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Bürger-Rezeption Volltexte 1856-1858
bis 1789 1790-1799 1800-1806 1807-1815 1816-1821 1822-1825 1826-1828 1829-1831
1832-1836 1837-1840 1841-1845 1846-1850 1851-1855 1856-1858 1859-1861 1862-1865
1866-1868 1869-1870 1871-1880 1881-1897 1898-1915 1916-1949 ab 1950
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1856
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Zeiss, Gust. Der Hainbund. In: Lehrbuch der allgemeinen Geschichte vom Standpunkte der Kultur, Band 3
“[S. 473] Nur äußerlich, gleichsam als Verwandter, schloß sich an den Hainbund Gottfried August Bürger an. Seine Gedichte zeichnen sich durch Leichtigkeit der Darstellung, Geschmeidigkeit der Erzählung und Wohllaut der Sprache aus. Bürger wußte den echten Volkston zu treffen, und einzelne seiner Balladen, wie seine Lenore, waren rasch durch ganz Deutschland verbreitet. Viele Gedichte von Bürger zeigen aber auch, daß er seine Sinnlichkeit in der Poesie ebenso wenig zu zähmen verstand wie im Leben.“
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1856
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Vilmar, August Friedrich Christian. Geschichte der deutschen National-Literatur. Digitalisiert von Google.
“[S. 687] Zu einem alles Einzelne umfaßenden und in so fern abschließenden Urteile über ihn [Heinrich Heine] und seine schnell vorüber gegangenen Schule der Weltschmerzdichter ist jetzt
die Zeit noch nicht gekommen; aber im Ganzen wird das unerbittliche Urteil der Nachwelt kein anderes sein, als das, welches sie über Bürger gefällt hat, nur daß Heine noch einer weit stärkeren Verurteilung
unterliegen wird, als Bürger: ein vortreffliches Talent, vielleicht sogar ein schöpferisches Dichteringenium, welches sich durch Maßlosigkeit zerrüttete.”
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1856
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Cholevius, Carl Leo. Der Hainbund; das Antike und die Naturdichtung. In: Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen. Zweiter Theil.
“[S. 72] Dieselben Fehler, gegen welche die griechische Tragödie beständig streitet, stürzten Bürger immer von Neuem in Verschuldungen und Leiden, und er mußte die Schönheit seiner
Lieder und Sonette, mit denen er die Geschichte seines inneren Lebens begleitete, mit dem Herzen bezahlen. Er bestätigte den Satz, daß die Lyrik zwar nur der Klang einer Schelle ist, wenn sie nicht in dem Gemüthe
wurzelt, daß aber, wenn der Dichter nicht die Macht hat, sich über die Natur zu erheben, auch das Gemeine und Unwahre sich in das Aechte und Schöne hineindrängen wird. Dieser Gedanke liegt Schiller´s berühmter
Recension zum Grunde, die noch nicht widerlegt ist, obgleich sie allerdings eine mildere Form hätte annehmen können, ohne minder wahr zu sein. Jene Ungleichheit übertrug sich von dem poetischen Gehalte auch auf die
Darstellung, und es wechselt leider die Volkssprache, deren Bürger mächtig war wie Keiner, nicht selten mit der Pöbelsprache.
[S. 73] Solche Mordgeschichten wie Des Pfarrers Tochter zu Taubenhain sind blos geschmacklos, aber die schmuzigen Erzählungen Veit Ehrenhold und Die Königin von Golkonda, ferner die
freche Frau Schnips, gegen welche der alte naive Volksschwank von Hans Pfriem ein wahrer Juwel ist, sind ein moralischer Flecken, und ihnen gleichen Bacchus, Fortunens Pranger, Der Raub der Europa, Die Menagerie der
Götter. Dies Alles steht mit Wieland´s auflösender Ironie und Lüsternheit in Verbindung und erinnert an seine Griechischen Erzählungen. Welchen anderen Gebrauch verstand Schiller in seinen Balladen von der antiken
Sage zu machen!”
Cholevius Hainbund-Abschnitt in der ONLINE-BIBLIOTHEK
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1856
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Goethes Mutter, genannt “Frau Rath”. In: Zwölf Frauenbilder aus der Goethe-Schiller-Epoche. Digitalisiert von Google.
“[S. 54] Unzelmann war ihr theuerster Hausfreund, ihr zärtlich geliebter Pflegesohn; der wilde, unbändige, aber beinahe geniale Künstler ging von Frankfurt durch mit Schulden und
Spectakel. Da schreibt ihm Frau Rath nach Berlin:´Die Qual, die ich jetzt leide, ist unaussprechlich. [...] Aber eines weiß ich - das Otterngezücht soll aus meinem Hause verbannt sein, keine Hand will ich ihnen
zur Ermunterung oder Freude rühren, kurz allen Schabernack, den ich ihnen anthun kann, will ich mit Freuden thun, raisonniren will ich, Bürger's Frau Schnips soll ein Kind gegen mich sein, denn Luft muß ich haben,
sonst ersticke ich.´"
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1856
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Pröhle, Heinrich. Gottfried August Bürger. Sein Leben und seine Dichtungen.
"[S.15] Wenn eine Einwirkung Bürgers auf diese Romanzen außer der allgemeinen Anregung kaum stattfinden mochte, so kann man dagegen aus Schillers Recension von Bürgers Gedichten
nicht mit Unrecht herauslesen, daß Schiller, welcher noch in der Abhandlung über naive und sentimentale Dichtung es aussprach, daß der naive Dichtergeist durch die Leichtigkeit, mit der er sich äußere, und durch die
größere Annäherung an das gemeine Leben vielfache Nachahmung hervorrufe - damit zugleich Bürgers früheren Einfluß auf ihn verwarf, und wie es zu geschehen pflegt, sobald solcher Einfluß ein nachtheiliger gewesen
ist, mag dieser ihn an Bürger ganz besonders gereizt haben. Es läßt sich im Allgemeinen selbst nicht leugnen, daß ein Dichter, der die Flecken seines Lebens in seine Dichtungen übergehen läßt, besonders so lange er
noch als völlig modern erscheint, nicht allein auf den Geschmack, sondern auch auf die Sitten jugendlicher Bewunderer einzuwirken pflegt, zumal wenn dieselben noch in unfreien Verhältnissen leben, und daß daher
gegen einen solchen Dichter immer hie und da ein Stachel zurückbleiben wird, den die übertriebenste Nachsicht einer gedankenlosen Menge nicht mit hinwegnehmen kann. Um nur einige der unschuldigsten poetischen
Einwirkungen Bürgers auf Schiller anzuführen, so erinnert in Schillers ´Triumph der Liebe´ (1782) das wiederkehrende ´Selig durch die Liebe´, ja selbst flüchtig noch Einiges in dem ´Eleusischen Fest´ (1898) an die
Nachtfeier der Venus. Die Quitessenz aus Schillers Recension von Bürgers Poesien beruht auf dem berühmten Satze, daß kein noch so großes Talent dem einzelnen Kunstwerke verleihen
könne, was dem Schöpfer desselben gebreche, und daß Mängel, die aus dieser Quelle entspringen, selbst die Feile nicht wegnehmen könne: Worte, denen gegenüber es dann wunderlich zu sehen ist, wie Bürger (als gälte
es, auf der Bühne Blut wegzuwischen, das gar nicht sinnlich vorhanden ist) nur um so eifriger feilte, ohne daß sich seine neuen Lesarten allgemeinen Beifall erworben hätten. Schiller wollte, daß der Dichter seine
Individualität so viel als möglich veredle und zur reinsten, herrlichsten Menschheit hinaufläutere, damit diese Individualität es werth sei, vor Welt und Nachwelt ausgestellt zu werden. Wenn er einer so glücklichen
naiven Natur wie Göthe ihren Realismus nicht misgönnte, so konnte er gegen die Bürgersche Naivetät, welche sich selbst in´s Verderben gestürzt hatte, nur um so weniger nachsichtig sein. Als Mittel zu einer solchen
Veredlung betrachtet Schiller deutlich eine höhere sittlich-wissenschaftliche Ausbildung, durch die er selbst seine Poesie zur schönsten Reife gezeitigt hat, und es traf sich eigen, daß Bürger, dessen Natur
allerdings wohl nur die strengsten historischen Studien und planmäßiger betriebene Sprachstudien ganz angemessen gewesen wären, bis auf die Kantsche Philosophie hin ungefähr denselben Studien oblag, wie Schiller,
daß sie aber für ihn nur ein vergrabenes Pfund blieben, theils weil ihm von vorn herein auf den norddeutschen Universitäten gerade das Gegentheil jener geschlossenen und zusammengefaßten Bildung zu Theil geworden,
die Schiller sich so glücklich unter dem Drucke der Karlsschule erworben hatte, theils weil er den verlorenen sittlichen Halt jetzt nicht mehr wieder gewinnen konnte. Dabei ist es höchst bedeutsam, zu sehen, wie
Schiller ganz unsystematisch dargebotene ästhetische Abhandlungen bis in die neueste Zeit immer mehr Anerkennung fanden und die Grundlage der neueren Aesthetik geworden sind, während die Herausgabe eines
zweibändigen Lehrbuchs der Aesthetik von Bürger, welche Karl von Reinhard noch in den zwanziger Jahren besorgte, ein bloßer Act der Pietät geblieben ist."
Pröhles Bürger- Sein Leben und seine Dichtung in der ONLINE-Bibliothek.
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1856
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Presber, Hermann. Ideal und Kritik. Frankfurt a.M. Digitalisiert von Google
“[S. 161] Des Abends, wenn ihre Mutter schlief und wir noch unten allein im Zimmer waren und auf dem grünen Sopha saßen und warteten. ich auf den Kitz, sie auf den Revisor Jung,
mußte ich ihr oft vorlesen, und da war es denn Bürger, den sie über Alles liebte. ´Das hohe Lied von der Einzigen´, das der große Dichter ´in Geist und Herzen empfangen am Tage der Vermählung mit seiner Molly´,
bewegte sie heftig, aber unvergeßlich bleibt mir der Eindruck, den die mit vollster, bewältigender Gluth der Leidenschaft geschriebene Elegie ´Als Molly sich losreißen wollte´ auf sie machte.
Wie genau kannte sie die Verse: Denn wie soll, wie kann ich's zähmen, Dieses hochempörte Herz?
Wie den letzten Trost ihm nehmen, Auszuschreien seinen Schmerz? [...] “
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1856
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Cigaren und Tabak, Wein und Weiber, wie sie sind. Von einem modernen Epikuräer. Nach dem Englischen. Stuttgart
“[S. 64] Hören wir, wie der fidele Mönch singt: Mihi est propositum In taberna mori, [...] [S. 66] Der treffliche Bürger hat dieses wahrhaft klassische
Product, das schon so viele Generationen von Musensöhnen ergötzt hat, und, so lange der Wein in Ehren gehalten wird, nie aufhören wird, immer neu wieder zu ergötzen, in deutscher Sprache nachgebildet, wie folgt:
Ich will einst, bei Ja und Nein, Vor dem Zapfen sterben; [...] “
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1856
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Schmidt-Weißenfels, Eduard. Gérard de Nerval. In: Frankreichs moderne Literatur seit der Restauration. Erster Band. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 54] So ging es auch Gérard de Nerval, der die Theilnahme der Deutschen noch besonders verdient, weil er sich um Ausbreitung und Anerkennung der deutschen Literatur in
Frankreich manche Verdienste erworben hat. Er war noch sehr jung, als er schon eine Uebersetzung von Goethe's ´Faust´ herausgab und später (1830) eine Anthologie unter dem Titel ´Choix de ballades et de poésies de
Goethe, Schiller, Bürger, Klopstock, Schubart, Körner, Uhland´ folgen ließ. Im Jahre 1835 erschien eine Bearbeitung von Bürgers ´Lenore´ und 1839 schrieb er im Verein mit Alexander Dumas das Drama ´Léo Burckhardt´
mit einer vorangesetzten Sammlung von Memoiren der geheimen Gesellschaften in Deutschland.“
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1856
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Anonym. Culturskizzen aus Liv-, Esth- und Kurland. In: Das Ausland. Stuttgart und Augsburg. Digitalisiert von Google
“[S 142] Auf ein anderes Mittel zur Civilisirung und Germanisirung der Esthen sind in der neuesten Zeit einige Gelehrte verfallen. Sie haben nämlich deutsche Erzählungen und Gedichte
ins Esthnische übersetzt. Vor mir liegt eine esthnische Übersetzung von Bürgers Lenore (Tartus trükkifud sel aastal-Dorpat, gedruckt in diesem Jahr [1851]), verfaßt von einem gelehrten germanisirten Esthen, dem Dr.
Kreuzwald in Werro.“
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1856
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Rochholz, Ernst Ludwig. Irrlicht am Lorenzobad bei Erlinsbach. In: Schweizersagen aus dem Aargau. Zweiter Band. Aarau. Digitalisiert von Google
“[S. 84] Denselben Ruf legt man im Aargau dem Schrei der Buchfinken unter (Aarg. Kind. Spr. No. 151: Redende Thiere), und es läßt sich in diesem Namen mindestens die Wurzel sé, pecus
und pecunia gewahren, also wiederum eine der vorausbemerkten landwirthschaftlichen Beziehung ähnliche. Damit stimmt nun aber sehr genau die persönliche Ausstattung zusammen, die man ihrer Erscheinung und Figur
giebt. Man vergleicht ihr Auge und ihren Kopf einem feurigen Viertel (Kornscheffel, vgl. Schatzgräber im Adlisberg No. 307) und der Fensterscheibe einer bei Nacht erleuchteten Kirche, einem glühenden Backofen, oder
einem feurigen Korbe (wobei man immer einen Kartoffelkorb vorauszusetzen hat, wie beim Backofen immer das Brod) vgl. Küenlin, Schweiz. Bl. 1833, 107. Nur Mißverstand könnte hinter diesen bildlichen Ausdrücken
bäurische Plumpheit wittern wollen; es hellt sich vielmehr damit erst die Phrase einer Romanze von G. A. Bürger auf, welche gleichfalls dem Volksmund entnommen besagt:
Ein schwarzer Hund geht in dem Schloß Mit Feueraugen tellersgroß. “
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1856
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Kossak, Erich. Die Stillvergnügten. In: Historietten. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 102] Das Verhältniß zwischen erster und zweiter Violine hat sich zwanglos aus den Umständen selber ergeben. Die beiden Violinisten achten und lieben sich, noch ehe sie einander
kennen gelernt. In der zweiten Nacht mischt sich plötzlich ein dumpfer Laut in ihren Wetteifer; er klingt nicht wie ´Unkenruf an Teichen´, aber wie eine Bratsche, die vom Boden zwischen alten Hüten, zerbrochenen
Guckkästen und ausgedientem Kinderspielzeug hervorgeholt, abgestäubt und frischbezogen worden ist. “
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1856
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Anzeige. In: Wie Heinrich von Eichenfels zur Erkenntnis Gottes kam. von Christoph Schmid. Ney-York. Digitalisiert von Google
“Wilhelm Radde. No. 300 Broadway, New-York, hat vorräthig und mehrenteils in Verlag: Hürte, Norb. Volksbücher.
- Leonore. Eine Geschichte aus dem siebenjährigen Kriege. 12 Cts. - Des Pfarrers Tochter von Taubenheim, wie sie verführt wurde und elendiglich umkam. 12 Cts. “
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1856
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Bopp. Skizzen aus der Mappe. In: Der Gerichtssaal. Erlangen. Digitalisiert von Google
“[S. 151] Mit seiner Familie hungernd, war der erste Osterfeiertag herangekommen, aber kein Freund, der den Tisch auch nur mit einer Schüssel Kartoffeln versorgt hätte. Er hatte
Thränen, um sein ´letztes Stück Brod´ damit befeuchten zu können, wenn er nur, noch weniger glücklich wie ´Frau Magdalis,´ dafür noch ein Stückchen Brod gehabt hätte. Beneidenswerther Nachbar, in dessen Keller ein
kleiner Berg solcher unentbehrlichen Frucht sich erhob, der durch die Lücke sichtbar ward. Welche Versuchung! “
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1856
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Nölting, Theodor. Ueber den Gebrauch der Deutschen Anredefürwörter in der Poesie. In: Deutscher Sprachwart. 22. Dezember. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 120] Einen auffallenden Uebergang vom Du ins Ihr und umgekehrt bietet uns Bürgers Ballade: Der Kaiser und der Abt. Hier redet der Kaiser den Abt zuerst Du an (´Knecht Gottes, wie geht's dir?´), geht dann sogleich ins Ihr über (´Doch deucht mir daneben, euch plage viel Weile´), bis er bei der Mittheilung seiner dritten Frage zum Du zurückkehrt. (´Zum dritten noch sollst du, o Preis der Prälaten, Aufs Härchen mir meine Gedanken errathen´). Bei der feierlichen Audienz beginnt er wieder mit Ihr (´Nun sagt mir, Herr Abt´), fährt aber mit Du fort (´Nun aber sollst du
mir berechnen und sagen´), springt daraus zum Ihr zurück (´Ha, lachte der Kaiser, vortrefflicher Haber, Ihr füttert die Pferde mit Wenn und mit Aber'), um endlich noch einmal zum Du überzugehen (´Nun aber zum Dritten, nun nimm dich zusammen´), bei welcher Anrede er denn auch bis zum Ende bleibt. Wenn man davon ausgeht, daß Ihr an den Abt die regelmäßige Anrede, auch von Seiten des Kaisers sein sollte, so erklärt sich das zweimal gebrauchte Du bei der ersten Begegnung aus der Verbindung mit den vom Kaiser gewählten höhnischen Titeln: Knecht Gottes, und: Preis der Prälaten; der Wechsel bei der Audienz dagegen, bevor der bisher für den Abt gehaltene Hans Bendix in seiner wahren Person auftritt, erscheint gänzlich unmotiviert: aber wahrscheinlich lag es in der Absicht des Dichters, seinen ´kurrigen´ Kaiser dadurch noch mehr zu charakterisieren, daß er ihn den armen Abt ganz ohne Grund bald durch das ehrende Ihr heben, bald durch das geringschätzende Du herabdrücken läßt. — In andern Balladen Bürgers erklärt sich ein ungewöhnliches Du aus der Situation; wie z. B. das Du, womit in ´Lenardo und Blandine´ der Prinz von Hispanien den König von Burgund anredet, und dessen Erwiederung durch Du bei jenem die eifersüchtige Wuth, bei diesem den Zorn, den die Beleidigung seiner Tochter in ihm erregen mußte, mit bezeichnen hilft. Passend ist auch in der ganz lyrisch gehaltenen Ballade: ´Der Bruder Graurock und die Pilgerin´ der Uebergang vom Ihr zum Du in der Anrede des jungen Mädchens an den theilnehmenden Mönch. In dem ´wilden Jäger´ schickt sich das Du, welches der Wild- und Rheingraf auch den beiden ihn begleitenden fremden Rittern giebt, trefflich zu seinem herrischen und hochfahrenden Wesen, und eben so passend klingt in dem Munde des frommen Klausners, der ´Gottes Freistatt´ zu schützen hat, das Du dem Grafen gegenüber, dem kein andrer das ehrende Ihr versagt. “
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1856
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Rank, Josef. Sein Ideal. Zwickau. Digitalisiert von Google
“[S. 53] Als man aber endlich in die Johannisgasse einbog und nach und nach dem Hause seiner eigenen Geliebten immer näher rückte, da wurde ihm doch seltsam zu Muthe. Thatsächlich starr
wurde er aber, als man vor jenem Hause plötzlich schwenkte, in zwei Linien aufmarschirte und mit dem Gesichte gegen das Haus hin Front machte.
Nun eine Weile athemloses düsteres Schweigen; dann leiser dumpfer Gesang: Durch Nacht und Dunkel komm´ ich her,
Zur Stunde der Gespenster, Es flimmert längst kein Lämpchen mehr Durch stiller Hütten Fenster;
Schon lange ruhen süß und fest, Was Lieb´ und Sehnsucht ruhen läßt...
Pause; Schweigen; jeder der Kameraden zieht Stahl und Stein heraus - Alle schlagen auf einmal Feuer; - dann wieder Pause; wieder Gesang: Wär ich doch so hold wie jener
Freund der Liebeskönigin; Oder nur ein wenig schöner Als ich Armer jetzo bin!
Denn von einem holden Knaben Fühltest Du vielleicht den Schmerz,
Und verschmähtest nicht die Gaben, Die ich biete: Hand und Herz! Abermals Stille; dann legt Jeder ein Stückchen Schwamm auf den
Feuerstein - Feuer! - und während der glimmende Schwamm huldigend gegen das Haus gehalten wird, fährt der Gesang fort: Dienen kann Dir Niemand treuer
Als Dein frommer Agathon: Diese huldigende Feier
Sagt die Hälfte nicht davon! “
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1856
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Sir Alison, Archibald. History of Europe Chap. XXVIII. In: History of Europe. Vol. V. Edinburgh and London MDCCCLVI. Digitalisiert von Google
“[S. 124] Burger is a poet of a different class, but also of very high merit. It is from his ballads that the other nations of Europe for long took their idea of German literature;
Leonora, or Death and the White Horse, and the Cruel Huntsman, rendered into the languages of the adjoining states, into English by the kindred genius of Sir Walter Scott, spread a universal charm, and awakened a
high admiration, but gave in many respects a mistaken opinion of German literature. He first opened to the general mind the idea of the magic of feudal imagery, and of that blending of imagination with the events of
the dark ages which has formed so interesting a field of subsequent fiction. His ideas are bold, his fancy vivid, his conceptions often terrific, his language heart-stirring; and none ever understood better the art,
so important in romance as well as the drama, of keeping expectation awake, and the mind of the reader or spectator in anxious suspense down to the very close of the piece. Persons unacquainted with the German
language, and taking their ideas of its literature from his ballads, supposed at the time, and may still suppose, that that is the universal character of a literature which, the better informed know, embraces all
subjects, unfolds all ideas, and is fitted to captivate all understandings.“
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1856
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Burow, Julie. Erinnerungen einer Großmutter. Erster Band. Prag & Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 44] Gewiß ich las so manches, was ich zur Zeit nicht ganz verstand. Ich las z. B. den Faust mit einer Entzückung, die mir heute nur noch der Gesang der himmlischen Heerschaaren
einflößen könnte, wenn ich ihn wirklich zu hören gewürdigt würde. - Wer aber sagt mir, daß ich in diesem Augenblicke jene Dichtung ganz verstehe? Es ist mit den Gedanken, die uns große Geister in ihren Schriften
übergeben, wie mit der Erkenntniß Gottes - jeder von uns begreift nur den Gott, dem er gleicht, und jeder von uns liest aus den Schriften der erhabensten Menschen doch nur die Gedanken heraus, die er selbst zu
fassen fähig ist. Geschadet hat mir die unverstandene Lektüre sicherlich nicht. Viele Gedanken der großen Dichter blieben wie ungewechselte Goldstücke in dem Schrein meines Gedächtnisses liegen, bis
Zeit, Erfahrung und fortschreitende Bildung mich sie verstehen und nützen lehrten. - In Laggarben las ich auch zum erstenmal des Pfarrers Tochter von Taubenhain. - Wenn ich auch nicht genau verstand, in welcher
Weise der garstige Junker sich gegen jenes Dirnchen versündigte, wenn ich eben sowenig Faust's Unrecht gegen Gretchen ganz begriff, so sagte mir mein Mädchenherz doch, daß beide Männer das Heiligste, was es auf
Erden gibt, die Liebe jener beiden weiblichen Seelen, mißbraucht hatten, und ein tiefes, unsägliches Mitleid mit Gretchen und Röschen breitete seine Schwanenflügel in mir aus.“
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1856
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Bechstein, Ludwig. Rückkehr. In: Die Geheimnisse eines Wundermannes. Erster Theil. Leipzig und Pesth. Digitalisiert von Google
“[S. 65] Der alte Leonhard war herbeigekommen, die jüngeren Kinder umringten den heimgekehrten ältesten Bruder, der so stattlich unter ihnen stand, und jedes einzelne freundlichst
begrüßte; es gab noch manchen guten Rest der heutigen Gasterei an Essen und Trinken dem Wiedergekehrten anzubieten, und in Ruhe genießend, sollte Gottfried nun erzählen. Zunächst empfing er zärtliche Vorwürfe, daß
er gar niemals etwas von sich habe hören lassen, und nie nach Hause geschrieben habe. ´Er hatte nicht geschrieben, ob er gesund geblieben!´ rezitirte Gottfried spöttelnd aus Bürgers Lenore, indem er
hinzufügte. ´Hat sich was zu schreiben, dazu hat ein Soldat gerade Zeit´ - und nach dem dargebotenen Glase Wein langte, das er auf einen Zug leerte, und dann fragte: ´Ist der Herr Pathe zu sprechen?´ “
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1856
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E. K. Rez. W. H. Riehl - Hausmusik. In: Niederrheinische Musik-Zeitung 8. März Köln. Digitalisiert von Google
“[S. 78] Am sangbarsten ist wohl die zweite Abtheilung: ´Aus der classischen Zeit´ [...] missrathen, weil in sich unmusicalisch, ´Der Bauer´ von Bürger. “
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1856
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Anzeige. In: A Key to Arithmetic for Schools. Cambridge. Digitalisiert von Google
“Cambridge, February 1856 MACMILLAN & CO.'S PUBLICATIONS. [p.2] BROMEHEAD. - Leonore. A Ballad by G. A. BÜRGER, Translated from the German by W. CRAWFORD BROMEHEAD, M. A. late
Scholar of Trinity College, Cambridge. Crown 8vo. sewed, 6d. “
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1856
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Marggraff, Hermann. Deutsche Literatur, Wissenschaft und Kunst im Auslande. In: Die Gegenwart, Zwölfter Band. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 233] Die Franzosen haben uns überhaupt gern auf dem rein phantastischen, gespenstischen Gebiete, weil dies für sie ein ganz neues Land war, das ihnen erst durch die Deutschen
erschlossen wurde. Daher ist auch der ´Freischütz´ (´Robin des bois´) eine in Frankreich beliebte, mehrfach bearbeitete Oper, die sich von Zeit zu Zeit immer wieder auf den pariser Theatern sehen lassen darf; daher
ist auch Bürger's ´Lenore´ ein in Frankreich populäres Thema, und Alexandre Dumas erzählt in seinen ´Memoiren´, daß eine mündliche Übersetzung, welche ihm ein gründlicher Kenner des Deutschen von dieser Ballade
mittheilte, ihm zuerst die Geheimnisse der Poesie erschlossen, und ihm Anlaß zu eigenen Versuchen wie zur Erlernung der deutschen Sprache geworden sei.
[S. 234] Indeß hat der Franzose von Natur einen großen
Respect vor allem, was eine bedeutende Wirkung macht oder gemacht hat, vor jeder Entschiedenheit des Willens und jeder Energie des Ausdrucks. Diese Eigenschaften erkannten die Franzosen in der Erhebung Deutschlands
wie in der patriotischen Poesie, durch die sie befeuert wurde. Eine Anthologie deutscher Gedichte gab der schon mehr genannte Gérard unter dem Titel heraus: ´Choix des ballades et de poésies de Goethe, Schiller,
Bürger, Klopstock, Schubart, Körner, Uhland etc.´, wozu er im Jahre 1835 als Nachtrag eine Bearbeitung der Bürgerschen ´Lenore´ folgen ließ. Auch der Demokrat Flocon, eine zeitlang als Minister der College
Lamartine's, hat eine Anzahl Gedichte, namentlich nordische Balladen nach Bürger, Kosegarten u. s. w. in französischer Nachbildung herausgegeben; sie scheinen jedoch wenig Anklang gefunden zu haben. “
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1856
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Anzeige. In: Tagblatt der Stadt Bamberg, 15. März. Digitalisiert von Google
[S. 322] Wenn Dich die Lästerzunge sticht, So laß es Dir zum Troste sagen: Die schlecht'sten Früchte sind es nicht, Woran die Wespen nagen !
Gewidmet meinen Freunden hinterm Rücken. M . . . . r. “ “
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1856
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Anzeige. In: Fürther Tagblatt, 15. März. Digitalisiert von Google
“[o.S.] Erklärung. Von einem niederträchtigen schamlosen Schurken ist kürzlich die Verläumdung in das Publikum gebracht worden, als hätte ich versucht, mich durch Erhängen zu
entleiben. Ob wohl bei einem Jeden, der mich kennt, dieses lügenhafte Gerücht keinen Glauben finden und ich deßhalb und bei meinem guten Gewissen mit dem Ausspruch jenes Dichters
´Wenn dich die Lästerzunge sticht, So laß es dir zum Tröste sagen: Die schlechten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen´ - mich trösten kann, so halte ich es doch für Pflicht, diesen mir zur Zeit noch unbekannten häßlichen Verläumder und Grabschneider zur gebührenden Strafe zu
bringen, und sichere hiermit Demjenigen, der mir denselben mit Zuverlässigkeit zur Kenntnis bringt, eine Belohnung von fünf und zwanzig Gulden rhn. zu.
Nimbach, im Bezirke des k. Landgerichts Neust a. d. A. am 13 März 1856 Friedrich Schmeiser, Oekonom und Gastwirth “
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1856
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Saupe, Ernst Julius. Gottfried August Bürger. In: Handbuch der poetischen Literatur der Deutschen von Haller bis auf die neueste Zeit. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 162] Gottfried August Bürger. geb. 1748 zu Wolmerswende im Halberstädtischen, gest. 1794 zu Göttingen als außerordentlicher Professor. Schon als
zehnjähriger Knabe versuchte sich B. in Versen, und verrieth sowohl dadurch, als durch seine Vorliebe für einsame Hügel und dunkle Wälder, wo er sich oft und gern, namentlich in der Dämmerstunde und bei
Mondenschein, schauerlichen Gebilden und Gefühlen überließ, eine eigenthümliche dichterische Stimmung und Anlage. Aber gerade in dieser wichtigen Zeit wurde der arme Knabe in Erziehung und Bildung vernachlässigt und
dem ernstern Wollen und Streben entfremdet, und was hierin das elterliche Haus versäumt hatte, vermochte die Schule nicht nachzuholen. Leichtsinnig und ohne sittliche Haltung gerieth er auf Universitäten durch sein
zügelloses Leben und unwissenschaftliches Treiben in drückende Noth und Verachtung. Da nahmen sich seiner jene edlen Männer an, die sich in Göttingen damals zu dem Hainbunde vereinigt hatten. Durch sie auf
gediegenere Sitte und Beschäftigung hingeleitet, erlangte er zwar 1772 eine Anstellung; allein seine durch verschiedene Unfälle zerrütteten Vermögensumstände, bittere Amtserfahrungen und besonders seine dreimalige
Verheirathung wurden für ihn eine Quelle namenloser Leiden, bis er, kurz nach der gerichtlichen Scheidung von seiner dritten Frau, verlassen und an Seele und Leib gebrochen, starb. Bei einem so getrübten,
unglücklichen Leben muß man staunen, daß B. als Dichter doch so Treffliches geleistet hat. Am berühmesten ist er durch seine Romanzen und Balladen geworden. Das Sonnett hat er unter den neuern Dichtern zuerst wieder
behandelt, und zwar in musterhafter Weise. “
[als Bürgersche Werke sind aufgenommen: An A. W. Schlegel, Das Lied vom braven Mann, Des armen Suschens Traum, Trost]
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1856
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Hammer, Julius. Einkehr und Umkehr. Roman. Erster Theil. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 304] Plötzlich wendete sich Franziska mit einem Freudenschrei nach dem Fenster; es hatte leise an dasselbe gepocht, und als sie sich umsah, lachte sie Arthur's Gesicht an.
´Guten Morgen´, rief er scherzend. ´Schläfst, Liebchen, oder wachst du?´ “
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1856
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Bechstein, Ludwig. Undank ist der Welten Lohn. In: Neues Deutsches Mährchenbuch, Leipzig, Pesth. Digitalisiert von Google “[S. 245]
´Yah!´ schrie der Esel! ´Dieses hat seine Richtigkeit.´ ´Anch'io sono - auch ich bin ein Gesangsvituose, aber die Nachtigall ist ein neidischer Vogel, das hat schon ein berühmter deutscher Dichter, des Namens
Bürger, ausgesprochen, denn dieser schrieb:
Es gibt viele Esel, welche wollen, Daß Nachtigallen tragen sollen Des Esels Säcke hin und her; Ob nun mit Recht, fällt mir zu sagen schwer.
Dies weiß ich: Nachtigallen wollen Nicht, daß die Esel singen sollen.
Und so werden sie es ohne Zweifel mit den Katzen auch halten.´ Nach diesen Wechselreden kam der Friedensvertrag zustande, nach dem
Sprichworte: Eintracht macht stark, daß der Esel den Hund, der Hund die Katze, die Katze den Hahn tragen solle, doch nur auf ihrem Buckel, nicht auf dem Kopfe, und es war lustig anzusehen, wie sich die Viere nun so einträchtig betrugen.”
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1856
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Häring, Wilhelm. Ein Roman aus der Brandenburgischen Geschichte, Erster Theil, Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 152] Zehntes Kapitel.
- fuhr um's Morgenroth Empor aus schweren Träumen.”
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1856
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Bäuerle, Adolf. Director Carl, Pest, Wien und Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 72] Ich schiele nach der Baronin. Sie tanzt mit dem Hauptmanne Braus, der muß mir einige Touren erlauben. Die
Baronin ist eine Schwärmerin, bei der mußt Du den Schwermüthigen spielen. - Wie heißt sie mit dem Taufnamen? Molly, wie Bürgers Geliebte.
Welch' ein bürgerlicher Name für eine Adelige! Sag' mir, Carl, darf ich bei Mery über Deine Flatterhaftigkeit losziehen?”
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1856
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Anonym. Gemüthliche Unterhaltung. In: Illustrirter Dorfbarbier No. 22. Digitalisiert von Google
“Dorfb. Fünfundzwanzig Jahre - ein stattlich Stück im Leben - waren dahin gegangen, ehe sich's gemacht, daß ich wieder einmal nicht sowohl wie die selige oder unselige Lenore
um's Morgenroth, sondern in's Morgenroth floh und zwar nach dem Felsengebirge im Osten, gut dresdnerisch ´säck'sche Schweiz´ genannt.”
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1856
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Marggraff, Hermann. Siebenundzwanzigstes Kapitel. In: Fritz Beutel, Eine Münchhausiade, Frankfurt a. M. Digitalisiert von Google
“[S. 355] Nun veranstaltete ich zu Gunsten meiner ärmern Landsleute eine große Ausstellung, indem ich die bessern Porträts auswählte und mit ihnen meine in den Ateliers deutscher Künstler
angekauften Landschafts- und Genrebilder vereinigte. Der Katalog, den ich darüber drucken ließ, war ganz nach dem Geschmacke der Yankees eingerichtet; es hieß darin z. B. unter Anderm:
Nr. 33.
Gewitterlandschaft von Lessing. Von überraschendster Naturtreue. Der Regen fällt so naß, daß jeder Besucher daran wohlthun wird, nicht ohne Regenschirm vor dieses Bild zu treten, um nicht durchnäßt zu werden.
Uebrigens werden auch Schirme im Ausstellungslocale selbst á 3 Cent ausgeliehen. [...]
Nr. 155. Bürger's Lenore von Kaulbach. Lenore dargestellt, wie sie eben in einem Fiacre für 5 Silbergroschen ´ums Morgenroth´ fährt.”
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1856
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Anonym. Gemüthliche Unterhaltung des Dorfbarbiers mit dem General von Pulverrauch.
In: Illustrirter Dorfbarbier, 15. Juni Digitalisiert von Google “[S. 187] Es ist eine merkwürdige Zeit. Vorm Jahre Mord und Todtschlag, heuer Friede und Freundschaft!
Bei dem Worte Friede fällt mir wieder ein, daß dieser Nominativ ebenso richtig ist wie Frieden. Freude dieser Stadt bedeute
Friede sei ihr erst Geleite. singet und saget Schiller in seinem Liede von der Glocke. Wenn ich der Friede sage, muß es im zweiten Fall nicht des Friedens, sondern des Frieden heißen, wie bei allen Hauptwörtern der Fall, die sich mit einem e endigen. Nicht der anspruchslose Verfasser der ´Palmen des Frieden´
(den die Kritikaster wegen seiner Schreibart noch immer nicht in Ruhe lassen) hat einen Bock geschossen, wohl aber der große deutsche Balladendichter Gottfried August Bürger, wenn er singt:
´Der König und die Kaiserin, Des langen Haders müde.
Erweichten ihren harten Sinn Und machten endlich Friede.´ Hier muß es schlechterdings Frieden heißen, weil es der Accusativ ist. Doch, wo gerath´ ich hin? Gar in die Grammatik. Fehlte noch. Wünsch' Ew. Gnaden wohl zu leben!”
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1856
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Kalchberg, Wilhelm Freiherr von. IV. Abschnitt. Nordseite. In: Der Grazer Schloßberg und seine Umgebung, Graz. Digitalisiert von Google
“[S. 207] Wenn sich die Schatten der Nacht auf diese Abgeschiedenheit senken, beginnt es auf der Höhe und in der Tiefe belebt zu werden; Schwärme von Fledermäusen umkreisen das verfallene
Gestein und durchschwirren die Luft, während in den Niederungen das vielstimmige Concert der rastlosen Sumpfbewohner nach allen Stufen der Tonleiter beginnt und unwillkührlich an Bürgers ´Leonore´ mahnt:
- - - - - - - - - - - - - Das Lied war zu vergleichen Dem Unkenruf in Teichen usw.”
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1856
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Wollheim, Hermann. Tannhäuser oder: Die Keilerei auf der Wartburg, Hoyerswerda. Digitalisiert von Google
“[S. 32] Pietsch.
O Wolfram, denk dir, was mir ist passiert, Mein Kind hat sich zu Tode lamentiert, Erblichen ist die beste aller Seelen Sie starb gefaßt und läßt sich dir empfehlen.
(Pilger und Jägerchor bringen zwei Bahren). Morgenroth, Morgenroth! Du Latern' zum frühen Tod.
Ach um sich vor vielen Jahren Ist Lenore 'rumgefahren In der Droschke des Vereins.
Kaum gedacht, kaum gedacht, Sollst du werden Todesnacht.
Gestern roth und heut erblassend Ach das find ich gar nicht passend
Von ein junges Liebespaar.”
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1856
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Schöne Literatur im Allgemeinen. In: Österreichische Blätter für Literatur und Kunst, 25.10.
“2212.
Erinnerungen an merkwürdige Gegenstände und Begebenheiten. [...] Prag 1856 Verlag Karl Bellmann [...] Inhalt: 4. Heft. Ida Pfeiffer. (Mit einer Xilographie.) - Molly. (Hierzu das Porträt, und die lithographirte
Originalzeichnung.´Der Bruder Graurock und die Pilgerin´ von Franz Lorenz.”
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1856
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Anzeige. In: Leipziger Tageblatt und Anzeiger 17.12.
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1856
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Anzeige. In: Leipziger Tageblatt und Anzeiger 26.07.
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1856
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Anzeige. In: Leipziger Tageblatt und Anzeiger 27.07.
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1856
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Anzeige. In: Wöchentlicher Anzeiger für die Königl. Preuss. Kreisstadt Lauban und ihre Umgegend 12.04.
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1857
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Findel, J. G. Die classische Periode der deutschen Nationalliteratur im achtzehnten Jahrhundert. Leipzig. Digitalisiert von Google
“ [S. 51] Eine Zeit lang galt Bürger geradezu als der beliebteste und größte Volksdichter und auf diesen Ruhm hatte er gegründete Ansprüche. Seine meisten Lieder sind in der That auch ganz vortrefflich, noch besser sind seine Romanzen und Balladen.
Es charakterisirt ihn eine Leichtigkeit der Darstellung, ein Fluß der Verse und besonders ein Wohllaut der Sprache, Eigenschaften, die wir selbst in vielen Dichtungen unserer größten Meister vergebens suchen. Seine
besten sind die im Volkston Geschriebenen und eben dies Volksmäßige, dies Allen Zusagende ist das Element, welches Schiller in seiner scharfen, ja fast bittern Kritik über Bürgers Dichtungen ganz verkannte. Seine
Balladen scheinen mit der leichten Gabe des blinden Naturgenies nur so hingeworfen zu sein; in der That aber waren sie mit der größten Sorgfalt und Besonnenheit gearbeitet und Bürger hat so wenig, wie Andere, die
kritische Feile gespart. Er hat aber auch durch seine Gedichte, namentlich durch seine ´Leonore´, durch den großartigen ´wilden Jäger´, das ´Lied vom braven Mann´, ´Kaiser und Abt´, die ´Weiber von Weinsberg´, ´des
Pfarrers Tochter von Taubenhain´ eine Unsterblichkeit erlangt, die nicht blos, wie die Klopstocks, eine bibliothekarische, sondern eine im Herzen und Munde des Volks lebendige ist. Von seinen allgemein bekannten
Balladen brauche ich hier keine Probe mitzutheilen; lieber will ich ein Stück aus seiner Verherrlichung von Abälards und Heloisens Liebe hier mittheilen, welches weniger bekannt sein dürfte und zugleich seine Muse
von einer doppelten Seite charakterisirt.
“[S. 257] Schiller ist der Dichter der Idee. Wie er von diesem Standpunkt aus seine Aufgabe ansah, das hat er in der Recension von Bürgers Gedichten deutlich ausgesprochen, indem
er sagt: ´Eine nothwendige Operation des Dichters ist Idealisirung seines Gegenstandes, ohne welche er aufhört seinen Namen zu verdienen. [...] Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, zur
reinsten herrlichsten Menschheit hinaufzuläutern, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft, ehe er es unternehmen darf, die Vortrefflichen zu rühren.´ Hierin liegt seine Größe und
seine Schwäche. Seine Dichtungen erheben uns aus der Sinne Schranken in's Reich des Ideals und läutern uns, aber sie haben zu wenig individuelles Leben, sie sind der Wirklichkeit zu fremd, seine Gestalten haben zu
wenig menschliches Blut. Das wirkliche Leben wußte er nicht wie Göthe zu erfassen, es bot ihm darum auch wenig und er flüchtete in ein fernes Jenseits. Ideales und Reales, Himmel und Erde vermochte er in seinem
Leben und in seinen Schöpfungen niemals ganz zu versöhnen.”
Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK
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1857
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Pierer's Universal-Lexikon der Vergangenheit , Altenburg
“[Bd.3,S.473] geb. 1. Jan 1748 in Wollmerswende bei Halberstadt,[...] studirte seit 1764 in Halle Theologie u. seit 1764 in Göttingen Rechtsgelehrsamkeit. Ausschweifungen entzogen ihm
die Unterstützung seines Großvaters, so daß er in Nahrungssorgen gerieth....Von Krankheit, Nahrungssorgen u. Seelenleiden niedergebeugt, hatte er noch den Schmerz, durch Schillers Recension seiner Gedichte seinen
dichterischen Ruhm herabgesetzt zu sehen. Er st. am 8. Juni1794. Unter seinen Balladen ist Leonore die vollendetste.”
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1857
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Bone, Heinrich. Gottfried August Bürger. In: Deutsches Lesebuch. Zweiter Theil. Handbuch für den Deutschen Unterricht in den oberen Klassen der Gymnasien. Digitalisiert von Google.
"[S. 286] Bürger´s Poesie ist voll Leben und Kraft; Sprache und Vers wie Gesang; er ist Begründer der neuen Ballade, und seine Lyrik kommt stets aus vollem Herzen; aber
es fehlt ästhetische und sittliche Läuterung, oft in hohem Grade. ´Seine Muse´, sagt Schiller, ´trägt einen zu sinnlichen, oft gemeinsinnlichen Charakter, und nur selten trifft man auf ein Gedicht, worin nicht
irgendwie das sittliche oder ästhetische Gefühl beleidigt wird.´ Man lese über ihn Schiller´s vortreffliche, inhaltsreiche Recension unter dessen kleineren prosaischen Schriften, worin es unter anderm heißt:
´Wenn irgend einer von unseren Dichtern es werth ist, sich selbst zu vollenden, um etwas Vollendetes zu leisten, so ist es Bürger´, und dann wünscht er ihm, seine hervorstechenden Eigenschaften zu verpaaren ´mit
immer gleicher ästhetischer und sittlicher Grazie, mit männlicher Würde, mit Gedankengehalt, mit hoher und stiller Größe´.
[Das Lesebuch enthält zwei Gedichte von Bürger (Blümchen Wunderhold, Der wilde Jäger), aber sieben Gedichte von Fr. Leop. Stolberg - K.D.]
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1857
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Schmalfeld, Friedrich. Der deutsche Unterricht. In: Erfahrungen auf dem Gebiete des Gymnasialwesens. Digitalisiert von Google.
“[S. 30] Dies gab zuweilen etwas widerwärtige Zusammenstellungen, wenn z. B. Einer auftrat mit: ´Das Grab ist tief und stille und schauderhaft sein Rand´ u.s.w. und darauf ein Anderer
mit einer Poeselei von Langbein oder Bürger folgte, während ein Dritter eine feierliche Ode von Klopstock vortrug und so fort. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß dem Vortrage eines Gedichtes, wie z. B. der ´Frau
Schnips´ ein tüchtiger Sermon über den Ungeschmack der Wahl folgte, aber das ästhetische und sittliche Gefühl war doch einmal beleidigt und die Stimmung für das, was noch kam, gestört. Solche Uebelstände zu
vermeiden, ist es mir immer nöthig erschienen, wenigstens in Tertia, das zum Vortrage ausgewählte Stück dem Lehrer vorher anzeigen zu lassen. Freilich hat es auch Etwas für sich, wenn der Schüler hin und wieder die
eigene Wahl und Verantwortlichkeit bei seinem Thun zu tragen hat, aber er muß nicht eine Wahl treffen dürfen, die sogar gemeinschädlich wirken kann.”
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1857
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Herders Conversations-Lexikon, Freiburg im Breisgau
“[Bd.1, S.712] geb. 1. Jan. 1748 zu Wolmerswende bei Halberstadt,[...] Zu diesen Bedrängnissen kam eine Recension von Schiller, die B. und seine Gedichte heruntersetzte (Göthe
behandelte B. mit vornehmer Sprödigkeit) u. tief kränkte; der willkommene Tod erlöste ihn den 8. Juli 1794. B.s Leben unterliegt allerdings schwerem u. gerechtem Tadel und hat den Dichter durch Leiden genug
gestraft; nichtsdestoweniger ist er einer der ersten deutschen Dichter, namentlich durch seine Balladen, von denen einige in das Volksleben übergegangen sind; auch von seinen Liedern nehmen mehrere einen Ehrenplatz
in der deutschen Poesie ein. Von B.s Humor zeugen ´die wunderbaren Abenteuer u. Reisen des Freiherrn von Münchhausen´.”
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1857
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Götzinger, Max Wilhelm. Gottfried August Bürger und Vergleichung von Bürger und Schiller als Balladendichter. In: Deutsche Dichter. Erster Theil.
“[S.177] Vor allem verlangte er [Bürger], daß sie [die Dichtung] volksmäßig sei. Durch diese Forderung wies er zweierlei zurück: die Poesie sollte vorerst nicht ausländisch sein,
Sprache und Ton also nicht aus der Ferne, sondern aus dem Volke geschöpft werden, und die Gegenstände und deren Behandlung so beschaffen sein, daß sie der Auffassungs- und Empfindungsweise der Nation entsprechen.
Zweitens wies er alles Gelehrte in der Kunst zurück. Ihre Werke sollten jedem Gebildeten zugänglich und kein wissenschaftlicher Apparat zum Verständnis derselben nöthig sein; daher verlangte er Klarheit,
Bestimmtheit, Abrundung, Ordnung und Zusammenhang der Gedanken und Bilder, nach Wahrheit, Natur und Einfalt der Empfindungen, nach dem eigenthümlichsten und trefflichsten aus der lebendigen Mundsprache
aufgegriffenen Ausdrucke derselben, nach der pünktlichsten grammatischen Richtigkeit, nach einem leichten und wohlklingenden Reim- und Versbau. Wer wollte dem Gefühle des Dichters in der Hauptsache nicht
recht geben! Hätte er verstanden, seine Theorie klar und im Zusammenhange darzustellen, hätte er später in der Litteraturwelt überhaupt mehr Ansehen gehabt, vielleicht wäre durch ihn die gelehrte Dichtkunst ganz und
für immer gestürzt worden. Wenn er auch in manchen seiner Hervorbringungen die eigenen Forderungen selbst nicht befriedigt, so hat er dagegen in vielen andern den Weg angegeben, wie man allen Freunden der Dichtkunst
gefallen und selbst hohen Ansprüchen genügen kann, ohne seine Formen von Griechenland und Rom zu holen.
[S. 179] Endlich hat sich Bürger später in Wielands Manier versucht. Und uns zwei sogenannte poetische Erzählungen geliefert: Veit Ehrenwort und die Königin von Golkonda. Einen
traurigern Tausch hätte der Dichter wohl nicht treffen können, als den seiner kräftigen Balladenmanier mit dieser schwatzhaften, schlüpfrig-französischen Art.
[S. 404] Aus Bürgers Balladen blickt uns Frische und Gesundheit, Lebhaftigkeit und Feuer, Jünglingskraft und kühner Muth entgegen; aus Schillers Dichtungen schaut uns Seelengröße und
Herzensreinheit, stiller Ernst und himmlische Ruhe, männliche Kraft und fester Wille an. Jene Frische und Gesundheit artet oft in Derbheit, ja wohl gar in Rohheit aus, diese innre Seelenerhebung in Schwärmerei und
Unklarheit; immer aber wird uns die Wahrnehmung dieser Lebensreize angenehm und erfreulich sein.
[S. 405] Bürgers Poesie geht aus von der Innigkeit seines Gemüths, derzufolge er warmen Antheil an seinem Stoffe nimmt; Schillers Poesie zeigt sich am glänzendsten in dem
Reichthume seines Geistes, demzufolge er eine tiefe Ansicht von seinem Gegenstande hat. Jener weiß das kleinste zu beleben und zu erwärmen durch seine Liebe, dieser das Gewöhnliche, ja das Sonderbare zu veredeln und
in einen bedeutenden Zusammenhang zu bringen durch seine Anordnung.
[S. 406] Wir sehen in Bürger den Liederdichter, in Schiller den dramatischen. Feindliche Einwirkung eines äußern feindseligen Princips haben Schillers Helden in der Regel zu
bekämpfen, und mit der Schilderung dieses Kampfes haben es seine Balladen zu thun; den Sieg des Edeln oder dessen erhabnes Unterliegen weiß er vortrefflich darzustellen. Fordert der Gegenstand eine unmittelbare
Darstellung der heftigsten Leidenschaft, des bewegten Gemüthes, so verliert er sich entweder in erhabnen Wortschwall, wie in Hero und Leander, oder er giebt nur schwache Umrisse, wie im Ritter Toggenburg. [...] Der
Dialog ist bei Bürger immer das Schönste, die eigentliche Schilderung bei Schiller. [...] Den Charakter seiner Helden fand Schiller entweder schon in seinen Quellen, oder er bildete ihn nach seinen Ansichten. Und
wir finden bei ihm lauter ideale, d.h. allgemein gehaltne Gestalten und Charaktere, ohne besondere eigenthümliche Züge. Diese idealen Gestalten sehen wir aber jedesmal unter anderen Verhältnissen, in einer andern
Umgebung. Der Taucher, de Lorges, Graf Rudolf, Möros, Deodat, Ritter Toggenburg – es sind gewissermaßen immer dieselben Charaktere, nur jedesmal in einer neuen Lage. Selbst Polykrates hat durchaus nichts
Eigenthümliches, auf keinen Fall zu seinem Vortheile; vermuthlich hätten wir von Bürger einen bedeutenderen Polykrates erhalten. Bürgers Gestalten sind nie ideal, sondern ganz
individuell; Lenore hat mit Frau Magdalis und mit Rosette nichts gemein, obgleich die Umgebungen gerade dieselben sind, und wie unendlich verschieden sind der Wildgraf und der Marschall v. Holm, Karl von Eichenhorst
und der brave Mann, das Pilgermädchen und Getrud, Hans Bendix und der Kaiser! Ja wie leibt und lebt sogar der bloß erzählende Schwager Matz vor uns! Dieser Unterschied zwischen den Helden beider Dichter spricht sich
sogar in Außerlichkeiten aus, vorzüglich auch darin, daß die von Bürger Nahmen haben, die von Schiller gewöhnlich keine; wo wir die Nahmen bei letzterem kennen, kommen sie meist bloß in der Ueberschrift vor, und nur
der Gang in den Eisenhammer und der Handschuh machen hier eine Ausnahme, und wirklich sind die Gestalten im Eisenhammer auch noch die individuellsten in allen Schillerschen Balladen.
[S. 408] Drittens unterscheiden sich beide Dichter sehr in dem, was man Styl der Darstellung nennt, d.h. In der Art, wie sie ihr Darstellungsmittel anwenden, ihren Stoff
verarbeiten. [...] Verfiele Bürgers Styl nicht in Manier, so wäre er sehr zu loben; denn es herrscht eine Lebendigkeit, eine Frische, eine Beweglichkeit darin, sie sonst kein Balladendichter erreicht hat.
Ganz anders finden wir hier Schillern. Man kann in seiner Darstellung durchaus nicht von Manier reden; jeder seiner Balladen ist anders gehalten, nach Bedürfnis des Darzustellenden.
[S. 409] So wie Bürgers Helden ganz individuelle Gestalten sind, so ist auch ihre Sprache individuell; Lenore spricht anders als ihre Mutter und Wilhelm; Frau Magdalis anders als
Rosette (des Pfarrers Tochter); Karl von Eichenhorst, der Freiherr, Plump und Gertrud, jedes spricht in seinem bestimmten Charakter; eben so der Kaiser und Hans Bendix u.s.w. Dies ist bei Schiller nie der Fall,
seine Sprache ist ebenfalls so allgemein und ideal wie seine Helden selbst. Es ist durchaus nichts individuelles in den Wechselreden zwischen Polykrates und Amasis (man vergleiche damit den rechten und linken Ritter
bei Bürger), und Deodat spricht wie Helion, Rudolf von Habsburg wie der Sänger, der Taucher wie Möros u.s.w. [...] Was nun viertens die Reinheit der Sprache, die Richtigkeit im Gebrauche der Sprachformen betrifft,
so steht Bürger unfehlbar weit höher als Schiller. Er verwandte viel Fleiß auf den richtigen Sprachbau und auf den Wohlklang des Verses und hat bewiesen, wie man ein großer Dichter sein und doch auf Kleinigkeiten
achten könne. Schiller ist in seinen Balladen oft nicht glücklich im Gebrauche mancher Formen, besonders in allem, was die Satzverbindung anbetrifft.
[S.410] Dadurch entsteht natürlich oft Undeutlichkeit und Unbestimmtheit, welche besonders der übel empfindet, der sich mit Untersuchungen des Sprach- und Satzbaues beschäftigt hat. So
misrathen unserm Dichter [Schiller] in der Regel die Satzverkürzungen. Die umgekehrte Erscheinung bietet Bürgers Sprache dar. Dieser, nichts weniger als Philosoph, bringt seine Balladensprache auch
da an, wo wir etwas ganz anderes suchen und schreibt Abhandlungen über die Sprache und Dichtkunst in eben so kurzen Sätzen, wie sie die Ballade liebt. Bürgers Balladensprache ist, was die Reinheit derselben
anbetrifft, in der Regel untadelhaft, denn die häufigen unpassenden Ausdrücke gehören begreiflich nicht der Grammatik, sondern dem Style an. Auch Bürgers Versbau ist weit leichter, ungezwungener und wohlklingender
als Schillers, dessen Verse oft etwas schwer auftreten, was wir ebenfalls aus seiner Gewöhnung ans Drama erklären können.”
Götzingers G. A. Bürger und die Vergleichung Bürgers und Schillers in der ONLINE-BIBLIOTHEK.
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1857
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Koenig, Heinrich. Die Clubisten. In: Gesammelte Schriften. Siebenter Band. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 186] Bei so guter Gelegenheit brachte Franz Karl die Unterhaltung auf die lebenden Geister der deutschen Poesie. Er erzählte von Göttingen und Weimar, von Bürger und Klopstock, von
Schiller und Goethe. — Im Haus eines untergeordneten Beamten in Mainz wußte man wenig oder nichts von dieser geistigen Bewegung im nördlichen Deutschland, oder man verschloß sich vor derselben, seit der Kurfürst die
lutherischen Professoren an die Universität berufen und hiermit den Widerspruch der Priesterschaft geweckt hatte. Noch eher kannte man, auch in bürgerlichen Häusern, die französischen Schriftsteller, wenigstens dem
Namen nach. Man hörte ja von den Kanzeln der Mönche diese gottlosen Freigeister verdammen, die bei Hof und auf den Tischen der Prälaten die einzige Geisteswürze eines sinnlichen Genußlebens ausmachten. Jetzt aber,
bei des Barons Lectüre, schnalzte Erasmus mit den Fingern zu den Scenen aus Götz von Berlichingen. — Der wäre noch ein deutscher Mann gewesen, meinte er. Fides schauerte bei Bürger´s Leonore, und sank in Nachdenken über solche Liebe bis ins Grab.“
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1857
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Kopitars, Bartholomäus. Rez. Abbildung und Beschreibung der südwest- und östlichen Wenden, Illyrier und Söaven von B. Hacquet
. In: Kleinere Schriften. Erster Theil. Wien. Digitalisiert von Google
“[S. 134] Das Resultat der Eindrücke, die die Durchlesung dieser fünf Hefte auf Recensenten gemacht, ist: dass Herr Hacquet von allen Ausländern uns Slaven noch am erträglichsten
gekannt habe. Ganz aber wird ein Fremder all unser Thun und Lassen schwerlich je recht begreifen: man erinnere sich nur, wie die Engländer, die doch selbst halbe Deutsche sind, über Bürgers Leonore gefaselt haben
und wie noch alle Franzosen über deutsches Wesen faseln.“
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1857
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Anonym. Jahrbücher der Schiller-Stiftung, Erster Band. Dresden. Digitalisiert von Google
“[S. 158] Nicht ohne Hinweis auf einen Meinungsunterschied beschloß in Frankfurt a. M. ein, vorzugsweise in Folge besonders thätiger, freudiger und beharrlicher Anregung des dortigen Kunsthändlers Carl Jügel, des Aeltern, zusammengetretener, ansehnlicher Kreis theilnahmvoller Männer die Begründung einer Schillerstiftung. Die ´Aufforderung an Frankfurts gesinnungsedle Männer und Franen,´ welche im dortigen ´Conversationsblatt´ vom 10. November 1855 erschienen — sie war vorher, einzeln gedruckt und mit 28 Unterschriften versehen, in vielen Exemplaren vertheilt worden — war mit unverkennbarer Wärme und Ueberzeugungskraft geschrieben. ´Es mag,´ heißt es unter Anderm, ´allerdings wohl Manche geben, die nichts davon wissen, wie der Reichthum des Wissens und der Phantasie oftmals darbt und dem Mangel und der Dürftigkeit preisgegeben ist: und denen mag ein flüchtiger Rückblick auf die Träger einiger unserer heute noch gefeiertsten Namen die Bestrebungen der Schillerstiftung in ein helleres Licht setzen. Wer unter den sich zu den Gebildeten Zählenden hat sich nicht an Bürgers volksthümlicher
Muse ergötzt? wen erfüllte seine ´Leonore´ nicht oftmals mit heimlichem Grauen, und wem schlug das Herz nicht höher in der Brust bei seinem ´Lied vom braven Mann!´ Wer erfreute sich nicht an Seume's lieblichen Liedern, und wer folgte ihm nicht gerne auf seinem ´Spaziergange nach Syrakus?´ wer kennt nicht Hölderlins lyrische Gedichte, und wem entgingen wohl seine tiefen Gedanken beim Lesen des ´Hyperions?´ — und doch, wie mußten diese zu den Besten ihrer Zeit zählenden Dichter enden, und wie mancher Andere noch theilte mit ihnen ein gleiches Loos! Bürger erlag im kräftigsten Mannesalter mit 46 Jahren den drückendsten Sorgen. “
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1857
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Mügge, Theodor. Nordisches Bilderbuch. Frankfurt a. M. Digitalisiert von Google
“[S. 83] Die Masse des deutschen Volks weiß auch jetzt meist noch nicht, daß einmal ein gewisser Göthe oder Schiller, Herder oder Wieland, gelebt haben, geschweige denn, was in neuerer
Zeit an großen Poeten dazu gekommen, eben so wenig weiß das schwedische Volk etwas von Tégnér oder Geijer, und wer sonst noch in Schweden als berühmter Dichter gilt. Die Zeit soll erst kommen, wo die Völker ihre
Dichter kennen lernen, da sie jetzt noch immer nicht über einen mehr oder minder engeren exclusiven Kreis sogenannter Bildung hinaus gehen, der allerdings ein gemeinsamer ist, so daß ein Spanier oder ein türkischer
Effendi Schiller besser kennen kann, als ein königlich preußischer Dorfschulmeister, dem es obenein jetzt von Staatswegen verboten ist, sich mit solchen unchristlichen Poeten abzugeben. Das Volk hört überall seine
Bänkelsängerlieder noch immer am liebsten und hier auf dem Mittsommermarkt stand es andächtig in dichten Haufen um die blinden Fiedler, und opferten ihnen gern seine Schillingsstücke für das schauerliche Gekrächz
ihrer haarsträubenden Kunstgenüsse. Uebrigens ist es merkwürdig, wie manche deutsche Lieder ins schwedische Volk gekommen sind, wie z. B. Bürgers Leonore, die unter dem Namen: die Geisterbraut übersetzt ist und von
den Bauern gesungen wird.“
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1857
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Sauer, C. M. Don José de Espronceda. Ein Bild aus Spaniens neuester Literatur. In: Frankfurter Museum. Frankfurt. Digitalisiert von Google
“[S. 117] Er bietet der Dame seine Begleitung an; diese antwortet nicht. Don Felix läßt aber nicht ab, sondern führt die lästerlichsten Reden, bis die Gestalt endlich mit den Worten:
´Dein Wille, o Gott, geschehe!´ sich erhebt, und von Montemar gefolgt die Straße entlang schreitet. Und nun folgt ein Finale, welches fast vermuthen läßt, Espronceda habe Bürgers Lenore gekannt und
benutzt. [...] In jeder Stanze pulsirt warmes Leben; die Beschreibungen, zuweilen zwar gedehnt, zeigen ein glühendes Colorit, und der Versbau, obgleich oft an Spielerei streifend, muß mit seinen Cadenzen dem an
Verdi'schen Rythmen sich ergötzenden Ohre der Spanier ungemein schmeicheln. Alle Anklänge an das Libretto des Don Giovanni, so wie jenes eigenthümliche wahlverwandtschaftliche Verhältniß zu unserer Lenore geben dem
mit einer merkwürdigen Unkenntniß fremder Literatur gesegneten spanischen Publikum natürlich spurlos verloren. “
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1857
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Andresen, K. G. Entgegnung. In: Zeitschrift für das Gymnasialwesen. Eilfter Jahrgang, Zweiter Band. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 252] Zu dem kap. über die fremdwörter bemerkt herr Stier, es hätte noch geltend gemacht werden können, ´dass diejenigen wörter unbedingt eingebürgert genannt werden müszen,
von denen bereits andere abgeleitet sind, oder die überhaupt umlaut annehmen: fabel—fabelhaft, orgel — orgeln, natur — natürlich, pastor — pastöre (G. A. Bürger)´. Ich bin nicht derselben meinung, weil das eine wie das andre sich nur auf den bei weitem geringeren theil der unter die fragliche kategorie begriffenen Wörter anwenden läszt, mithin keine allgemeinere regel, worauf es hier doch ankommen soll, dadurch geboten wird. Hat ein fremdes wort wirklich deutsche form gewonnen, so ist damit die hauptsache abgethan; ob es auch ableitungen zu zeugen befähigt ist oder umlaut annimmt, bleibt untergeordnete frage. Fabel, orgel haben deswegen, weil von ihnen wörter abgeleitet sind, keinen gröszeren anspruch auf bürgerrecht als kerbel, tempel,
von denen ableitungen nicht zu gebote stehn. Ebenso unzureichend im allgemeinen ist der Umlaut, obwol in dem adj. natürlich allerdings eine sehr erfreuliche zugabe. Welches gewicht aber fällt dem beispiel pastöre zu? Es verwundert, dasz herr Stier,
da ihm doch eine menge anderer wörter zur wahl standen, vor diesem nicht zurückgeschreckt ist. Bürgers autorität beweist uns gar nichts: der umlaut ist an sich so anstöszig wie möglich (niemand sagt majöre),
mag er gleich an der besonderen stelle entschuldigung finden können.“
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1857
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Schöpf, Johann. Der neue Don Quixote. In: Dorfgeschichten. Erste Reihe. Regensburg. Digitalisiert von Google
“[S. 142] Mit schnellen Schritten maß er den Saal einigemale auf und ab, eilte dann an's Fenster, von welchem aus er eine weit freiere Aussicht auf die Gegend hatte, als drunten in
der Stube, namentlich hinauf in's Oberland, in die Gegend von Petersberg. Ein voller, helltönender Jauchzer entströmte seiner Brust. Mit stürmischem Eifer sang er die Strophe des ihm bekannten Liedes:
´Knapp, sattle mir mein Dänenroß, Daß ich mir Ruh´ erreite, Es wird mir hier zu eng im Schloß, Ich will und muß in´s Weite.´ Und er
dachte sich den Ritter im blanken Harnisch und Helm, mit wallendem Federbusch, stattlich zu Pferde, und er trat hin vor die Abbildung [...]. “
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1857
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Gotthelf, Jeremias. Erlebnisse eines Schuldenbauers. Zwölftes Kapitel. In: Jeremias Gotthelfs gesammelte Schriften. Neunzehnter Band. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 221] Das sei ihm ein Donnerwerk, sagte endlich der Ammann, er hülfe fort, sie schaffeten da doch nichts. Da stürmten sie denn hinaus in's Weite, voll Angst und Ahnung sonder Rast,
es schien sie was zu plagen, als hätten sie jemanden erschlagen, wie es dem Ritter Karl von Eichenhorst erging, als er zu seinem Knappen sagte: Sattle mir mein Dänenroß, daß ich mir Ruh' erreite, es wird mir hier zu
eng im Schloß, ich will und muß in's Weite. — Sie stürmten so unwirsch durch die erstarrten Wogen, klopften so ungestüm mit ihren langen Stecken bald hier, bald dort, und half ihnen alles nichts. “
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1857
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Anonym. Abbé Pasquier. In: Katholische Unterhaltungen im häuslichen Kreise. Schaffhausen. Digitalisiert von Google
“[S. 285] Nachgerade aber hat sich, und zwar alle Tage mehr, nichts denn Langweile, Mißmuth und Ueberdruß zu mir hereingeschlichen, meine Hütte sieht mir wie ein Grab aus, die Mönche
droben erscheinen mir wie Todtengräber, ihr Gesang dünkt mich ein Eulengekrächz, ich selber komme mir wie ein Narr vor; die lustige, frische, lärm- und prachtvolle Welt guckt immer reizender aus der Ferne herüber,
und mit einem Worte: es ist hier nimmer auszuhalten. Ja, es ist mir, wie jenem Rittersmann, der da ruft: ´Knapp, sattle mir mein Dänenroß, daß ich mir Ruh erreite; ich muß, ich muß in's Weite!´ — Wahrhaftig, sprach
der Schwarze, es geht mir genau so, wie dir. “
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1857
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Marggraff, Hermann. Rez. Goethe und die lustige Zeit in Weimar von August Diezmann. In Blätter für literarische Unterhaltung, 22. October. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 782] Die Damen trugen nicht blos den Busen sehr entblößt, auch ihr Herz war leicht zugänglich ... Die überall hervortretende starke Sinnlichkeit erklärt, daß man Dinge,
welche man heutzutage kaum anzudeuten wagt, ungescheut, mit den gemeinsten Worten bezeichnete und sie selbst in Frauenkreisen aussprach. Man lese z. B. nur die erste Ausgabe von Goethe´s ´Puppenspiel´ und denke
sich, daß dasselbe überall gelesen, ja in Ettersburg aufgeführt wurde. Dergleichen Sittenzustände muß man berücksichtigen, um Goethe´s hier und da hervortretende Frivolitäten und des bürgerlich
unbescholtenen Wieland Lascivitäten billiger zu beurtheilen. Ebenso wird man Bürger´s Cynismen und Roheiten, wie wir dies ein andermal nachzuweisen gedenken, zum Theil auf den Geist zurückführen müssen, der in den
Kreisen herrschte, in denen er bewegte und zu bewegen genöthigt war. Es scheint nicht fein und billig, für dergleichen immer nur den Einzelnen verantwortlich zu machen, wo so Viele mitschuldig sind, obschon dies
freilich eine ebenso bequeme als in aller Welt beliebte Methode ist, und zwar die Methode der echten Pharisäer. Schiller, dessen Jugendgedichte keineswegs alle von demselben sinnlich-cynischen Zuge freizusprechen
sind, trat schon in gereinigtere Zustände, die inzwischen in Weimar platzgegriffen hatten, die er aber gar sehr mit seinem inzwischen ebenfalls gereinigten Wesen läutern half. Andererseits gewährte freilich diese
naive Sinnlichkeit und gesunde Derbheit den Dichtern manche Vortheile, die ihnen in prüdern und blasirten Zeiten entgehen.“
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1857
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Anonym. Die politischen und militärischen Studien des Herrn Martin über die Feldzüge in Italien. In: Militär-Zeitung, 25. Februar. Wien. Digitalisiert von Google
“Dieser Tadel bildet schon allein den besten Prüfstein der Befähigung jenes Offiziers zur Kritik militärischer Begebenheiten. Derselbe zeigt sich hier - wie immer - als der Mann,
welcher das ´Wenn´ und das ´Aber´ erdacht - dem es jedoch nicht gelungen ist, aus seinem Häckerling Gold zu machen. “
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1857
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Bäuerle, Adolf. Das eingemauerte Mädchen. Erster Band. Pest, Wien und Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 89] Ihre Damen, sagte er, trugen mir auf, Ihnen zu sagen, daß Sie zu lange ausgeblieben. Die eine Dame, die schöne nämlich, sagte, daß sie Sie suche. Beide gingen dann fort. Gewiß
werden sie wieder kommen, wenn sie Sie nicht finden! Wenn sie zurück kommen, sagte Gröbler, möchten sie in der Loge auf mich warten. Ich suche sie bei dem Hauptthor.
Gröbler lief wie Bürgers Leonore das Heer, die Reihe der Equipagen und Fiaker auf und ab, und fragte nach allen Namen. Es war als wären die Damen verschwunden.“
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1857
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Wernicke, Carl. GottfriedAugust Bürger. In: Die Geschichte der Welt. Dritter Theil. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 323] Gottfried August Bürger war 1748 zu Wolmerswende im Halberstädtischen geboren, besuchte zuerst das Pädagogium in Halle, studirte dann in Göttingen die Rechte, wurde
Justizamtmann in Altengleichen, 1789 außerordentlicher Professor der Philosophie in Göttingen, wo er 1794, von Schulden und Nahrungssorgen bedrängt, von seinen Freunden verlassen, starb. ´Bürger wußte sich nicht zu
zähmen´, sagt Goethe, ´und darum zerrann ihm sein Leben, wie sein Dichten.´ Der Sturm- und Dranggeist seiner Zeit beherrschte ihn nicht nur als Dichter, sondern auch als Menschen. Bieder und offen, voll Wohlwollen
und Herzensgüte, gab er sich Anderen zu vertrauensvoll hin; blind seinen Leidenschaften gehorchend, überschritt er die Gränzen der Sitte und Sittlichkeit mit dem sorglosesten Leichtsinn. Nach eigener Wahl war er
seit 1774 verheirathet, aber unglücklich; denn mit leidenschaftlicher Gluth liebte er die kaum funfzehnjährige Schwester seiner Gattin, die er in seinen Gedichten unter dem Namen Molly feiert. Seine erste Frau starb
1785, und nun verband er sich mit seiner Molly; dieselbe wurde ihm aber schon 1786 durch den Tod entrissen. Zum dritten Male heirathete er ein ´Mädchen aus Schwaben´, Elise Hahn, die ihm in einem Gedichte öffentlich
ihre Hand anbot; aber die Ehe war so unglücklich, daß er sich nach zwei Jahren von ihr scheiden ließ. Tief verletzte ihn Schiller's bittere Recension seiner Gedichte. Die Nachwelt hat das Urtheil desselben
bestätigt; nur eins verkannte Schiller in dem Dichter, das Volksthümliche, was seinen Gedichten ihre eigentliche Bedeutung verleiht und besonders in der Ballade hervortritt, deren eigentlicher Schöpfer er wurde.
Vieles freilich in seinen Gedichten ist niedrig und unrein, Vieles geschmacklos; überall aber zeichnet er sich durch den Wohllaut der Sprache, durch Leichtigkeit in der Versbildung und Darstellung aus. Der Juwel
unter seinen Balladen ist ´Lenore.´ “
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1857
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H. M. Uebersetzungen deutscher Dichtungen ins Englische. In: Blätter für literarische Unterhaltung, 28. Mai. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 407] Das ´Athenaeum´ war jüngst in der Lage, zu gleicher Zeit drei Uebersetzungen aus dem Deutschen anzuzeigen: ´Torquato Tasso: a drama, from the German of Goethe, and other
poems, translated by M. A. H.´; The German lyrist, or metrical versions from the principal German lyric poets. By W. N.´; ´Lenora: a ballad, newly translated from the German of Bürger, by Albert Smith.´[...] Das
größte Lob ertheilt er aber der Smith´schen Uebersetzung der Bürger´schen ´Lenore´. Er bemerkt: ´Unter den von W. Rind gegebenen Proben aus Bürger´s Gedichten stoßen wir auch auf eine Uebersetzung der Ballade
´Lenore´, die zwar sicherlich gut ist, aber doch von Albert Smith's neuer Bearbeitung dieses oft übersetzten Meisterwerks deutscher Balladenpoesie übertroffen wird. In der That ist es Smith gelungen, uns mit einer
Bearbeitung zu beschenken, welche unter den vielen Uebersetzungen der ´Lenore´, deren sich unsere heimische Literatur von Walter Scott´s ´William and Helen´an bis auf Rind's letzten Versuch rühmen darf, die treueste
und gelungenste ist.´ Man verdanke dies hauptsächlich, meint der Kritiker, dem Umstande, daß der Uebersetzer das Metrum des Originals ganz treu beibehalten und so die ´impressiviness of its restlessly onward rushing
numbers´ bewahrt hat. “
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1857
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Heros, Ludwig. Im Walde / Der Hammer. In: Deutscher Volks-Kalender. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 27] Auch der Leib des Menschen zeigt einen Apfel, den Adamsapfel. So nennt man nämlich scherzweise den Kehlkopf, der vorzüglich bei dem Manne stärker hervortritt. Die Sage
behauptet. dem Adam sey an dieser Stelle das Kernhaus des Apfels, den ihm Eva vom Baum der Erkenntniß gebrochen hatte, stecken geblieben, und so hätten alle Männer durch Erbschaft den Apfel überkommen. Daher läßt
Bürger die Frau Schnips zu Adam, der Ihr das Lärmen vor der Himmelsthür verbieten will, sagen: ´Ei, zupfte sich Herr Erdenkloß Doch nur an eig'ner Nase!
Denn was man ist, das ist man bloß Von seinem Apfelfraße.´ Hat der männliche Leib einen Apfel, so hat der weibliche deren zwei. Schon das hohe Lied vergleicht den weiblichen Busen mit Aepfeln, und Aristophanes sagt:
´Ueppige Fülle blähet die weichen Hüften und das runde Aepfelpaar.´
[S. 131] Seiner Gestalt nicht, wohl aber seinem fortwährenden Pochen nach hat man das menschliche Herz oft dem
rastlos arbeitenden Hammer verglichen. So sagt Bürger in seinem herrlichen Gedichte: ´Die Kuh´: ´Hier schlug ihr, indem sie im Schweiße zerquoll, Das bebende Herz wie ein Hammer,
Und drittes, noch lauteres Brüllen erscholl, Als wär's vor dem Bett in der Kammer.´ “
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1857
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Anonym. Oesterreich. In: Der Volksbote, 26. Juni. München. Digitalisiert von Google
“[S. 582] Aus der Udvarhelyer Gegend des Szeklerlandes wird eine brave That eines wackern Husarenwachtmeisters berichtet. Oberhalb der Ueberfuhr ist dort eine Furth durch den Fluß, die
gewöhnlich von Wagen passirt wird. Durch das von den Bergen herabströmende Wasser war aber der Fluß in letzterer Zeil so groß geworden, wie's selbst die ältesten Anwohner sich nicht erinnern. Da kam aus Chik eine
Dame mit ihrer Tochter und Stubenmädchen in einem mit zwei tüchtigen Pferden bespannten und mir Wachsleinwand gedeckten Wagen, und der Kutscher fuhr, wie schon oft zuvor durch die Furth, ohne eine Gefahr zu ahnen.
[...] Die Pferde und der Wagen wurde gleichfalls glücklich herausgebracht und nur eiuiges Gepäck mir Kleidern wurde ein Raub der Wellen. Die Frau hatte eine ziemlich bedeutende Summe in Banknoten bei sich, die aber
in der gutverschlossenen Brieftasche nur feucht geworden waren. Sie bot ihrem Retter eine schöne Summe aus Dankbarkeit an, allein er schlug alles aus und ließ sich zuletzt bloß 5 fl. aufzwingen. In der
nächstfolgenden Nacht wurd' er unwohl und sprach irre, aber am folgenden Morgen fühlte er sich wieder gut; die Frauen sind seitdem unwohl. Wer erinnert sich hierbei nicht an Bürgers ´Lied vom braven Mann´! “
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1857
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Hiemer, Karl. Das Bisthum Mainz. In: Die Einführung des Christenthums in den deutschen Landen. Erster Theil. Schaffhausen. Digitalisiert von Google
“[S. 167] Ich habe ein Blättchen in meinem Stammbuche; darauf steht von der Hand eines Freundes geschrieben: ´Wenn dich die Lästerzunge sticht,
So laß dir dieß zum Troste sagen, Die schlecht´sten Früchte sind es nicht, Woran die Wespen nagen.´ Ich will es nicht behaupten -
ich behaupte nichts, was nicht von der Geschichte besiegelt ist - ich will es nicht behaupten, aber es kann beinahe nicht anders sein, die Lästerzunge trug wohl auch Einiges dazu bei, dem beneideten Cöln die Palme
aus der Hand zu winden, aber eben darin finde ich den schlagendsten Beweis dafür, daß es der Palme würdig gewesen. “
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1857
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Kutzen, J. Der Tag von Kolin. In: Vor hundert Jahren. Zwei Gedenktage deutscher Geschichte. Breslau. Digitalisiert von Google
“[S. 24] Aber der Mensch, auch der höchst gestellte, begabteste und glücklichste, soll den Tag nicht vor dem Abende loben! Statt eines ruhmreichen baldigen Friedens kamen für ihn
anstrengende Feldzüge voll Widerwärtigkeiten, Sorgen und Entbehrungen, und noch sechs Jahre dauerte es, ehe geschah, wovon später der Dichter sang: ´Der König und die Kaiserin,
Des langen Haders müde, Erweichten ihren harten Sinn, Und machten endlich Friede; Und jedes Heer mit Sing und Sang,
Mit Paukenschlag und Kling und Klang, Geschmückt mit grünen Reisern, Zog heim zu seinen Häusern´. Das Glück, bisher die willige Begleiterin aller Schritte Friedrich's,
folgte von jetzt Anfangs zögernd, blieb bald zurück und wendete sich dann für längere Zeit gänzlich von ihm ab. “
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1857
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Anonym. Die Einlagsgelder der 32. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte. In: Bonplandia, 1. Mai. Hannover. Digitalisiert von Google
“[S. 114] Die Wiener Akademie muss sich nach unserem Dafürhalten bei der Entscheidung zum Wahlspruch nehmen:
´Ein Kaiserwort soll man nicht drehn und deuteln.´ Der Kaiser wünscht, dass die Gelder zu einem rein wissenschaftlichen Zwecke verwendet werden mögen, und diesem Wunsche gemäss muss die Entscheidung sowohl dem Buchstaben wie dem Sinne nach entsprechen. “
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1857
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S. Bürger’s Andenken. In: Die Gartenlaube. Digitalisiert von Google
“[S. 88] Dornen und Disteln hat sich Bürger im Leben freilich reichlich durch eigene Schuld gepflanzt und durch seine Leidenschaft genährt, so daß er sich nach dem sittlichen Urtheile
der Welt, das durch Schiller vorzüglich einen Ausspruch erhalten, kein Denkmal erworben hat; in der poetischen Nationalliteratur nimmt er jedoch, seiner Balladen wegen, einen eminenten Platz ein und die Musen
Göttingens müssen deshalb mit Wehmuth auf ihres Lieblings Grab blicken, daß unter der durch Pietät geheiligten Akazie sich profanes Unkraut und Disteln eingenistet haben. “
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1857
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Müller, Adolf. Vorwort. In: Die Schlacht bei Prag, Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 7] Aufgeregt durch
die Vorstellung einer unsterblichen Vergangenheit war ich im Geiste mit König Friedrichs Macht gezogen in die Prager Schlacht, und schaute vor mir die preußischen Heere von der mährischen bis zur baierschen Grenze,
wie sie längs des Riesen-, des Lausitzer- und des Erz-Gebirges hin zum Einfall in Böhmen bereit standen.”
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1857
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P. Die wilden Jäger. In: Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitung, 10. Mai. Digitalisiert von Google
“Wer kennt nicht die Sage von der wilden Jagd, zu welcher der wilde Gaugraf wegen seinem Frevel an Gott und Mensch und Thier durch ein plötzlich hereingebrochenes Gottesgericht
verurtheilt wurde - von der wilden Jagd, die durch die Lüfte fährt, bei welcher der wilde Jäger nun selbst das Wild ist, welches gehetzt wird zur Warnung für Alle,
Die, um verruchter Lust zu frohnen Nicht Schöpfer noch Geschöpf verschonen. Solcher wilder Jäger gab es von jeher viele und gibt es jetzt noch
mehr; aber keine Gattung war und ist so wild und grausam, so keck und blasphemisch, als diejenige, die nach Besitz jagt und in Besitz ihr Ziel und Alles setzt.”
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1857
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Insertum. In: Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen, 07.06.
“An den edlen, hochgeachteten Mann Herrn Andreas Sommer, von einer ihm unbekannten, doch im Jahre 1848 gleichfühlenden Freundin.
Dem Verdienste seine Krone: Wenn Dich die Lästerzunge sticht,
So laß Dir dies zum Troste sagen: ´Die schlechten Früchte sind es nicht, Woran die Wespen nagen!´
Charlottenburg. A. H.”
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1857
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Anzeige. In: Magdeburgische Zeitung, 18.07.
“Thalia-Theater in Buckau. Sonntag, den 19. Juli 1857
Lenore, vaterländisches Gemälde mit Gesang in 3 Acten. Zum Schluß: Bilder.”
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1857
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B. Z. Theater in Passau. In: Donau-Zeitung 29. Jäner
"Am Freitag den 30. Jäner werden wir das schon längst gewünschte und so beliebte Volksdrama ´Lenore´ auf unserer Bühne aufgeführt sehen, und zwar zum Benefize des Hr. Dieck. Dieses
so zu Herzen sprechende Volksstück ist wohl eines der gelungensten Bühnenwerke, das die Gemüther der Menschen mit einem wahren und tiefen Eindruck beseelt. Wem ist wohl Bürgers Lenore nicht bekannt, wonach Holtei
uns ein so treffliches Volksdrama geliefert. Herr Dieck konnte nichts besseres zu seinem Benefize wählen, als oben genanntes Stück, und wir können nur wünschen, daß´wir den Fleiß, den und derselbe bisher bewiesen,
durch einen zahlreichen Besuch zu vergelten trachten. Auch werden wir an diesem Abende den holländischen Holzschuhtanz der beiden jungen Damen Fräul. W..... und Fräul. Käthchen Ränftle zum Genuß haben.”
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1857
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Anzeige. In: Der Tagesbote aus Böhmen 24.1.
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1858
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Marggraff, Hermann. Bürger und Hölty [Rezension]. In: Blätter für literarische Unterhaltung. Nr.1. 1858
“[S. 1] Beide, Hölty und Bürger, brachten das Recht der Subjectivität im Liede wieder zur Geltung und besonders Bürger liebte es bis zur Indiscretion, die freilich nur ihm schadete,
sein ganzes Ich in seinen Liedern zu offenbaren und selbst bloßzustellen. Wenn er mitunter auch demüthig an seine Brust schlug und mit stolzer Bescheidenheit bedauerte, „daß seine Palmen Keime eines
bessern Lenzes werth gestorben seien“, so hatte doch Keiner ein so hohes Bewußtsein von seinem Berufe als Dichter wie Bürger, und Keiner hat wohl so viel beigetragen als er, auch in andern mittelmäßigern
Dichtern das gleiche traditionell gewordene Souveränetätsgefühl zu entzünden, womit man auf seine Rechte als die eines gottbegnadeten Poeten pocht. Dennoch hatte auch dieses Selbstbewußtsein seinen Werth, denn es
hob den Dichtern jener Zeit die Schwingen und spornte sie zu den unerhörtesten Anstrengungen; das schüchterne, oft fast bettelhafte und bedientenmäßige Wesen, welches bis dahin den deutschen Poeten so häufig
angeklebt hatte, verschwand, das Publicum, welches sich durch ein selbstbewußtes Auftreten immer leicht imponieren läßt, fing an auch auf die Personen seiner Dichter etwas zu geben, und die Vornehmen und Fürsten
beugten sich der neuen Thatsache, daß, nach Schiller´s Ausspruch, der Dichter fortan „mit dem Könige zu gehen“ habe, weil beide „auf der Menschheit Höhen“ ständen. Für seine eigene Existenz hatte Bürger freilich
keinen Gewinn davon, daß er die Souveränität des Poetenthums proclamirte, aber Andere hatten ihn und begründeten einen stattlichen Musenhof, während Bürger, vom Volk und von den Großen verlassen, abseits von der
Heerstraße traurig verkümmerte.
[S. 2] Bürger führt uns in Tiefen, in die uns bis dahin noch kein deutscher Dichter geführt hatte; er erschließt uns ein Reich dämonischer Gewalten, das doch wieder kein anderes ist als
das Reich der dämonischen Leidenschaften, welche die Seele des Menschen beherrschen und zerreißen. Bürger kannte die Gefahren dieser Leidenschaften, und so haben seine Balladen meist auch eine lehrreiche Tendenz. In
dieser Hinsicht steht auch seine Ballade vom „Wilden Jäger“ sehr hoch. Die Doppelnatur und Zweitheiligkeit des Menschen, dem der gute Dämon der Vernunft warnend rechts und der böse der Leidenschaft hetzend links zur
Seite gehen, ist nie treffender und anschaulicher allegorisiert, nie eine populär-didaktische Tendenz so drastisch in Scene gesetzt worden. Mag auch die Vorstellung von den guten und bösen Engeln, welche den
Menschen zur Seite stehen, weit verbreitet sein und sich auch im Morgenlande Anklänge daran vorfinden, so hat doch kein Dichter vor Bürger diese Vorstellungen in so plastischer, farbenreicher, überzeugender und
dramatischer Weise zu veranschaulichen und zu verleiblichen gewußt. [...] Wenn die romatische Schule, freilich mit Ausschließung der bei Bürger vorwaltenden lehrhaften Tendenzen, von diesem dämonischen,
gespenstischen Zuge der Bürger´schen Balladenpoesie ohne Zweifel nicht unberührt blieb, so ist die Bürger´sche Form andererseits auf unsere vorzugsweise so genannten classischen Dichter nicht ohne Einfluß geblieben.
Denn so wild, gespenstisch, herzzersprengend der Inhalt seiner Balladen, so leidenschaftlich, oft bis zum Taumel sinnlich die Empfindung in manchen seiner Gedichte auch sein mag, so ist die Form doch stets correct
und aufs äußerste gefeilt, und er gab damit ein Beispiel, das zu einer Zeit, wo die Sturm- und Drangdichter zum Theil die Form aufs heilloseste verwahrlosten und die Sprache in Roheit und Verwilderung zu stürzen
drohten, sehr nöthig und gewiß nicht ohne Folgen war.
[S. 9] Hier aber kommen wir wieder an einen Umstand, der die plebejischen Neigungen Bürger´s vielfach erklärt und bis zu einem gewissen Grade entschuldigt, und wir müssen uns wundern,
daß weder Pröhle noch unsers Wissens irgend sonst ein Literaturhistoriker auf diese entschuldigenden Umstände Gewicht gelegt hat. Bürger war durch seinen Beruf als dörflicher Justizamtmann in schlechte
ungebildete Gesellschaft gerathen. In den entsprechenden Kreisen herrschte bei gleichem Hang zu materiellen Genüssen und vulgären Vergnügungen damals gewiß ein bei weitem größeres Behagen an cynischen Späßen und
rohen Ausdrücken als heutzutage. Bürger mußte schon aus blos geschäftlichen Rücksichten in der Sprache dieser Leute reden. Gerade die von Pröhle mitgetheilten Briefe an den Amtmann Schrufler, welche nach Pröhle´s
Versicherung zeigen, „wie oberflächlich Bürger damals lebte“, beweisen dies. An seine literarischen Freunde pflegte Bürger in ganz anderm Tone zu schreiben. Noch mehr beweist dies das theils cynische theils platte
Geburtstagsgedicht aus dem Jahre 1782. Wenn man bedenkt, daß dieses Gedicht an eine Dame von Adel gerichtet war, und daß diese so gut wie Bürger´s Frau die darin enthaltenen unsaubern Späße und Anspielungen ohne
Zweifel herzlich belacht und höchst geistreich gefunden haben mag, so hat man den Maßstab, den man anlegen muß, um Bürger billig zu beurtheilen und zu entschuldigen. Freilich wird man
sagen, daß ein Dichter von Bürger´s hohen Anlagen sich nicht zu dem Niveau seiner Umgebung erniedrigen solle. Wer aber wird leugnen wollen, daß der Dichter der „Lenore“, der „Nachtfeier der Venus“, des „Liedes vom
braven Manne“ u.s.w., der Menschenfreund, der so edel an dem Denuncianten Liste handelte, seine Umgebungen, wenn er sich auch ihrem Geschmack bis zu einem gewissen Grad bequemte, weit, weit überragt und alle jene
Justizbeamten und Amtleute, alle jene adligen Personen, mit denen er zu thun hatte, seine Frau und selbst die gefeierte Molly an wahrer Bildung des Gemüths und Geistes in unendlichem Abstand übertroffen habe? [...]
Schlug Bürger häufig einen plebejischen cynischen Ton an, so begegnen wir demselben Ton auch in vielen Jugendgedichten Schiller´s, von denen nur ein geringer Theil in seine Werke
übergegangen ist. Mehre derselben, die an Cynismen gewissen Bürger´schen Gedichten nichts nachgeben, kann man bei Boas nachlesen. Auch bekanntere Jugendgedichte Schiller´s, wie ´Männerwürde´, ´Triumph der Liebeß´
u.s.w., zeigen ihn als einen mitunter ganz entschiedenen Nachahmer Bürger´s, und Pröhle weist mit Recht darauf hin, daß gerade das drückende Gefühl, sich dem Bürger´schen Einfluß zu sehr hingegeben zu haben, ihn
besonders gereizt haben möge, später diesen Einfluß zu verwerfen und in seiner bekannten Recension der Bürger´schen Art und Weise den Krieg zu erklären. Auf der andern Seite fehlte es auch Bürger so wenig
an rhetorischem Schwung wie Schiller, und wenn Schiller ihn bei weitem an Fülle hoher und edler Gedanken und an Vielseitigkeit des Schaffens übertraf, so übertraf ihn Bürger als Lyriker an Lebhaftigkeit der
Phantasie und volksthümlichem Realismus. Auch Bürger rang, in seiner Weise, nach dem Höchsten, und nur die höchsten Muster hatte er vor Augen; er verehrte Homer, Ossian, Shakespeare, und wie in der Ballade, hat
Bürger auch im Sonett, der zartesten Dichtungsform, in Deutschland zuerst Mustergültiges geschaffen. So lagen in beiden Dichtern – auch Schiller´s Erstlingsdramen beweisen dies zur Genüge – Hohes und Niedriges,
Vornehmes und Geringes, Zartes und Derbes, Reines und Unreines, Sinnliches und Uebersinnliches dicht beieinander.
[S. 10] Die Verdienste Bürger´s als Dichter hat der Verfasser in den meisten Stücken gerecht gewürdigt; bei der Beurtheilung seiner Sitten und Verirrungen macht sich aber vielfach jener
absprechende Rigorismus geltend, welcher der kritischen Schule eigen ist, der Pröhle anzugehören oder zuzuneigen scheint. Das selbstschmeichlerische Gefühl sittlicher Superiorität ist freilich den meisten Menschen
eigen, und die Neigung, über die Handlungen der Nebenmenschen kurzweg den Stab zu brechen, sehr verbreitet. Aber selbst der Criminalrichter hält es für seine Pflicht, bei gerichtlichen Proceduren mildernde Umstände
in Rechnung zu bringen, während manche unserer Kritiker und Literaturhistoriker sich das Recht angemaßt zu haben scheinen, immer nur das Schlimmste herauszukehren und Personen, die aus ihrem Grabe heraus sich nicht
mehr vertheidigen können, an den Pranger zu stellen. Man würde einen Geistlichen, der sich solche Verdammungsurtheile gegen bestimmte Individuen auf der Kanzel gestattete, des Zelotismus beschuldigen und Wehe über
ihn rufen, und gewiß wirkt doch die Schrift auf weitere Kreise und in fernere Zeiten als das gesprochene Wort. Inwieweit freilich das Amt des Sittenrichters mit dem des Schriftrichters Hand in Hand zu gehen habe,
muß jedem sein eigenes Gewissen sagen.”
Marggraffs Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK
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1858
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Marggraff, Hermann. Goethe und die neueste Literatur über ihn. In: Blätter für literarische Unterhaltung. Nr. 17.
“[S. 308] Selbst Schiller und sein Einfluß auf Goethe scheint uns von Lewes nicht in seiner ganzen Bedeutung erfaßt zu sein. Noch weniger Herder, dem er schon im ersten Bande nicht ganz
gerecht wurde. Auch Bürger wird einmal ziemlich wegwerfend erwähnt und wenn schon die angeblichen Worte, mit denen er sich bei Goethe eingeführt haben soll (´Sie sind Goethe, ich bin Bürger!´) allerdings
´abgeschmackt´ erscheinen, hätte Goethe doch gerade wegen seiner Ueberlegenheit in so vielen Dingen sich gegen den unglücklichen Mann großmüthiger zeigen können, als dies in der That der Fall war. Er konnte Bürger
durch irgendeine feine Bemerkung immerhin in seine Schranken zurückweisen, aber schön finden wir es nicht, daß Goethe den berühmten Balladendichter so von oben herab behandelte und statt über Gegenstände der Poesie
und Literatur mit ihm zu sprechen, sich darauf beschränkte, ihn über den Zustand der Universität Göttingen und die Zahl der Studenten auszufragen. Goethe wurde hier seinem Grundsatz, von allen zu lernen, vollkommen
untreu, und daß sich von Bürger selbst für Goethe, z.B. in Bezug auf Balladenpoesie und volksthümliche Dichtung, etwas lernen und etwas Brauchbares hervorlocken ließ, ist gewiß ohne Frage. Daß der Dichter der
´Lenore´, welcher in Deutschland seinerzeit sogar einer größern Popularität als selbst Schiller und Goethe genoß, daß er, der eigentliche Schöpfer der deutschen Ballade, der er mit keckem genialen Griffe sofort Ton
und Richtung anwies, sich selbst einem Goethe gegenüber in seinem eigenthümlichen Werthe fühlte, wird man ihm schwerlich verdenken können. Gute Gesellschaft hatte Bürger freilich wenig gesehen; um so mehr aber
verdiente er Nachsicht. Ein geborener Aristokrat würde sich wahrscheinlich gegen Bürger liebenswürdiger benommen haben, ohne seiner Würde etwas zu vergeben.”
Marggraffs Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK
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1858
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Anonym. Schiller und das Buch von Palleske. In: Bremer Sonntagsblatt. No. 27, 4. Juli
“[S. 216] Schiller war freilich niemals der Mann der feigen Reue, der im Sündengefühl schwelgte; sobald er mit seiner Vergangenheit brach, entfernte er sie aus seinem Gesichtskreis und
leistete dadurch Genugtuung, daß er Großes schuf und edel lebte. Aber wenn einmal die Gestalten seiner Vergangenheit vor ihm auftauchten, konnte er sich doch einer gewissen Scham nicht erwehren; ja manche
anscheinend gehässige Angriffe gegen andere werden nur aus diesem Schamgefühl über seine eigene Vergangenheit erklärlich. Man hat die bekannte Recension über Bürger sehr scharf getadelt, und Bürger hatte in der That
Grund sich zu beschweren, nicht über die Ungerechtigkeit, wohl aber über die Lieblosigkeit des Kritikers; aber wenn dieser so scharf den Satz hervorhob, daß aus einem unharmonischen Leben, aus einem unharmonischen
Gefühl nothwendig auch unharmonische Dichtungen hervor gehen, so meint er ebenso sehr den Dichter des Fiesco als den Dichter der Lenore. Schon der Kritiker von 1783 und 1784 hatte das stille Gefühl, daß in seinem
Innern irgend etwas nicht richtig sei. Er hatte zugleich, und das unterscheidet ihn von Bürger, das Gefühl seiner Kraft und seines eisernen Willens, die Verwirrung zu lösen, sobald er sich nur mit seinem Bewußtsein
ins Klare gesetzt. Man verstehe unter der Verwilderung seiner frühern Jahre nicht etwa Verstöße gegen das äußere Sittengesetz; an denen hat es Goethe auch nicht fehlen lassen: es ist vielmehr eine trübe Gährung des
Gefühls, in der edle und unedle Motive durcheinanderwogen, ein Ueberstürzen der Kraft, das nicht selten in Schwäche übergeht, ein fortwährendes Schwanken zwischen Extremen, eine Unsicherheit des Gefühls, welche die
größten Bedenken für die Zukunft erregen mußte.“
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1858
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Mayer, Karl August. Deutsche Geschichte für das deutsche Volk. Zweiter Band. Digitalisiert von Google.
“[S. 164] Mit den göttinger Brüdern in Verbindung standen ferner Bürger und Claudius. Gottfried August Bürger, 1748 zu Wolmerswende im Halberstädtischen geboren, 1792
[1794 !] als außerordentlicher Professor in Göttingen gestorben, übertraf an Begabung diese ganze Gruppe; aber seine poetische Kraft zerbrach an zum Theil selbst verschuldeten Leiden. Keiner hatte bis dahin, wie er,
den Volkston zu treffen gewußt. Seine tiefempfundenen, in Wohllaut dahinströmenden Liebeslieder und Balladen - welche Gattung er in die deutsche Poesie einführte - machten ihn zum Lieblinge der Nation, vor allen seine Leonore,
die deutsche Musterballade, in welcher dem unglücklichen Dichter ein unverwelklicher Lorbeer erblüht ist.”
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1858
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Schmidt, Julian. Schiller 1789-94. In: Geschichte der deutschen Literatur. Erster Band Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 197] Für Schiller waren diese Studien nur die Darstellungen eines idealen sittlichen Läuterungsprocesses. Ein freilich harter Ausdruck desselben war die Recension über Bürger
(l791)*. Daß er dem Gegenstand nicht ganz gerecht geworden, fühlte er später selbst. Er hatte dem Dichter über sein Talent viel gute Worte gesagt, allein er hatte es nicht zergliedert, wie es doch die Aufgabe des
Kritikers ist. Wenn Bürger über jene Kritik außer Fassung gerieth, so war zum Theil die verletzte Eitelkeit daran schuld, hauptsächlich aber die persönliche Wendung, die Schiller der Sache gab. Er hatte den Mangel
an dichterischer Vollendung aus der unfertigen geistigen und moralischen Bildung des Dichters hergeleitet. Der Dichter könne uns nichts geben als seine Individualität: diese müsse zur reinsten Menschlichkeit
geläutert sein, ehe er die Menschheit zu rühren unternehme; kein Talent könne dem Kunstwerk verleihen, was seinem Schöpfer abgeht. [...] Das Idealschöne wird schlechterdings nur durch eine Freiheit des Geistes
möglich, welche die Uebermacht der Leidenschaft aufhebt. — Die Wahrheit, die in diesen Worten liegt, so bitter sie Bürger im geheimen Gefühl seiner moralischen Unfertigkeit empfinden mußte, ist aus alle Fälle eine
einseitige. Die Härte, mit welcher sie ausgesprochen wird, erklärt sich daraus, daß Schiller seine eigne unreife Vergangenheit im Auge hat. Der strenge Läuterungsproceß, dem er seine Seele unterwarf, machte ihn auch
gegen andere hart. Daß eine glückliche Natur eines solchen Läuterungsprocesses nicht bedarf, war ihm noch nicht in eigner Erfahrung aufgegangen, und gegen den Dichter, an dem er es sich wohl hätte klar machen
können, war damals seine Seele noch mit Bitterkeit erfüllt. Wenn Bürger auf einer Altersstufe, die den Gedanken an eine wesentliche Umschaffung des Charakters ausschloß, über die persönliche Wendung der Kritik
erbittert war, so war ihm dieses nicht zu verargen: es ist immer ein Misbrauch, wenn man eine dichterische Erscheinung, statt sie in ihrem vollen Umfang zu würdigen, nur zur Entwickelung allgemeiner Ideen benutzt.
* Der unglückliche Dichter (geb. 1748, seit l784 Docent in Göttingen, der in Lenore, dem wilden Jäger, des Pfarrers Tochter von Taubenhain, dem braven Mann u s. w. der deutschen Lyrik
die edelsten Blüten geschenkt, büßte die schwere Schuld seiner ersten Ehe (1774—84) durch den Tod der geliebten zweiten Frau (1786) und durch die Schmach der dritten, poetischen Ehe (1790—92). Völlig gebrochen starb
er 8. Juni 1794. A. W. Schlegel, in Göttingen sein Schüler und Günstling, hat in der Recension von 1800 seine unendlichen Verdienste um die Entwickelung der deutschen Kunst, mit scharfer Hervorhebung seiner
Schwächen, musterhaft auseinander gesetzt.“
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1858
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Gude, C. Bürger. Lenore. In: Erläuterungen deutscher Dichtungen.
“[S. 39] Kein Gedicht hat bei seinem Erscheinen eine so große Bewunderung erregt, keins so rasch Eingang in alle Kreise gefunden, als die Lenore. Im Fluge durcheilte sie ganz
Deutschland, mit Jubel ward sie von allen Schichten des Volkes, von den niedrigsten bis zu den höchsten, begrüßt, und bald war sie als Lieblingsgedicht im Munde Aller.
[S. 45] Unstreitig ist unter Bürgers sämmtlichen Balladen die Lenore die bedeutendste. Sie ist als Ballade des Schauers und des Grauens bis heute noch von keiner andern übertroffen
worden und wird stets in der Entwicklungsgeschichte unserer Poesie schon deshalb unvergeßlich bleiben, weil von ihr eine bessere Behandlung der Balladen ausgegangen ist und durch sie der deutschen Poesie eine neue
Bahn, in der sie so Vortreffliches geleistet, eröffnet wurde. Es zeugt von einer nicht gewöhnlichen Schöpfungskraft des wachgewordenen Geistes, daß eine so reife Frucht, wie die Lenore, dem deutschen Volke schon
geboten werden konnte, als man eben erst angefangen hatte, die Poesie von den beengenden Fesseln der französischen Literatur zu befreien. [...] Wir heut zu Tage, die wir durch spätere Leistungen verwöhnt sind,
können uns kaum eine Vorstellung von dem Interesse machen, das man an der Lenore und mit ihr an dem Aufschwunge unserer Poesie nahm, ein Interesse, das zugleich ein nationales war. Die Lenore ward mit gleichem Jubel
in den Hütten wie in den Palästen begrüßt, und Johannes Müller, der Geschichtsschreiber, sagt in seinen Briefen: "sie habe ihm eine schlaflose Nacht gekostet."
[S. 46] Der Volkspoesie abgelauscht sind die öfter vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Wortes, so wie auch der Gebrauch solcher Wörter, die in ihren Consonanten, wie in den
Vorstellungen, die sie bezeichnen, verwandt sind, z.B. Kling, Klang; Sing, Sang. Ueberhaupt ist die phantasievolle Lebendigkeit, mit welcher der Dichter die äußeren wie die inneren Vorgänge auch durch den Klang
einzelner Vocallaute, wie durch den Klang ganzer Wörter zu zeichnen und nachzuahmen gewußt hat, nicht genug zu bewundern, zumal wenn man die Zeit der Abfassung bedenkt. Alle musikalischen Elemente der Sprache treten
lebendig, kräftig und mit hinreißendem Wohllaut hervor. Fehlt es auch hie und da nicht an Uebertreibungen, so kann uns das doch nicht abhalten, die Vortrefflichkeit des Ganzen, die sich auch in der Anwendung
ergreifender Gegensätze kund giebt, anzuerkennen.”
Gudes Erläuterung der Lenore in der ONLINE-BIBLIOTHEK
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1858
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Marggraff, Hermann. Hausschatz der deutschen Humoristik. Digitalisiert von Google.
“[S. 37] Dieses volksthümliche Element zeigte sich aber entschieden in manchen Liedern und Erzählungen Gottfried August Bürgers (1748-1794), des eigentlichen Schöpfers der deutschen Ballade, Christian Daniel Friedrich Schubarts (1739-1791), der zu den ersten deutschen Dichtern gehört welche eine patriotische freisinnig politische Richtung einschlugen, wofür er auch mit hartem zehnjährigen Gefängniß auf dem Hohenasberg büßen mußte, Johann Heinrich Voß (1751-1826) und andern dem Hainbunde nahe stehenden Dichtern, in dem östreichischen Dichter Aloys Blumauer (1755-98), in mehren Dialectdichtern usw. Zwar trat dies volksthümliche Element oft eben so lasciv als derb und ungeschlacht auf, wie in Bürgers ´Frau Schnips´ (einem englischen Gedicht nachgeahmt, nur plumper) ´der Raub der Europa´, ´die Menagerie der Götter´, in der ´Petrarchischen Bettlerode´, worin der sonst so zarte Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776) Jacobi's Lied ´Wenn im leichten Hirtenkleide´ parodirte, in verschiedenen derb komischen Gedichten Blumauers, zum Theil auch in desselben vielgelesener und bisweilen drolliger, öfter aber noch platter und trivialer Travestie der Aeneide, usw. und es war eben kein günstiges Zeugniß, daß gerade diese Gedichte populär wurden. Aber diese Derbheit hatte doch auch wieder ihre günstigen Folgen, indem sie einen kräftigen Gegenhalt gegen den zu feinen und glatten Atticismus bot, der sich neben ihr auf Kosten des Volksthümlichen einseitig geltend machen wollte.
[S. 41] In diese Zeit fällt auch ein lustiges Büchlein, welches zwar in unsern Literaturgeschichten sich nicht blicken lassen darf, in der Geschichte der Entwickelung des Humors aber eine sehr bedeutende
Rolle spielte. Wir meinen die ´Abenteuer des Barons Münchhausen´. Wenn man das Buch nur als eine Sammlung gewöhnlicher Jägeranekdoten ansieht, dann freilich ist sein literarischer Werth sehr gering. Blickt
man aber tiefer, so wird man in ihm eben sowol das Glied als den Hauptrepräsentanten einer besondern Gattung der Humoristik, der Lügenliteratur erblicken und zugleich die Manifestation einer eigenthümlichen Neigung
der Menschen, aufzuschneiden und sich an Aufschneidereien zu ergötzen. Außerdem hat das Buch einen Weltruf erlangt; Münchhausen gilt in allen Ländern als der eigentliche Lügenvater; spätere Humoristen wie Immermann
haben diese Figur Münchhausens benutzt als Mittelpunkt für eigene Schöpfungen ( Die neueste Münchhausiade ist die des Verfassers gegenwärtiger Abhandlung: "Fritz Beutel" (Frankfurt, 1854), zugleich eine
Persiflage des Schwindelwesens der neuern Zeit. Die neueste Ausgabe des älteren Münchhausen befindet sich in den Düsseldorfer Volksbüchern und ist mit Illustrationen ausgestattet.), und Frankreich ist sogar gegen
Deutschland in Kampf getreten, um diesem die Erfindung dieser Gattung streitig zu machen und sie auf normannischen und gascognischen Ursprung zurückzuführen. Dies geschah bei der Wiederauflage eines ältern
französischen Buches ´La nouvelle fabrique des excellents traits de vérité, livre pour inciter les reveurs tristes et mérancoliques á vivre de plaisir par
Philipe d´Alcripue, sieur de Neri en Verbos.´ Es sollen sich in diesem Buche so gut wie in Heinrich Bebels ´facetiis´ (Straßburg, 1508) einzelne Anekdoten und Aufschneidereien finden, die man bei Münchhausen wiederfindet. Ohne Zweifel haben Baron Münchhausen und der erste Bearbeiter und Sammler seiner Erzählungen einzelne solcher Geschichten benutzt, die man sich aber nicht blos in Frankreich, sondern auch in deutschen Kasernen und Forsthäusern erzählt, und deren eigentliche erste Quelle nicht nachzuweisen sein möchte. Aber man weiß, daß Baron Münchhausen seine Aufschneidereien zum Theil an eigene Abenteuer anknüpft, die er als russischer Cavallerieofficier in den türkischen Feldzügen 1737-39 erlebt haben wollte, und daß sie daher eine sehr bestimmte individuelle theils lokale, theils zeitgeschichtliche Färbung tragen. Erfindungen z. B., die man zur Zeit der ältern Aufschneider nicht kannte, spielen bei Münchhausen eine häufige Rolle. Auch der unnachahmlich trockne Ton, mit dem seine Abenteuer erzählt sind, scheint ihm oder seinem literarischen Famulus eigenthümlich zu sein. Zu bemerken ist ferner, daß die Hunters und Trappers in den Wildnissen Nordamerikas und überhaupt die Yankees ebenfalls Aufschneidereien in hohem Grade lieben, daß sie Abkömmlinge jener Niedersachsen sind, deren Stamm auch Münchhausen angehörte und daß wir in diesem Zusammenhange vielleicht auf ein ursprünglich niedersächsisches, vielleicht niedersächsisch-normannisches Element gerathen. Bekanntlich erschienen die Abenteuer Münchhausen's zuerst in englischer Sprache als ´Narrative of his marvellous travels and campaigns in Russia´ (London 1785 und öfter), und Ellissen hat in seiner trefflichen Einleitung zur 6. Auflage der deutschen Ausgabe (1849) die Ansicht in Schutz genommen, daß der Hannoveraner Rudolph Erich Raspe das Buch verfaßt habe. Eine Zeitlang galt sogar der Dichter Bürger als Verfasser, wie noch Kurz und Pfeiffer behaupteten, er soll jedoch nur Uebersetzer, und zwar der vierten englischen Ausgabe sein, und selbst dieses ist noch nicht bis zur Evidenz erwiesen.”
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1858
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Hagen, Karl. Der göttinger Hainbund. In: Deutsche Geschichte von Rudolf von Habsburg bis auf die neueste Zeit. Band 3. Digitalisiert von Google.
“[S. 311] Dieser Gruppe entgegengesetzt war die des Göttinger Hainbundes. Er wurde im Jahre 1772 von mehreren jungen Männer in Göttingen, die theilweise noch studierten, gestiftet Die
Mitglieder desselben waren Boie, Bürger, von Schönborn, Cramer, Hahn, Hölty, die Gebrüder Stolberg, Voß, Miller: auch Claudius ist dahin zu rechnen. Dieser Bund lehnte sich an Klopstock an, an seine vaterländische
freiheitliche und zugleich streng sittliche Richtung; Klopstock wurde von diesen Jünglingen als Vater verehrt, während sie zugleich entschieden feindselig gegen Wieland auftraten, d.h. gegen seine üppig sinnliche
und französirende Richtung und bei ihren Zusammenkünften z. B. seine Bücher verbrannten. Nur Bürger machte in dieser Beziehung eine Ausnahme; bei ihm war vielmehr das sinnliche Element sehr stark vertreten. Dagegen
warfen sie sich mit allem Eifer auf das Volksmäßige: das Volkslied wurde nach dem Vorgange Herders gerade von diesem Bunde auf das Lebhafteste gepflegt und in Aufnahme gebracht. Auch ging aus seinem Schooße wirklich
eine Erneuerung des Volksliedes hervor. Bürger (1748-1794) hat es hierin allen andern zuvorgethan: seine Leonore, die im Anfang der siebziger Jahre erschien, wirkte schlagartig und hat offenbar auf diesem Felde die
Bahn gebrochen. Und so war auch der politische Freiheitssinn eines der wesentlichsten Merkmale dieser Verbindung. Haß gegen die Tyrannen (gegen die Fürsten), gegen ihre Willkür, gegen ihre schnöde Behandlung der
Unterthanen machte sich in einer Menge von Gedichten Luft. Wenn übrigens Anfangs das deutsche Element eine sehr große, fast ausschließliche Rolle bei ihm spielte - mit Hindeutung auf die altdeutschen Zustände
nannten sie sich den Hainbund, sie selbst sich Barden - so wurde doch auch das Studium der Alten in dem neuen von Lessing und Herder angegebenen Sinne nicht vernachlässigt. Ja, es gingen aus ihm später sehr
schätzbare Übersetzungen derselben, wie z. B. die voßischen, hervor.”
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1858
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Düntzer, Heinrich. Goethe´s lyrische Gedichte. Erster Band, Elberfeld. Digitalisiert von Google
“[S. 6] Seine [Goethes] Lieder sind der natürliche Ausdruck des schöpferisch gestaltenden, zu klarster Verkörperung des durchempfundenen Gefühls
vordringenden Gemüthes, das auch die Sprache mit ureigener Kraft durchweht, ihr jenen hellen Silberklang, jenen glücklichen Fluß, jene bezaubernde Leichtigkeit und sich anschmiegende Eindringlichkeit verleiht, durch
welche Goethe ganz einzig da steht als der vollendetste Ausdruck des deutschen Gemüthes, wogegen in Schiller das tiefsinnige Versenken des deutschen Gedankens in die Welt der Erscheinungen sich dichterisch
verklärte, wie wir in Bürger die entschiedenste Anlage zum wahren deutschen Volksdichter finden, der zum Volk herabsteigt, um es mit seinen eigenen Anschauungen, Gefühlen und Geschichten zu unterhalten, während
Goethe und Schiller die Seele zu reineren Lüften erheben.
[S. 199] Seit der Bekanntschaft mit den altenglischen Volksliedern drang der Name Ballade ein, doch ohne daß man diese von der Romanze bestimmt
geschieden hätte. Bürger wollte die beiden Ausdrücke auf verschiedene Arten der dichterischen Erzählung bezogen wissen, doch stand er noch an, ob er die scherzhafte Ballade, die rührende Romanze nennen sollte oder
umgekehrt; für das letztere ließ er sich durch seinen Freund Boie, den Herausgeber des göttinger MusenAlmanachs, bestimmen. Mit seiner Ballade Lenore feierte Bürger den vollständigsten Erfolg, da sie noch in viel
weitere Kreise drang als der vom Jubel des ganzen gebildeten Deutschlands gehobene Götz. So war denn Bürger der Schöpfer der neuern deutschen Ballade geworden, deren Name von jetzt an häufiger neben der Romanze
erschien, ohne daß eine genaue Unterscheidung hätte Platz greifen können, und auch die scherzhafte Behandlung war mit der Lenore noch keineswegs ganz abgethan. “
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1858
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Lau, Thaddaeus. Karoline von England. In: Bremer Sonntagsblatt. No. 18. 2. Mai
“[S. 137] Das Dasein ist kein Maientag und die Welt kein Hochzeitsfest. Stürme brausen, und hoch geht bei wildem Wetter der Wellenschlag auf dem Ocean des Lebens. Gerade
vielversprechende Naturen finden selten ein Genüge an der Welt und dem Leben, wie umgekehrt das Leben und die Welt selten ein Genüge an den Handlungen und Thaten der Geister finden, welche vermöge ihrer
ursprünglichen Naturanlagen die vollste Befriedigung der Anforderungen und Erwartungen verhießen, welche an jene gestellt wurden. Unsre nationale Literaturgeschichte liefert in Fülle concrete Belege für diese
abstrakte Behauptung. Mühselig und schwerbeladen legt sich Ulrich Hutten auf der einsamen kleinen Insel des Züricher Sees zur letzten Ruh; dort modert das tapfre gestählte Herz mit allem seinen Weh und seiner Liebe,
erkaltet und vergessen für Jahrhunderte. Günther erfährt, daß die Menschen Kränze flechten und das Schuldig sprechen nach dem äußern Erfolge, daß die Welt die Vorsicht den bessern Theil der Tapferkeit und ein
schaufelhütiges Puritanerthum eine respectable Moralität nennt, daß sie den Stab über den Schiffer bricht, der bei wolkenumsäumtem Horizont das Segel dem Sturm entgegenspannt. Bürger und Grabbe beweisen, wie oft
durch die Ungunst der Verhältnisse ein Menschenleben als ein verfehltes und verwerfliches erscheint, das doch trotz einzelner Verirrungen, zu denen die Heißblütigkeit der genialen Natur verleitete, dem Großen und
Ganzen galt, so lange sein Odem ging, das doch, so lange seine Pulse schlugen, dem Guten und Schönen geweiht war.“
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1858
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Gelzer, Heinrich. Wielands Schule. Bürger. In: Die neuere Deutsche National-Literatur nach ihren ethischen und religiösen Gesichtspunkten. Erster Theil.
“[S. 417] Als Volksdichter räumen wir ihm ebenso entschieden eine hohe Stelle ein, als wir ihm als Volkslehrer die wahre Würde nnd Weihe absprechen müssen. Er hatte, geleitet durch die Bekanntschaft mit der alten Volks- und Natur-Poesie (wobei ganz besonders Percy´s Relicks und Herder einen großen Einfluß übten), wieder den Weg gesucht zu den tieferen lebendigen Quellen echter Dichtung; in den Gefühlen, Anschauungen, Sagen nnd Ueberlieferungen des Volkes schöpfte er den Gehalt und den Ton seiner besten Dichtungen, unter denen die ´Lenore´ (1773) weltberühmt geworden.[...] Hatte ihn sein Talent zum ausgezeichneten Volkslehrer bestimmt, so stand der tiefe sittliche Zwiespalt, der durch sein Inneres und durch sein Schicksal geht, mit jenem großen Berufe in drückendem Widerspruche. Denn wo er den Volkston treffen will, sinkt er nicht selten unter den reinen Volkssinn zum Gemeinen und Pöbelhaften hinab, zur widerwärtigeu Derbheit, zur rohen Natürlichkeit der Winkelschenken-Sprache, statt daß er mit läuterndem Dichterfeuer das Volksmäßige zum Idealen, zum reinen Natur- und Menschheits-Gefühle verklärte. - Und wo er nicht in diese Entartung des Volkstones verfällt, erschöpft sich nur zu oft ein großer Theil seiner dichterischen und sittlichen Kraft in dem Kampfe seiner höheren und niederen Natur, in dem Widerstreite von Gewissen und Neigung, wofür er meist nur eine naturalistische Lösung findet. Zwar fehlte es auch bei ihm nicht an Ansätzen zu reiner idealer Seelenstimmung; nur waren sie selten von Dauer, erstickten wieder zu leicht unter dem Hauche einer glühenden Sinnlichkeit.”
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1858
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Graesse, Johann Georg Theodor. §80 [Hainbund]. In: Lehrbuch einer allgemeinen Literärgeschichte aller bekannten Völker der Welt. Digitalisiert von Google.
“[S. 382] Was nun die Leistungen der eigentlichen Bundesgenossen selbst anlangt, so kennt Jedermann Bürger´s Romanzen und Balladen, d.h. nicht etwa jene Travestieen á la Blumauer (z.B. die Geschichte von der Europa) im Bänkelsängertone, sondern jene Leonore u.a., wegen der man ihn mit Recht den Dschengis-Chan der Ballade genannt hat. Daß er Nachahmer fremder Muster, besonders englischer, die er aus Percy´s Sammlung (1765) kennen gelernt hatte, war, kann ihm, da er durchaus Original erscheint, weit weniger zum Vorwurf gemacht werden, als jene Gemeinheiten, die uns an ihm betrüben, und Schiller hat in seiner bekannten Recension (Allg. Lit. Ztg. 1794 Nr.13) fast in Allem Recht, was er ihm Schuld giebt. Gleichwohl hat ihn keiner der spätern Balladendichter, die seine Kühnheit und Ungebundenheit nachahmten, erreicht, ja selbst Uhland ist gegen ihn nur ein Anfänger zu nennen, und daß er ein Volksdichter ersten Ranges war, geht daraus hervor, daß er noch heute im Stande ist, die Jugend, deren Geschmack noch unverdorben ist und die weder der Mode, noch dem Parteiwesen huldigt, in wahre Begeisterung zu versetzen."
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1858
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Pröhle, Heinrich. Aus Gleim´s Leben. In: Westermann´s Jahrbuch der Illustrirten Deutschen Monatshefte. Dritter Band. Braunschweig. Digitalisiert von Google
“[S. 202] Im Ganzen gibt Gleim achtzehn Romanzen. Romanzen und Balladen wurden von dieser Zeit an in Deutschland sehr beliebt und man muß zur Erklärung der ganz außerordentlichen
Wirkungen, welche Bürger's Lenore zu ihrer Zeit hervorrief, die Neuheit der Gattung neben der Schönheit des Gedichts im Auge behalten. Bürger fand in der älteren deutschen und in der altenglischen Volksballade
bessere Muster als Gleim, dessen Ideal hier das Bänkelsängerlied war. Bürger reinigte daher die Gattung wieder und man braucht nur die erste Strophe der Lenore mit Aufmerksamkeit zu lesen, um sich zu überzeugen, daß
er, wie noch mehr z. B. in dem Gedicht von der Prinzessin Europa, schon in dessen Ueberschrift, in der That von demselben leiernden Tone wie Gleim ausging, daß aber die Dichtungsart sich unter seinen Händen schon
erstaunlich veredelt und, wir dürfen hinzufügen, daß sie sich jetzt zu ihrem Höhenpunkte hinaufgeschwungen hatte. Aus dem Vortritte der Gleim'schen Romanzen aber ist es leicht zu erklären, daß Bürger´s Balladen die
Kürze und Leidenschaftlichkeit des Entwurfs fehlte, welche er allerdings in englischen und auch in deutschen Volksballaden als charakteristisches Merkmal vorfand und für die er durch mehr classisches Ausmalen
reichlichen Ersatz geboten hat.“
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1858
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Groth, Klaus. Vierzehnter Brief. In: Briefe über Hochdeutsch und Plattdeutsch. Kiel. Digitalisiert von Google
“[S. 82] Trotz Opitz und den Bemühungen der Schlesier war Johann HeinrichVoß es, der Norddeutsche, der den Hexameter für unserer Dichtkunst eroberte. Selbst Göthe und Schiller haben von
ihm zu einer Zeit als sie längst anerkannt die ersten Dichter Deutschlands waren, Prosodie und Metrik gelernt. Der Göttinger Hainbund, meist aus Norddeutschen bestehend, hielt (wie ich namentlich aus einem zum Theil
noch ungedruckten Briefwechsel zwischen Bürger und Boie ersehe) mit einer Strenge auf logische Reinheit und auf die Sauberkeit des Satzbaues, wie sich unsere jetzigen Verskünstler wohl nicht träumen lassen. Ein
neuer wohlklingender Reim ist ihnen wie ein Fund, ja unser ganzer Reimvorrath, den wir gegenwärtig am meisten anwenden, ist hauptsächlich vom Hainbund flüssig gemacht. Die wohlklingendsten deutschen Verse sind von
Norddeutschen geschrieben, gegen Bürgers Vocal- und Consonantenmusik kann nicht einmal Göthe wetteifern, in Geibel und Freiligrath (einem Lübecker und einem Westfalen), um ein paar Lebende zu nennen, zeigt es sich
noch einmal, in letzterem sogar der Reimklang bis zum Extrem. Man vergleiche einmal die Lenore: Lenore fuhr ums Morgenroth Empor aus schweren Träumen.
Bist untreu Wilhelm usw. mit dem Erlkönig: Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind. Von der innern Form sprechen wir hier nicht. Oder in des Pfarrers Tochter:
Die Mauern wie Silber, Die Dächer wie Stahl, Die Fenster wie brennende Spiegel. Zum Theil beruht es auf diesem einschmeichelnden Wohlklange, daß Bürgers Balladen
die bekanntesten aller deutschen Gedichte und tief in die Volksschichten hinab gedrungen sind, wohin sonst nur unsere echten Volkslieder zu gelangen pflegten.“
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1858
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Gempeler, D. Die Rosenhalde. In: Album des Litterarischen Vereins in Bern. Bern. Digitalisiert von Google
“[S. 37] O wie lieblich und bezaubernd klingen die Sirenen-Melodien der Liebe dem Töchterlein, wenn noch Vater und Mutter für seine Zukunft sorgen, und es an nichts Anderes als seine
Liebschaften zu denken hat. Da ist der geliebte Jüngling ein Halbgott, ohne den es wie Bürgers ´Leonore´ weder im Himmel noch auf Erden leben möchte. Da ist dem Jüngling das Mädchen noch ein Engel, und von der
Fußsohle bis zum Scheitel ist kein Fehl an ihm.“
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1858
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Dubach, J. Der Gang zum Richtplatz. In: Album des Litterarischen Vereins in Bern. Bern. Digitalisiert von Google
“ [S. 278] Sage aus dem Simmenthal in bernischer Mundart von J. Dubach.
´Geduld, Geduld, wenns Herz auch bricht,
Mit Gott im Himmel hadre nicht.´
Bürger.
D´r Tag ist hell, u d´Sunne chynt so fründli, Gar lustig springe d´Schäfli hin u her; [...]“
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1858
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Cramer. Ueber das Sprachenlernen und über Lesen, Schreiben und Rechnen, besonders im Mittelalter. In: Pädagogische Revue. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 163] Die Mutter, und in der innigsten Verbindung mit dieser betrachten wir zunächst das Kind, begleitet ihre Mienen und Gesten mit entsprechenden Lauten oder Worten, wie ja jeder Mensch seine Gedanken und Gefühle auch äußerlich unwillkürlich ausdrückt, und das Innere so Form und Gestalt gewinnt und gewissermaßen sich für Auge und Ohr abspiegelt.
Diese Worte hängen mit den Begriffen und Sachen aufs Innigste zusammen, ja sie sind diese selbst. Gehört z.B. die Vorstellung, die man mit etwas verbindet, dem Gebiete des Sanften oder des Rauhen, des Milden oder
des Harten, des Festen oder des Ungewissen an, so wird auch der äußere Ausdruck zunächst und unmittelbar dies auszuprägen suchen, wie in den Beispielen: wehen, wogen, wallen; Knall und Fall; Sausen und Brausen u. s.
w. Wie bezeichnend ist nicht die eigne Kindersprache im Wauwau, im Kickeri, im Baumbaum der Glocken u. s. w., wie ausdrucksvoll sind nicht die Diminutivendungen und die damit zusammenhängenden Verbindungen auf ´eln,
ern´, wie klingeln, wimmeln, flimmern, wimmern. — Unwillkürlich gesellt sich zu den Worten Bürgers in seiner Leonore: Und immer weiter Hop, Hop, Hop Gings fort im fausenden Galop
der entsprechende Begriff so lebendig, daß wir den schnellen Reiter förmlich vor uns zu sehen glauben.“
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1858
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Anonym. Gemüthliche Unterhaltung. In: Illustrirter Dorfbarbier. 18. Juli. Digitalisiert von Google
“[S. 226] Alles soll in Berlin und Wien bereits fix und fertig sein, vom Oberbefehlshaber, der das Exekutionsheer in Bausch und Bogen kommandirt, bis zum Feldwebel herab und
Wirthschaftsfrau vice. Also Deutschland rückt vor! Weicht der Däne zurück, bon, dann besetzen wir unsre deutschen Lande und schützen unsre braven wackern Landsleute, auf daß der Däne sie nicht länger schuriegeln
darf. Setzt sich die Nachkommenschaft Hamlet's zur Wehr, ruft sie: ´Knapp´, sattle mir mein Dänenroß! bon! bon! da wollen wir diesen Schimmel schon lammfromm machen, ohne daß wir den bekannten Roßbändiger aus Paris
dazu bedürfen. “
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1858
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Gemüthliche Unterhaltung des Dorfbarbiers mit dem General von Pulverrauch. In: Illustrirter Dorfbarbier, 11. Juli. Digitalisiert von Google
“[S. 219] Dorfb. Unter uns, Ew. Gnaden, ich glaub's auch nicht, und ich denke mir, daß wenn die Dänen die Geduld des Bundestags dermaßen schickanirt haben, daß letzterem nichts übrig bleibt als aus der Haut zu fahren und den Säbel umzuschnallen, sie klug genug sein werden, der zwölften Stunde nachzugeben und es nicht zum Aeußersten kommen zu lassen. Zeither schien wirklich die deutsche Diplomatie das Motto angenommen zu haben:
Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht, Nur mit dem Dänen hadre nicht. Aber es hat Alles sein Maaß und Ziel, selbst die Geduld des deutschen Bundestages. “
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1858
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Wolfsohn, Wilhelm. Culturbriefe. In: Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 4. April. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 107] Man sollte kaum glauben, wie selten heutzutage das Begegnen einer lebendigen Persönlichkeit in der Lyrik ist.Indeß die letzte Zeit hat ein paar höchst interessante
Erscheinungen der Art gebracht. Zunächst mit einer will ich Sie heute machen: mit den Gedichten von Otto Banck. ‘
[S. 107] Was sich außerdem am befruchtendsten für Banck's Dichterbildung erweist, ist, daß er seine poetischen Studien, wie man sofort inne wird, besonders am Volksliede gemacht oder an Meistern, die ihre
Kunst vorzugsweise damit genährt. So zeigt es sich denn auch, daß Keiner größern Einfluß auf ihn geübt als Goethe. Die volksthümliche Ballade hat er nicht aus zweiter Hand empfangen, wie manche für diese Gattung
sehr befähigte Talente, die Bürger´s Vorbild abgeschwächt. Banck's durchaus selbständige Behandlung gewinnt namentlich durch eine Idealität, deren Mangel Schiller zwar überstreng aber mit Recht an Bürger
verurtheilt. Lassen Sie mich noch eine Probe von den Balladen Otto Banck's herausheben - auf die Gefahr hin, daß dieser Brief einen unverhältnißmäßigen Raum einnimmt:
Das Lied vom Bruch der Treue Es war im Monat Mai, Beim Duft der Rosen, Da thät ein Ritter frei
Schön Jungfrau kosen. Sie ließ wohl Alles gehn, Das Herz ihr brennet; Er hat sie oft gar schön
Feins Lieb genennet: Und doch verlassen zur schweren Stund´. [...]
Still, wie ein ödes Grab So schwarz uud schaurig, Sank kühl die Nacht herab, So trüb und traurig;
Die Eule rief allein Mit heiserm Krächzen, Und Keiner hört im Hain Der Jungfrau Aechzen. -
Doch ward es still um die halbe Nacht. - [...] Halten Sie dagegen die berühmte Bürger´sche Ballade: ´De Pfarrers
Tochter von Taubenhain.´ Hier mag die Unglücksgeschichte des verführten Mädchens volksmäßiger besungen sein; aber trotz des größern sprachmusikalischen und malerischen Aufwandes steht jenes Gedicht hinter dem von
Banck, welche romantischer ausgeführt erscheint, meinem Ermessen nach sowol im Adel der Auffassung wie in einfacher Empfindung und poetischer Wirklichkeit zurück.“
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1858
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Clauß, Carl. Briefe über die deutsche historische Kunstausstellung in München. In: Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 21. October. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 340] Ein ähnlich genialer Naturalismus, wie bei Koller und Knaus, tritt uns in einem Bilde von Henneberg entgegen. Bürger´s Ballade: ´die wilde Jagd´ hat die Anregung zu dem Bilde
gegeben und der Künstler hat in freier Behandlung dieses Stoffes eine Darstellung der ungezähmten diabolischen Jagdwuth gegeben. Auf dem friesartig länglichen Bild braust, als ob die Hölle losgelassen wäre, auf
wilden Rossen ein toller Troß von Männern, Weibern im mittelalterlichen Jagdcostüm vorüber. Voran der Wildgraf, ein unbändiger Gesell, ins Horn stoßend und die Hetzpeitsche schwingend
Und hinterher bei Knall und Klang, Der Troß mit Hund und Roß und Mann;
Und Hund und Mann und Roß zerstampfte Die Halme, daß der Acker dampfte. Ein alter Bauer ist, von den Hufen der Rosse
getroffen, gestürzt. Um Erbarmen flehend und den Alten schützend wollend, beugt sich seine Tochter mit ausgestreckten Armen über ihn. Aber in infernalischer Zerstörungswuth, die wild aus den rohen und derben
Gesichtern und selbst aus den blauen Augen eines blonden, kräftigen Weibes lacht, geht es dahin über den Hag dem Hirsch, der ins reifende Kornfeld gesprungen ist, nach. Das Bild erinnert an die Schule des Delacroix,
doch sind diese Anklänge keine geistlosen Nachahmungen, sondern beziehen sich nur auf die technische Durchführung, nicht auf Conception und Komposition, welche durchaus auf eigenen Füßen steht und eine feurige
schwungvolle Phantasie zeigt, die den Beschauer mit fortzieht.“
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1858
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Anonym. Berlin, 14 März. In: Beilage zu Nr. 82 der Allg. Zeitung, 23. März. Augsburg. Digitalisiert von Google
“[S. 1307] Die neueste ´Jllustrirte Zeitung´ enthält das Bild welches von ´Bürgers Molly´ vor einigen Jahren als besondere Lithographie erschien, mit Text, der ein Auszug ist aus
dem früher in der Allg. Zeitung ausführlich besprochenen Buche: ´Gottfried August Bürger. Sein Leben und seine Dichtungen. Von Dr. Heinrich Pröhle. Leipzig 1856.´ Derselbe Verfasser hat jedoch Nachträge zu dieser
Schrift in Herrigs Archiv für das Studium der neuern Sprachen und Litteraturen veröffentlicht (1857, XXl. Band), worin es nach einer ihm zugegangenen Privatmittheilung von ´Molly's Bilde´ heißt: Ob das Bildniß
wirklich Molly darstellt? Der verstorbene Hauptmann Wrisberg (in Göttingen) besaß zwei Frauenzimmerporträts, die angeblich die zwei Schwestern darstellen sollten. Im Anfang der zwanziger Jahre wurden beide Porträts
neben einander einer Person gezeigt welche den beiden Schwestern unter andern in Bürgers eigener Wohnung Besuche gemacht hatte. Sie erklärte bestimmt daß sie in dem einen, das für Bürgers erste Frau jetzt ausgegeben
wird, die Molly erkenne, während das andere, das jetzt lithographirte, wirklich Bürgers erste Frau darstelle.´ Das oben erwähnte Archiv des Professors Herrig, welcher hier Lehrer am Cadettencorps und an einem
Gymnasium, so wie Examinator bei der Prüfungskommission für das höhere Schulamt ist, und bekanntlich mehrere sehr verbreitete Schulbücher herausgab, wird das Organ der von ihm neu begründeten ´Berliner Gesellschaft
für das Studium der neuern Sprachen.´ “
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1858
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Anonym. [Rez.] Die Sansare und andere Romane. In: Die Grenzboten. Leipzig. Digitalisiert von Google
“[S. 486] Aber so sehr man sich für die Person des Abenteurers interessirt, der so bunte Schicksale durchmachte, in einem Punkt war doch das Publicum vollkommen einig, daß ihn zuletzt
der Teufel holen müsse. Und in der That holt ihn zuletzt immer der Teufel. Wenn ihm auch nicht die natürlichen Folgen seiner Handlungen über den Kopf wuchsen, wenn er der Blutrache, der Polizei und der Justiz
entging, so öffneten sich zuletzt die Pforten der Hölle, die Geister der verschiedenen Opfer stiegen daraus hervor und Don Juan konnte seinem Schicksal nicht entgehn. Selbst bei den Franzosen in ihrer Periode der
ärgsten Verwilderung ist der Ausgang fast immer tragisch und die deutschen Dichter, die meistens dem Bürgerstand angehörten und denen es doch bedenklich vorkommen mußte, dem reichen liederlichen Adel das Heiligthum
ihrer Familie gar zu unbedingt Preis zu geben, dachten in diesem Punkte sehr streng. Wenn der Junker von Falkenstein der Pfarrerstochter von Taubenhain zurief: ´Lieb Närrchen. so wars nicht gemeint, wenn dir mein
schmucker Jäger gefällt, so laß ichs mir kosten ein gutes Stück Geld, dann können wirs weiter so treiben!´ wenn der Junker sich so ausdrückte, so war der Dichter keineswegs damit einverstanden, er verfehlte niemals
seine sittliche Entrüstung so laut als möglich an den Tag zu legen. Jetzt hat sich die Stimmung geändert, man findet, daß gegen den Junker von Falkenstein nichts einzuwenden sei, und das
Röschen muß sich damit zufrieden geben, die Umarmungen eines Halbgotts genossen zu haben. Der neue Roman Alfred Meißners, der uns vorliegt, die Sansara (4 Bde. Leipzig, Herbig) beginnt mit einer Geschichte, die sehr lebhaft an die Ballade von Taubenhain erinnert. Ein Don Juan von echtem Wasser, schön, muthig, entschlossen, reich, Besitzer von so und so viel Schlössern in Böhmen, entführt unter erschwerenden Umständen ein steiersches Fischermädchen, indem er bei der Gelegenheit noch einigen adeligen Fräulein das Herz bricht: nämlich gleichzeitig drückt er verschiedenen Damen seine glühende Liebe aus und bringt sie dadurch aus ihrer sittlichen Ordnung. “
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1858
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Anonym. Feuilleton. In: Kladderadatsch, 24. Januar. Berlin. Digitalisiert von Google
“[S. 14] Knapp sattle ich mein Dänenroß, Daß ich mir Ruh' erreite.
Frankfurt a. M. D. D. B. und ? “
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1858
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Weber, Beda. Das protestantische Princip in Berlin. In: Cartons aus dem deutschen Kirchenleben, Mainz. Digitalisiert von Google
“[S. 26] Wer hat denn dieser Revolution in Frankreich die lautesten Grüße zugejubelt? Seid nicht Ihr es gewesen, Männer von der Spree, von der sächsischen Saale, von den einsamen Dünen? Klopstock
sang mehr als einen Päan im Odenflug für die neue Morgenröthe, welche in Frankreich aufging. Bürger empfand ein unmuthiges Herzdrücken im Gedanken an den französischen Bauer, welcher sich lieber von ´Pfaff und
Edelmann´ um den eigenen Herd peitschen lassen, als Revolution machen wollte. Eure Dichter und Propheten, eure Diplomaten und Oberpriester haben mit den Rauchsäulen dieses Vulcans geliebäugelt, bis ihnen die Lava
in's deutsche Zimmer an den gepolsterten Schreibstuhl gesprudelt ist. Lauter Freunde Stahl's und keine Katholiken!”
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1858
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Biedermann, Karl. Die Nordamerikanische u. die Französische Revolution. In: Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte, Nürnberg. Digitalisiert von Google
“[S. 569] Bürger hatte wenigstens anfangs den Enthusiasmus Klopstocks für die Revolution getheilt, wenn er auch später einigermaßen irre an ihr wurde. Zeuge dessen sein: ´Straflied beim schlechten Kriegsanfange der Gallier´, worin sich die Verse finden:
„Wer nicht für Freiheit sterben kann, Der ist der Kette werth, Ihn peitsche Pfaff und Edelmann Um seinen eignen Herd.
O Franzen, eure Rednerei Ist mir ein Gräuel nun, Nicht prahlen, daß man tapfer sei, Nein, tapfer muß man thun.
Wie war mein freies Herz entbrannt, Getäuscht durch Adelschein, Selbst gegen Hermanns Vaterland, Tyrtäus euch zu seyn!
Nun wend' ich meines Liedes Pfeil, Von Unmuth rasch beschwingt; Und rufe Jedem Sieg und Heil, Der euch die Fessel bringt.
Sogar der gräfliche Dichter Friedrich Leopold von Stolberg bewillkommte freudig das ´Jahrhundert der Freiheit´ als ´die schönste Tochter der spätgebärenden Zeit."
Dagegen verhielt sich der, sonst diesen Kreisen nahestehende und wahlverwandte Gleim vom Anfang an streng abweisend, ja verachtungsvoll gegen die Bewegung in Frankreich.”
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1858
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Anonym. Zukunftspolitiker. In: Leipziger Zeitung, 23. Juni.
“[S. 3157] Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht. Aus Thüringen, 18. Juni. (Am Jahrestag von Belle Alliance, wo die Preußen sich als treue Alliierte erwiesen, [...].”
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1858
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In Sachen der Presse. In: Kurier für Niederbayern, 28.07.
“[S. 813] Gelüstet es ihr, in gleicher gemeiner Weise zu Persönlichkeiten auch fürderhin zu langen, so ist das Geschmacksache, wir thun es nimmermehr, und denken mit dem Dichter:
´Wenn Dich die Lästerzunge sticht, Laß Dir zum Troste sagen, Die schlechtesten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen.´ - “
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1858
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Die deutsche Litteratur in den Pariser Hörsälen. In: Allgemeine Zeitung, 07.02.
“[...] und sprach über Borneo und seine Zukunft, und über China,
und stürzte sich in Reflexionen über Bildungsfähigkeit der Asiaten, war dann mit e inem Sprung wieder bei Lord Byron und Lovelace und Mrs. Fitzherbert, und wie's nun so immer weiter ging im sausenden Galopp, und der
arme Bürger gar nicht zum Wort kam, da hielt ich's endlich nicht mehr aus, und machte hurre, hurre, daß ich zum Saal hinauskam, um mich von der wilden Gedankenjagd zu erholen.”
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1858
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Vaterländische Nachrichten. In: Bayerischer Kurier, 31.07.
“[S. 1400] Die gelehrten Herren sausen auf ihrem hipothetischen Rosse so dahin,
Daß Roß und Reiter schnoben, Und daß die Funken stoben, weßhalb es wohl begreiflich ist, wenn sie übersehen, was doch so nahe liegt; nämlich daß durch die Anbringung der Aborte a ußer
der Wohnung der Unsittlichkeit ein wesentlicher Vorschub geleistet wird, ja selbst Leben und Eigenthum der Bewohner gefährdet erscheint, weil Niemand, der Dienstleute hat, seine Wohnung zur Nachtzeit mehr absolut
absperren und den Schlüssel in dem Schlaf-Zimmer hinterlegen kann.”
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1858
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Mars und Venus. In: Bayerischer Kurier, Familienschatz 08.12.
“[S. 390] Nur der vierte Gast am Tische machte
ein etwas mürrisches Gesicht und rückte verdrossen zur Seite; er war in seiner Jugend bei der Post angestellt gewesen und trank Zwölfer, er mußte immer etwas Appartes haben. Und das Steckenpferd wurde geritte,
daß Roß und Reiter schnoben und Kies und Funken stoben.”
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1858
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Pfarrkirchen. In: Kurier für Niederbayern, 28.07.
“[S. 812] Jeder sucht sich einen Platz und allmählig, wie eine lange kolossale Schlange wälzt
sich der Rennzug mit Rennmeistern, Buben und Pferden dem Thore zum Absprengen zu. Noch ein Schuß - und durch das weit geöffnete Thor hopp! hopp! hopp!
´Gingsfort im sausenden Galopp, Daß Roß und Reiter schnoben Und Kies und Funken stoben!´”
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1858
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Mießnik, Carl. Hundstagsferienarbeit des Unterquartaners Carlchen Mießnik. In: Kladderadatsch, 08.08.
“Eben wollte ich mit der Einen, einer
hellblonden, blauäugigen Brunette, ein Gespräch beginnen; doch - patsch! schlug unser Schiffscapitän - jede meiner schönen Leserinnen wird unter der Maske dieser kühnen Metapher den Omnibusführer erkannt haben - die
Thür zu; klatsch! knallte der Steuermann - natürlich der Kutscher, um im Bilde zu bleiben - mit der Peitsche, und hui! Hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
Ging's fort in sausendem Galopp, d.h. in einem Tempo, mit welchem der langstielige Fresken-Pinsel des Reise-Kaulbach immer noch Schritt halten konnte.”
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1858
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Anonym. Aus Crefeld. In: Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler, 24.07.
“[S. 235] Das
gestrige Concert ist die beste Erwiederung auf jenen Artikel und lässt jeden Unparteiischen und Unbefangenen unschwer dessen Quelle erkennen.
Das sind ja nicht die schlechtesten Früchte, woran die Wespen nagen!”
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Marggraff, Rudolph. Zur Erinnerung an Joseph Stieler und seine Zeit. In: Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung, 14. Juni
“[S. 558] Einen interessanten Abend verlebte er in einer Gesellschaft bei der berühmten, seit ihrem fünften Lebensjahre erblindeten Sängerin und Componistin Mar. Ther.v. Paradis. Er schildert
ihren Anblick als herzzerreißend, so melancholisch leidend waren ihre Züge; doch wenn sie sprach, verlor sich dieß Gefühl des Mitleids, denn man fand an ihr die heiterste, glücklichste Person, die sich den Tag noch
einmal so lange wünschte, um das Leben recht genießen zu können. Sie gab beinahe den ganzen Tag Lectionen. Abends spielte sie Karten und mit mehr Geschicklichkeit als Sehende; sie gewann Stielern eine Partie Piquet
ab. Ihre Karten waren alle durch Stiche einer Nadel gezeichnet, die Farbe durch die Entfernung der Stiche angedeutet und die Figuren durch ihre Richtung. Ihr Spiel auf dem Fortepiano war präcis und schön, ihre
Composition zur Tochter von Taubenheim vortrefflich; sie sang dieselbe mit viel Empfindung.”
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1858
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Mitteilung. Tag-Blatt der Stadt Bamberg (Bamberger Tagblatt), 14.01.
“Frau von Sternwaldt hat zu ihrem morgen stattfindenden Benefice ´Leonore´,
nach Bürgers dramatischem Gedichte für die Bühne bearbeitet von Holtei. gewählt. Wir nennen diese Wahl recht gut, da dieses hier von jeher sehr beliebte Stück schon seit mehreren Jahren nicht mehr gegeben wurde und
da Frau von Sternwaldt sich gewiß in heuriger Saison sowohl im ernsten als komischen Fache höchst vortheilhaft ausgezeichnet hat, so werden sämmtliche Theaterfreunde es auch nicht verabsäumen, die beliebte
Benefiziantin für ihre schönen Leistungen einigermaßen zu entschädigen und zu ermuntern.”
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1858
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Anzeige. In: Deutsche allgemeine Zeitung 17.10.
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1858
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Anzeige. In: Der Dampfwagen 01.04.
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Anzeige. In: Dresdner Anzeiger und Tageblatt 14.12.
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Anzeige. In: Dresdner Nachrichten 18.12.
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Anzeige. In: Elbeblatt Amtsblatt für die Königlichen Gerichtsämter und Stadträthe zu Riesa und Strehla 23.03.
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Anzeige. In:Bothe für Tirol und Vorarlberg 13.11.
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Anzeige. In: Augsburger Anzeigeblatt 10.01.
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bis 1789 1790-1799 1800-1806 1807-1815 1816-1821 1822-1825 1826-1828 1829-1831
1832-1836 1837-1840 1841-1845 1846-1850 1851-1855 1856-1858 1859-1861 1862-1865
1866-1868 1869-1870 1871-1880 1881-1897 1898-1915 1916-1949 ab 1950 nach oben
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