11. Juli 1926

Alte Zifferblätter. aber neue Stundenbezeichnung

Vom 15. Mai 1927 an heißt 1 Uhr mittags, 13, und 12 Uhr nachts heißt 24, wenigstens im K u r s b u c h und auf den ausgehängten E i s e n b a h n f a h r p l ä n e n. Die Gespenster spuken dann nachts um 24, die ja, wie man aus Bürgers
„L e o n o r e" weiß, nur um Mitternacht satteln. Bürgers Leonore darf dann nicht mehr seufzen: „Ach, wolltest hundert Meilen noch — Mich heut' ins Braubett tragen? — Und horch! es brummt die Glocke noch, — Die elf schon angeschlagen."
Nein! Lenore muß seufzen: " 's hat d r e i u n d z w a n z i g grad geschlagen!" — Das heißt, das s a g t sie so! In Wahrheit wird's mit dem Schlag der Turmuhren beim alten bleiben. Die Uhren sollen nicht geändert werden, verspricht die Eisenbahn. —
„W i e  s p ä t?" fragst du. — „F ü n f  M i n u t e n vor dreiviertel 21", wird die Antwort lauten, aber die Taschenuhr zeigt
dabei auf 8 Uhr 40. Man muß das im Kopf umrechnen. Das geht wie geschmiert. Ich will gleich die P a t e n t l ö s u n g verraten: man muß bei allen Zahlen über 12, also von 1 Uhr mittags ab bis Mitternacht, einfach 12 subtrahieren. Subtrahiere, Mensch! heißt: M e n s c h, z i e h ab!"

 

 

Salzburger. Von Hans. In: Die Bühne, Heft 94, 1926 S. 8

In einem Coupe lag ein dicker Schieber und schnarchte; da der Schaffner aber die Station Frankenmarkt ausrief, fuhr jener, Leonoren gleich, empor aus schweren Träumen; er hatte Franken und Mark gehört und fragte rollenden Auges : „Sind wir schon in Paris ?" Ich forderte ihn auf, sich „Jedermann“ anzusehen, wo worin gezeigt wird, wie schwer den reichen Leuten das Sterben fällt.
 

 

La Croix, 8 juin 1926

Memento-Revue
Aux Etudes (1) du 5 juin, nous trouvons la véridique et belle histoire de l'apostolat du P. Volpette chez les mineurs de Saint-Eti
enne. Les morts vont vite et celui-ci, après trente ans de travail au pays noir, a succombé en 1923.

 

 

Le Petit Provençal, 23 avril 1927

Déjå !
Chez un libraire de la rive gauche, on pourrait voir, ces jours derniers, un ouvrage de feu Eugène Lintilhac, aves envoi d'auteur à Jean Richepin.
  Les morts vont vite.
             (Aux Ecoutes).

 

 

Moderne Heldenballade  In: Kladderadatsch — 81.1928, Seite: 234

— nach G. A. Bürgers „Lenore" —

(In einer Berliner Zeitung erläutert eine Baronin D. das heutige Frauenideal! „Wir träumen nicht mehr, wir genießen; unser Held ist der Sportsmann, der Rekorde bricht, selbst der Hochstapler, der sein Fach versteht, usw.")

Die Dame fuhr im Seidenkleid
Empor aus schweren Träumen:
„Braucht Harry denn so lange Zeit
Die Safes auszuräumen?
Denn so verdient er sich sein Geld,
Mein Abgott, mein moderner Held.
Wie lieb' ich seine Späße
Mit Sauerstoffgebläse.

Mein Vater ist Geheimer Rat,
Von Stande und von Namen.
Ich pfeife d'rauf, dem Mann der Tat
Gehört das Herz der Damen.
Ich diene meinem Rinaldin
Zur Liebe und als Hehlerin,
In meinen seidncn Hosen
Sucht niemand die Pretiosen." —

Da außen, horch! Geht's trapp, trapp, trapp,
Als wie von Stiefelzwecken,
Das Türschloß knackt und schnapp und schwapp,
Unmöglich sich verstecken.
Schon schreit der Schutzmann: „Hände hoch!"
Es nützte nichts, wie sie auch log.
Gewisse Ideale
Verwickeln in Skandale.

In Moabit warf sie sich noch
Dem Staatsanwalt zu Füßen:
„Mein Harry wartet. Laßt mich doch
Nicht gar zu lange büßen." —
„Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht,
Der Schwerverbrecher wartet nicht,
Er hat Sie gar nicht nötig,
Im Zuchthaus lebt man ledig!" stoffel.

 

 

Gabriels Traum in der Aschermittwochnacht in Kladderadatsch — 81.1928

Gabriels Traum in der Aschermittwochnacht

(Ganz frei nach Bürger)

D' Annunzio träumt' in Morpheus' Macht
Von seinem Ruhm, dem frühern.
Da schlug es dröhnend Mitternacht,
Und draußen scholl ein Wiehern.
Dort stand ein Pferd, so schwarz wie Ruß —
Huhu, das war kein Pegasus!
Das sprach in Menschentönen:
„Steig' auf, Freund der Kamönen!"

Hupp, saß er auch im Sattel schon.
Und sausend ward geritten,
Hui, Berg und Tal vorüberflohn,
Ein Landhaus lag inmitten.
„Kennst du Haus-Thode noch. Gesell?
Die Toten, ach vergißt man schnell.
Graut Gabrieln vorm Thode?" —
„Das ist bei mir nicht Mode." —

„Bereue! Jede Schuld sich rächt",
Das Roß schnob's aus den Nüstern,
„Wer weiß, was noch dein Schicksal brächt'?
Sieh, was dort naht im Düstern!" —
Da blickt' er auf und sah, o weh.
Die preuß'sche Garde am Gardasee
Grad' auf sich losmorschieren,
Ihn vors Gericht zu führen.

„Hinweg!", schrie er mit Stöhnen bang
Und gab dem Roß die Sporen,
Der Rapp' stieg hoch, er rannt' und sprang,
Der Wind strich um die Ohren,
Und hurre, hurre, Rappaport,
Ging's fort und immer weiter fort.
Bis grau ein Meer sich dehnte
Und laut die Brandung dröhnte.

„Hier, wo der Schaum die Felsen netzt
Der östlichen Riviera,
Hast du zum Krieg dein Volk gehetzt
In der Verräter Ära!"
Und wieder ging's zurück gen Nord,
Da sah man von dem Völkermord
Viel tausend Schädel grinsen
Aus des Isonzo Binsen.

„Schau' hier dein Werk!", der Rappe grollt,
„Die du hinaus betrogen,
Hier kamen sie, wie du's gewollt,
Zum Kampfe hergezogen.
Doch gab's nicht Sieg, nur Herzeleid,
Denn zum Empfang stand ich bereit,
Traf jeden mit der Hippe
Und schlug ihn zum Gerippe."

„Hoho, so bist du's selbst, Freund Hein?
Vor dir ich nicht erblasse.
Die Dichterfreihcit, sie ist mein.
Auf steig' ich zum Parnasse." —
Da warf der Gaul ihn jählings ab:
„So fahr zur Hölle denn hinab!"
Es sprach der ewige Richter:
„Zum Teufel solch' ein Dichter!" ....
Bumm, schlägt es Eins vom Dome.
Verschwunden die Phantome.
                         reino.
 

 

Hühnerauge in Nebelspalter 54 (1928)

lenore_huehnerauge_nebelspalter_1928

 

 

Alte Zitate in neuer Fassung von Fritz Kantor in Die Muskete 9. Februar 1928

Sie nähte an ihrer Schürze Saum,
wohl unter schattigen Bäumen.
Da sagte ich: "Du endest kaum!
Wie lange willst du säumen?"
 

 

Communisme intégral

C'est la vie... In : L'Écho de Paris, 12 mars 1928

communismus_1928
      

 

 

 

     Erläuterung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und Maxe fuhr ums Morgenrot. In: Gegen den Strom, Breslau 7, Dezember 1929

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     größeres Bild

 

 

 

 

 

 

Umsteigen ins Dritte Reich von Hans Seiffert. In: Jugend: Münchner illustrierte
Wochenschrift für Kunst und Leben, Seite 712  35.1930


Herr Mahraun fuhr ums Morgenrot
empor aus düstern Träumen.
Das Staatsparteikind ist nun tot.
Ich darf nicht länger säumen.

Ich Hab aufs falsche Pferd gesetzt,
das Linksgalopp gelaufen.
Doch Gott war stets und ist auch jetzt
nur mit dem stärksten Haufen.

Drum will ich sehn, daß ich den Zug
nach rechts jetzt noch erwische.
Will's Gott, komm ich noch früh genug
zum Hitler-Gabentische.

Vielleicht verzeiht der Adolf mir,
daß ich mal links gesündigt.
Hier stehe ich. Gott helfe mir.
Ich habe prompt gekündigt.
 

 

Leonorens Bräutigam in Zürcher Illustrierte, Band 6 (1930)

Was war Leonorens Bräutigam?
- Ein Schneider.
Denn sie fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
"Bist untreu, Wilhelm, oder tot?
Wie lange willst du säumen?"

 

 

Stresemann in Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 51.1930

"Ja, ja, die Toten reiten schnell, meine Herren!
Sehen Sie Stresemann an, kaum gelebt, war er schon gestorben!"

 

 

Lenore von Lene Voigt. In: Säk’sche Balladen Band 1 ca. 1930

Lenore sauste ausn Bätt
Un fuhr in ihre Laatschen,
Denn's schiener, als wenn eener tät
Vorm Hause unten graatschen.

        der vollständige Text

 

 

Leonore, Parodie auf die Ballade von Gottfried August Bürger von Thesi Christiansen. In: Des Sängers Fluch u.a. Parodien in ehrbaren plattdeutschen Riemels [...] Hamburg, Hans Köhler, o.J. [ca. 1932]. 

Lenore sprüng mit een Gejuch,
de Klock wär halbig söben,
mit beide Beenen ut de Puch,
wo is mien Willi bleben? - -
He hett doch gistern tel'foniert,
he keum Klock fief hier anmaschiert,
nu hett he nich mal schreben?!
Denn Post hev ick nich kreegen.

    der vollständige Text

 

 

les morts vont vite au Maroc (Die Todten reiten schnell) in Journale de Roanne, 31 janvier 1932 (RETRONEWS der BnF)

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            Erläuterung

 

 

Journal amusant, 10 mai 1932

On affirme gratuitement que les morts vont vite. Regardez-les passer, remorqués par des haridelles faméliques, tristes, qui font du 4 kilomètres à l'heure, en forçant l'allure.
          A. MARTEL

 

 

Feuchter Ritt in Kladderadatsch — 90.1937
  [...]
trotz Atemnot und Gliederzwicken
erklimmt er des erbosten Biestes Rücken
und reitet so mit Zittern und mit Zogen
recht als Triton durch Wellengischt und Wogen,
er reitet hurre-hurre, hopp-hopp-hopp,
dahin im grausig spritzenden Galopp,
bis ein Kollege Knights, der Krebse kochte,
das Ungetier mit sicherm Schuß durchlochte.
Der Stör ging unter, wie sich das gehört.
Herr Knight hingegen ist seitdem verstört.

 

 

paradis soviétique in L'Express de Mulhouse, 16 août 1937

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                  Erläuterung

 

 

La Vague, 2 mai 1937

Naegelen à la rescousse...
Ce n'est pas cet homme-là qui a écrit les « Supplicitiés » ?
Ou alors, les morts vont vite.
Leur souvenir tout au moins.

 

 

L'Indépendant du Berry, 13 février 1937

D'une semaine...à l'autre
IL Y a eu trois ans samedi dernier, vingt-deux Français furent fusillés place de la Concorde à Paris, pour avoir crié : « A bas les voleurs ! »
Les morts vont vite.

 

 

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Gringoire, 7 mars 1940 (RETRONEWS der BnF)

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                  Erläuterung

 

 

La France nouvelle, 1 septembre 1944

Sans blague ?
Le « Circulo de Armas » a aussi fêté la libération de Paris.
  Parmi les invités. L'Ambassadeur de Franco. Franco, vous savez, qui naguère affichait sa conviction que l'Axe gagnerait la guerre ; Franco qui.-..
  Mais vous savez tout cela aussi bien que nous.
  Les morts vont vite...

 

 

Lenore hat es satt von Winfried Freund. In: Rübbelken, Nörgeleien eine westfälischen Querulanten. 1985 S.55

Lenore fuhr nach Liebe toll
Empor aus schwülen Träumen.
»Bist untreu Wilhelm? Oder voll?
Tust deine Pflicht versäumen.«
Er war mit seinem Säufertrupp
Gezogen in den Kegelclub
Und hat nicht ferngesprochen,
Wann er käm' heimgekrochen.

        der vollständige Text

 

 


Leonore von Peter Fuchs. Peter Fuchs ist ein sonderbarer, zumindest atypischer Berlin-Kreuzberger Rentner,der dort häufig im Café Logo sitzt, in Rekordzeit ein Kreuzworträtsel löst und ein Gedicht schreibt.

Gekürzte Ballade von
Gottfried August Bürger
(1747-1794)

Wilhelm hat gewaltig einen in der Schüssel
und verschusselt seinen Wohnungsschlüssel

"Holla, holla! Tu auf, mein Kind!
Schläfst, Liebchen, oder wachst Du?
Wie bist noch gegen mich gesinnt?
Und weinest oder lachst du?"

"Ach, Wilhelm, Du? … So spät bei Nacht? …
Geweinet hab und gewacht;
Ach, großes Leid erlitten!
Wo kommst du hergeritten?"-

Für diese Nacht bucht Wilhelm schnell
ein Einzelzimmer im Hotel.
 

    "les morts vont vite" - die Todten reiten schnell

Sucht man im digitalen Zeitschriftenportal RETRONEWS der BnF nach der Redewendung “les morts vont vite”, findet man mehr als 4 500 Belegstellen, als Überschrift oder im Text; manchmal wird der Bezug zur Ballade direkt erwähnt. Es gibt zwar die Lenore-Übersetzungen (einige sind allerdings freie Bearbeitung) von S. AD. de la Madelaine (1811), Pauline de Brade (1814), Ferdinand Flocon (1827), Gerard de Nerval (1830), Paul Lehr (1834), M. E. de Labédollierre (1841), der Brüder Cogniard (1843), Eugène Cassin (1846), F. Bonnet (1846), Gerard de Nerval (1848), Alphonse Darnault (1849) und Edouard Pesch (1891). Trotzdem überrascht die große Zahl an Fundstellen, wobei vorerst offen bleibt, ob damit wirklich immer der Bezug zu Bürgers Werk besteht.

   G. A. Sala, dem wir die Holzschnitte zu Albert Smith's Lenore-Übersetzung von 1848 (A Bowl of Punch) verdanken, hält das 1880 in The Illustrated London News für unwahrscheinlich und meint, dass die Redewendung "was possibly popular in France long before Bürger's ghastly ballad was written".
 

  Das Grand dictionnaire universel du XIXe siècle : français, historique, géographique, mythologique, bibliographique.... T. 11 MEMO-O / par M. Pierre Larousse von 1874 führt dazu aus: [p.590] - ”Allus. littér. Les morts vont vite .Mots saisissants et tristement signiticatifs qui reviennent souvent sur les lévres du funébre amant de Lénore, dans la ballade de ce nom. Ces mots s'emploient souvent pour caractériser les ravages que la mort semble parfois se plaire á exercer soup sur coup dans les rangs des hommes distingués, dans quelque ordre d'idée que ce soit.”
   (Automatisch übersetzt: Auffällige und traurig bedeutungsvolle Worte, die in der Ballade dieses Namens oft auf den Lippen
   von Lenores Bestattungsliebhaber erscheinen. Diese Worte werden oft verwendet, um das Chaos zu charakterisieren, dass
   der Tod manchmal Freude daran zu haben scheint, nacheinander in den Reihen angesehener Männer zu üben, in welcher
   Weise auch immer.)

Der Excelsior 2 juin 1911 erklärt das Phämomen so : “Gottfried August Bürger était un admirable poète allemand, contemporain de Gœthe, dont la gloire éclipsa la sienne. C'est à lui que nous devons l'expression : »Les morts vont vite. » Bürger est, en effet, l'auteur d'un poème, Lenore, où une jeune se lamente de ne pas retrouver son fiancé parmi ceux qui reviennent de la guerre et qui, endormie, s'entend appeler par le mort pour fuir avec lui « plus vite que les étoiles », dans la nuit. Une strophe se termine par ce vers :
   Wir und die Todten reiten schnell.
   Nous et les morts chevauchons vite.
L'usage populaire a déformé un peu le sens. On a dit : « Les morts vont vite ! »”

L'Homme libre 2 juillet 1936 führt in einem Beitrag mit dem Titel Les morts vont lentement aus :”La fameuse ballade de Léonore, de Burger, que répète toute l'Allemagne, et dont les Français, qui ont le goût des maximes, ont extrait une phrase, une seule : les morts vont vite, constitue un affreux mensonge, une sorte de dépêche d'Ems littéraire.
  Les morts ne vont pas vite du tout. Ils vont à pas menus, surtout quand ils cheminent entre deux assemblées parlamentaires.”
 

 

 

 

Begriffe und weiterführende Literatur zum Thema

Hier sollen in aller Kürze einige Begriffe erläutert und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben werden. Zuerst ein Blick in Lexika, die Bürgers Zeit nahe sind.

 „Die Parodie, (a.d. Griech.) ein Gedicht; im weiten Sinne, überhaupt ein Werk des Geschmacks, das man nach einem andern bekannten Gedicht oder ähnlichen Werke macht, welches letztere man durch zweckmäßige Veränderungen auf einen andern Gegenstand anwendet, oder gleichsam in einen andern Ton setzt.“

 „Travestie nennt man eine Art des scherzhaften Gedichts, welcher immer ein ernstes Gedicht zum Grunde liegt, dessen Hauptgedanken, Schilderungen und Charaktere in der Travestie auf lächerliche Weise umgestaltet werden. Sie gelingt am besten, wenn in der ihr zum Grunde liegenden Dichtung viel Pomphaftes und falsches Pathos enthalten sind. Unter den neuern deutschen Travestien von größerem Umfange ist immer noch die travestierte „Aeneis“ von Blumauer die bemerkenswertheste.“ 

Farce (fr., spr. Fars), 1) von gehacktem Fleische mit Eiern, Semmel, Gewürz etc. bereitete Speisen, def. wenn solche in Geflügel, in Fischen, in einem Krautkopf etc. als Gefülltes benutzt od. mit Blätterteig umzogen werden; 2) (sth.), bei den Franzosen u. Italienern kleine dramatische Zwischenspiele (Intermezzi od. Interludien), welche sich auf dem Gebiete der niederen Komik bewegen. Der Name rührt sehr wahrscheinlich von Farce 1) her, indem die F. dazu dient, eine Pause in der Hauptvorstellung auszufüllen, u. mit pikanten Anspielungen u. Localwitzen gewürzt zu sein pflegt.”

Aktuelle und nachvollziehbare Definitionen in neuerer Zeit werden von Wünsch gegeben.

“Eine Parodie ist ein Text, der einen anderen Text dergestellt verzerrend imitiert, daß eine gegen diese Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht.”
 Neben der Parodie gibt es verwandte Phänomene, die sich allerdings mit dem Begriff der Parodie auch überschneiden können.

“Eine Satire ist ein Text, der mit den Mitteln einer oft recht ausgeprägt aggresiven Komik Mißstände jeglicher Art aufdeckt und verspottet. Im wesentlichen handelt es sich demnach um eine Verbindung von Komik und Kritik, wobei die Komisierung des Gegners, ähnlich wie in der Parodie, als Waffe und Wirkungsmittel im Dienste der kritischen Intention eingesetzt wird. Komik und Kritik sind also nicht unabhängig voneinander, sondern die Komik richtet sich gegen den kritisierten Gegenstand mit dem Ziel, ihn zu verspotten und der Lächerlichkeit preiszugebenm um ihn (sozial) zu vernichten oder zu tadeln.”

“Der Terminus ´Kontrafaktur´bezeichnet in Literatur- und Musikwissenschaft Gedichte oder Lieder, die die metrisch-strophische Struktur (Metrum, Vers- und Strophenbau) einer Vorlage übernehmen, aber deren Inhalt (Text) mehr oder weniger tiefgreifend ändern. Es handelt sich also um eine Um- oder Neutextierung (Umdichtung) eines Gedichtes bzw. Liedes, wobei die Imitation der metrisch-strophischen Grundstruktur essentiell ist, während nicht unbedingt die exakte Strophenzahl übernommen werden muß ...”

“Eine Travestie ist ein Text, der einen anderen Text unter Beibehaltung der wesentlichen inhaltlichen Merkmale, aber durch Einkleidung in eine völlig neue, unpassende Sprachform dergestalt verzerrend imitiert, daß eine gegen die Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht. [...,] Die Travestie ist eine Unterart der Parodie ...”

“Das heroikomische Epos oder komische Heldenepos ist ein Typus der Parodie, dessen spezifisches Verfahren darin besteht, kleine und unbedeutende, triviale Ereignisse im hohen Stil des Heldenepos, wie z.B. der Ilias, darzustellen (inhaltliche Substitution bei Wahrung der hohen Stillage). Die komische Wirkung entsteht durch die Diskrepanz zwischen Aufwand und Inhalt.”

“Das Pastiche ist ein Verfahren der Stilnachbildung, das “la maniére, le style” eines Autors, einer Epoche, Schule oder Gattung mit ernsthafter (Plagiat, Stilübung u.ä.) oder parodistischer Absicht imitiert.”

“Ein Cento ist ein aus unveränderten Zitaten eines oder mehrerer Dichter zusammengesetzter Text. [...] Die komische Verzerrung entsteht beim parodistischen Cento durch die Art der Montage, die nicht im Sinne des Originals ist und mehr oder weniger starke Disharmonien erzeugt.”


Am Ende dieses Kapitels wird Literatur zum Thema zitiert, teils belletristischer, teils wissenschaftlicher Natur. Von den vielen Fachbegriffen und sehr ins Detail gehenden Diskussionen sollte man sich nicht abschrecken lassen - man kann sie bei Bedarf übergehen. Es sind aber so viele schöne Beispiele, die auch kommentiert und eingeordnet werden, in den Werken aufgeführt, dass sich die Lektüre auch für den Laien lohnt. Nur ein kleines Beispiel: was passiert, wenn die Parodie vor dem Original da ist - zumindest für die Zuschauer, die erstmals Wagners Tannhäuser sehen, vorher jedoch bereits die diesbezügliche Parodie kennengelernt hatten.
.
Conversations-Lexikon oder kurzgefasstes Handwörterbuch (1809-1811), S. 3699 (www.digitale-bibliothek.de/band131.htm)

Travestie. Bilder-Conversations-Lexikon, S. 15230 (www.digitale-bibliothek.de/band146.htm)

Pierer's Universal-Lexikon, S. 74520 (www.digitale-bibliothek.de/band115.htm)

Frank Wünsch, Die Parodie Zu Definition und Typologie Hamburg Kovac 1999

Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1909, S.92.

Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drang, Rütten & Löning Berlin 1968 Hrg. Klaus Hammer

Die respektlose Muse Literarische Parodieen aus fünf Jahrhunderten, Rütten & Loening Berlin 1968

Aloys Blumauer. gesammelte Schriften Gesammt-Ausgabe, Stuttgart 1877 S.381-383    

Odor Verweyen. Günther Witting Die Parodie in der neueren deutschen Literatur Wiss.Buchgesellschaft Darmstadt 1979     

Eduard Grisebach. Die deutsche Literatur 1770-1870 Wien Verlag von L.Rosner 1876 Kapitel “Die Parodie in Oesterreich” S.175-213